Melodien von Dudelsäcken und einer Harfe erfüllen die Mauern einer fast 500 Jahre alten Burg. Eine bezaubernde Braut tanzt ausgelassen, nachdem sie ihren Brautstrauß in die grölende Menge warf – klingt wie eine Traumhochzeit und nicht wie ein Rockkonzert. Doch genau diese Szenen spielten sich vergangenen Freitag im Wasserschloss Klaffenbach bei Chemnitz zum dritten Akt der 2018er Burgentour von In Extremo ab.

Doch zurück zum Anfang… Die elfte Auflage der schon zur Tradition gewordenen Open-Air-Tour der erfolgreichen Mittelalterrocker startete im Juni durch geschichtsträchtige Kulissen, in denen Rockkonzerte möglich sind. Mit mehr als 20 Jahren Bandgeschichte, mehr als 20 veröffentlichten Alben und über 1000 Live-Auftritten ist In Extremo die bekannteste deutschsprachige Band des Genres Mittelalter-Rock. Zum  Konzert vergangenen Freitag gastierte die Band erneut im malerischen Ambiente des Wasserschlosses im Herzen Sachsens. Das im 16. Jahrhundert erbaute Schloss der Renaissance öffnete ab 18 Uhr den zahlreichen pünktlichen Fans seine Pforten, die in den ausverkauften Innenhof des Schlosses strömten. Das vielfältige Publikum aus alteingesessenen Rockern, alternativen Batikshirtträgern, freilaufenden Sekretärinnen und kindlichem Nachwuchs brachte die Kapaziztät des Schlossplatzes schnell an seine Grenzen. Auch die vorhandene Infrastruktur des Getränkeausschankes hatte bei den sommerlichen Abendtemperaturen über 30°C und der geringen Luftzirkulation alle Hände voll zu tun, die durstigen Kehlen zeitnah mit Nachschub zu versorgen – aber das war wohl auch das einzige Manko des Abends.

Für In Extremo einheizen!

Support an diesem Freitag machte die fünfköpfige Besetzung der kroatischen Rockband Manntra. Auch wenn vermutlich für die Meisten der Konzertbesucher eine Sprachbarrierere zu den inhaltlichen Aussagen der Band bestand, heizten sie mit ihrem Folk Metal und dem Hauch des Exotischen ordentlich den schon vor Vorfreude strotzenden Musikliebhabern ein und bereiteten den Weg für die Helden des Abends – In Extremo.

Mit tosendem Applaus wurden “die Sieben” von ihren Fans begrüßt und eröffneten ihr fast zweistündiges Konzert mit “Feuertaufe”. Fast schon zu perfekt passte das Flair des Schlosses, der im Hintergrund leuchtende Sonnenuntergang, die ersten Stichflammen der Pyroshow zu dem wunderschönen Refrain von “Feuertaufe”- ein Gänsehautmoment dem an diesem Abend noch viele folgen sollten. In gewohnter Marnier legten sie eine Live-Show hin die ihresgleichen sucht. In der weiteren ersten Hälfte konnte sich das Publikum an Titeln wie “Störtebeker”, “Vollmond” und “Zigeunerskat” erfreuen. Eine bunte Auswahl an alten Hymnen und auch neueren Songs aus dem dem letzten Album “Quid pro Quo” – und fast allesamt auf der Best-of-Veröffentlichung aus 2017 “40 wahre Lieder” zu finden.

Ein Höhepunkt des Abends und wohl das Highlight in der Ehe des frisch vermählten Paares begann, als das letzte Einhorn alias Micha Rhein eine junge Braut am Rande des Konzertes erspähte. Fast fassungslos darüber, dass neben dem Konzert noch eine Hochzeitsfeier stattfand, holte er das glückliche Pärchen auf die Bühne. Das Publikum feierte die beiden sowohl beim Brautstraußwurf als auch beim nächsten Titel während sie auf einem Podest zusammen mit der Band abrockten. So “Frei zu sein” wird wohl den beiden nicht so schnell wieder gelingen, wie an diesem Abend.

Im Anschluss folgten unter anderem “Wind”, Belladonna”, “Sängerkrieg” und das althochdeutsche “Merseburger Zaubersprüche II” bevor die ultimative Schunkelhymne “Sternhagelvoll” die Stimmbänder der Konzertbesucher strapazierte und das letzte angekündigte Lied “Moonshiner” durch die Burgmauern hallte.

Natürlich durfte die Zugabe nicht ausgelassen werden und so verabschiedetete sich In Extremo mit “Himmel und Hölle, “Liam” und schlussendlich dem estländischen Donnergebet “Pikse Palve”.

Fazit:

Ein absolut fantastischer, wenn auch verdammt heißer Abend in einem bezaubernden Ambiente, den man nicht so schnell vergisst. Musikalisch braucht man zu In Extremo nicht mehr viel sagen – sie haben wie immer einen medievalen Rockabend vom Feinsten abgeliefert, gepaart mit einer spektakulären Pyroshow. Egal ob langjährige Fans oder neu begeistert von In Extremo – lasst sie Euch nicht entgehen. Weitere Open-Air Shows gibt es noch im August und September. Unter anderem rocken die Sieben noch das Schloss Neu-Augustusburg in Weißenfels, das Amphitheater in Hanau sowie die Schlösser in Oranienburg und der Lutherstadt Wittenberg.