Lässt man den Blick über die feierwütige Meute vor der Bühne schweifen, entdeckt man schon lange nicht mehr nur dicke Bierbäuche und Bärte. Längst haben Frauen den Mikrokosmos der deutschsprachigen Rockmusik infiltriert und stehen den Herren in Nichts nach – könnte man meinen. Doch in der Männerdomäne kleben an Frauen noch immer Klischees, wie zähe Kaugummis am Schuh.

Kampfgewicht und Pixieschnitt

Klar muss Frau den Sänger ihrer Lieblingsband anfassen wollen, nur weil sie deren Musik gut findet! Jeden Liedtext zu kennen und dabei noch trinkfest zu sein, reicht offensichtlich nur, wenn dir was zwischen den Beinen baumelt. Haben Frauen nicht gerade 130 Kilo Kampfgewicht und einen bunt gefärbten Pixieschnitt, sind sie auf Konzerten sicher nur das Anhängsel von jemandem, der ein „richtiger Fan“ ist. Als 160-cm-Blondine wird man mit so manchem Vorurteil konfrontiert. Aber egal wie ätzend die Kommentare sind: Schlagfertig zu kontern, ist dabei meistens eindrucksvoller, als ein tatsächlicher Schlag ins Gesicht, der aufgrund von mangelnder Kraft eher peinlich als smart wirkt – glaubt mir!

#MeToo

Lässt man die sinnfreien Sprüche mal beiseite, ist noch lange nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Aus spaßiger Feierei wird schnell ein beklemmendes Erlebnis, an das Frau ungern zurück denkt. Spätestens nach der #MeToo-Kampagne bewertet man den ein oder anderen Vorfall nicht mehr als Bagatelle, sondern als das, was es nunmal ist – sexuelle Belästigung.

„Trägst du da was drunter?“

Bei steigendem Alkoholpegel fallen offenbar alle Hemmungen. Hört man sich die Erfahrungen von verschiedenen Mädels an, gibt es keine Einzige, die nicht schonmal unangenehme Vorfälle miterleben musste. Da landet in der Menge gerne mal die Hand an Stellen, wo sie nicht hin gehört oder man wird von einem völlig Fremden gefragt, ob man unter seiner Leggins Unterwäsche tragen würde und ob er das mal überprüfen dürfe. Was ist das für eine Frage? Selbstverständlich lässt sich Frau das nicht zwei mal sagen und zieht blank – nicht! Klingt schon unangemessen schmierig? Gehört aber eher noch zu den harmlosen Erfahrungsberichten.

Absolut grenzüberschreitend wird es dann, wenn die Männer gewalttätig und übergriffig werden. Eine Bekannte berichtete davon, gepackt worden zu sein und sich gerade noch mit Mühe und Not aus dem Griff befreit zu haben, bevor er sie in die Dusche schleifen konnte. Ich selbst wurde schon auf den Campingplatz verfolgt und derart genötigt, dass ich mir nur noch mit einem Knie in seine Weichteile zu helfen wusste. Das sind leider keine traurigen Einzelfälle, sondern landen etwa im Mittelfeld der Top 10, der armseligsten „Annäherungsversuche“.

Eine Armlänge Abstand

Für viele Frauen bedeutet das kreativ zu werden, wie sie sich selbst schützen können, dabei ist eine Armlänge Abstand nur in den wenigsten Fällen hilfreich. Am Besten niemals allein unterwegs sein, in der Gruppe wird man seltener belästigt, oder hat zumindest schnell Hilfe. Für mich hat sich außerdem das Schlafen im Auto etabliert, denn abgeschlossen bleibt garantiert jeder ungebetene Gast draußen.

Selbstverständlich kann man dabei nicht das gesamte männliche Geschlecht auf einen Haufen werfen und mit erhobenem Zeigefinger belehren. Es gibt zum Glück noch genügend Exemplare der Gattung, die sich zu benehmen wissen und auch gerne behilflich sind, wenn sich ein vermeintlicher Don Juan nicht unter Kontrolle hat.

Damit beim Feiern auch wirklich jeder seinen Spaß hat, habt einfach mal ein Auge für solche Situationen. Ihr seht ein Mädchen, das belästigt wird? Geht hin und fragt ob alles in Ordnung ist. Ihr habt selbst einen im Tee und findet die Frau ganz lecker? Ein nettes Lächeln kommt zu 100 Prozent besser an, als ein Griff an den Hintern, denn da wird die einzige Berührung, die ihr von eurer Angebeteten bekommen werdet, eine Ordnungsschelle sein.

Und das Wichtigste: Nein heißt NEIN!