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Frei.Wild Corona Tape II – Review

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„Kreativität, der natürliche Feind der Langeweile“, sagte schon der deutsche Aphoristiker Peter Rudl. Und hier wurde die Livepause ideal genutzt. Nach nicht einmal einem halben Jahr veröffentlicht die Südtiroler Band Frei.Wild am 02.10.2020 ihr zweites CORONA TAPE II – ATTACKE IS GLÜCK, welches seinem Namen vollends Ehre macht.  Auf ihrem 16. Studioalbum haut die umstrittene, gesellschaftskritische Band aus Brixen ihren Fans insgesamt 12 neue Bretter an charakterfesten Songs um die Ohren, direkt durch die Membrane. Die Box bietet dem Hörer mit „Mit dem Herz eines Adlers“ und „Meine Augen durch deine Augen“ noch zwei weitere Tracks.

Tracklist

1. Planet voller Affen
2. Attacke ins Glück
3. Alle Menschen sind gleich
4. Die nur nach fremden Sünden fischen
5. Ciao Bella, Ciao
6. Ich und mein Scheiß
7. Lassen wir die Welt nich allein
8. Geile Heimat
9. Gladiator und Draufgänger
10. Wecke deinen Helden auf
11. Nur Gott richtet mich
12. Sei du dein Lieblingslied

Gretchenfrage

Die wohl am meisten gestellte Frage, ob die Band jemals wieder zu ihrem gewohnten, harten Sound findet, wird mit dem Opener „Planet voller Affen“ prompt beantwortet. Der gesellschaftskritische und geradezu aktuelle Song bietet dem Hörer stimmlich einen Einstieg mit ganz lautem Krawall, der sofort Vorfreude auf den Rest des Albums verspricht. Die erste Single-Auskopplung handelt von all den fingierten Märchen aus dem Dschungel-Buch der ganzen Ober-Gurus. Musikalisch wird hier sofort, nach alter Manier, richtig Gas gegeben. Spätestens mit dem zweiten Track und letzter Single-Auskopplung des Albums „Attacke ins Glück“ sind Frei.Wild wieder back to the roots. Der von Drums regierte Song ist mit Trademarks, wie „Sieger stehen da auf, wo Verlierer liegen bleiben“ nun auch für die, sich abgewendeten Fans wieder völlig catchy. Eine Mischung aus Eloquenz und dynamisch, dominantem Sound bietet der dritte Song „Alle Menschen sind gleich“. Hier machen die Jungs klar, wie sie ihre eigenen Prioritäten am Ende des Tages setzen, untermalt von wuchtigen Drums.

Jeder kennt es

Wie toll es doch wäre, wenn sich jeder so intensiv um die eigenen Probleme kümmern würde, wie um die anderer… Mit „Die nur nach fremden Sünden fischen“ bringt Frei.Wild einen direkten und unverblümten Track auf das CORONATAPE II. Die Jungs machen deutlich, wie essenziell eigentlich die Lösung der eigenen Probleme wäre. Jedoch wurde hier etwas viel mit Effekten auf Philipps Stimme experimentiert. Nun wird es mit „Ciao Bella, Ciao“ Zeit für eine rhythmische Feierhymne a´la Weil du mich nur verarscht hast. Der Song schiebt ordentlich nach vorne.

Ball galant abgespielt

Ui, ui, ui… mit dem Song „Ich und mein Scheiß“ ballern die vier Musiker aber extrem los. Mit ihrer gewohnt, deutlichen Kernaussage: „Interessiert mich ´nen Scheiß, was du über mich denkst“ zeigen sie ihren Kritikern, was sie von deren Meinung halten à nichts!!! Begleitet wird der aussagekräftige Text von einem hymnisch, schnellen Sound. Der nächste Song bietet allen Hörern die Möglichkeit zur Selbstreflexion. Machen wir Menschen die Welt mit unserem Wimpernschlag an Leben kaputt? Warum ändern wir nichts daran? Ein epischer Text mit schmerzlich vermissten, harten Klängen.

Hier spitzen einige sicher ihre Ohren

Mit „Geile Heimat“ hat sich Südtirols ganzer Stolz textlich wohl wieder in sein transparentes Domizil begeben. In der Hand: große, schwere Steine… Musikalisch holen sie hier das maximale Volumen heraus und ihre Sprachkunst im Refrain wertet das Album nochmal richtig auf. „Gladiator und Draufgänger“ gibt dem Hörer zum Endspurt nochmal Zeit zum Verschnaufen. Die ruhigen Klänge und der schlagkräftige Text bilden eine gigantische Symbiose, welche erheiternd auf jeden wirkt, der gerade eine schwere Zeit durchmacht. Der tanzbare Track „Wecke deinen Helden auf“ bringt den Song mit seinem zugkräftigen Sound schon zu Beginn auf ein hohes Level und ist gleich erwartend mitreißend.  Die zweite Single-Auskopplung „Nur Gott richtet mich“ haut musikalisch nochmal alles an Energie raus. Fette Bässe, harte Drums, klassisch rockige Riffs und die prägnante Stimme von Philipp reißen die Fans nun endgültig von ihren Plätzen und machen Laune zum Pogen. Einen echt starken Höhepunkt liefern die Jungs mit dem letzten Song des Albums ab. „Sei du dein Lieblingslied“ beweist sich als spektakulärer Ausklang mit toller Melodie und warmer Stimme.

Fazit

CHAPEAU!!! Mit CORONA TAPE II – ATTACKE INS GLÜCK präsentiert Frei.Wild den Fans tatsächlich eine gewaltige Portion akustisches Glück. Die anfängliche Skepsis ist nach den ersten Tracks verschwunden. Frei.Wild hat sich hiermit wieder komplett gefunden und sogar weiterentwickelt. Mit ihrem 16. Studioalbum holen die vier Südtiroler ihre Fans wieder an erwarteter Stelle ab. Aber ob Philipp mit seiner ausdrucksvollen Stimme so viele Effekte nötig hat, bleibt fraglich.

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Sandy Schubert
Sandy Schubert
Als ich, 30 Jahre, in meiner Jugend das erste Mal mit Rock, insbesondere Deutschrock, in Berührung kam, war damit meine Selbstfindungsphase abgeschlossen. Seit einigen Jahren findet man mich auf diversen Konzerten und Festivals, meist ganz vorne .
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