Die einen sind zu rechts, die anderen sowieso – Wie man seit Jahrzehnten an zwei Rockbands verzweifelt
Seit Jahrzehnten liefern die Böhsen Onkelz und Frei.Wild den Soundtrack für Millionen Fans und den Stoff für endlose Diskussionen. Warum zwei der erfolgreichsten Deutschrock-Bands gleichzeitig gefeiert und verteufelt werden, ist längst ein Phänomen für sich. Wir haben uns für euch mit dem Thema auseinandergesetzt und die wichtigsten Fakten aufgeführt. Ja, was sollen wir sagen, es gibt Bands, die machen Musik. Und es gibt Bands, die lösen schon beim bloßen Erwähnen ihres Namens, eine totale Massenhysterie aus. Willkommen in der Welt der Böhsen Onkelz und Frei.Wild. Zwei Bands, Millionen Fans, ausverkaufte Hallen, Nummer-Eins-Alben. Und trotzdem wird seit Jahren so getan, als würden sie morgens aufstehen, um die ganze Republik ins heillose Chaos zu katapultieren. Die all typische Grundsatzdiskussion frei Haus geliefert. Dazwischen? Wenig!

Die Böhsen Onkelz tragen dabei einen Makel mit sich herum, den viele Kritiker ihnen bis heute nicht verzeihen wollen. Ihre frühen Jahre waren geprägt von einer Nähe zur Skinhead-Szene, einige Songs aus dieser Zeit gelten heute zurecht als problematisch. Die Band hat sich davon längst distanziert, ihre Fehler eingeräumt und über Jahrzehnte immer wieder deutlich gemacht, wo sie heute steht. Trotzdem ist es bemerkenswert, wie hartnäckig sich die Dauerdiskussion hält. Egal wie viele Alben erscheinen, wie viele Konzerte gespielt oder Interviews geführt werden, für manche Kritiker bleiben die Böhsen Onkelz auf ewig die Band von damals. Sie tragen ihre Jugendsünden seit Jahrzehnten wie einen schweren Rucksack mit sich herum, der offenbar laut Verfechter, nie leichter werden darf. Wer die Onkelz kritisiert, weil er ihre Vergangenheit problematisch findet, hat jedes Recht dazu. Wer aber so tut, als hätte sich seit den Achtzigern nichts verändert, der sollte vielleicht nicht nur einen Blick in den Kalender werfen, sondern auch die Lauscher spitzen. Denn unabhängig davon, wie man zur Band steht, erzählen ihre Texte und öffentliche Aussagen seit vielen Jahren eine andere Geschichte als die ihrer frühen Anfangszeit.
Die Vergangenheit, die nicht sterben darf

Und dann wäre da noch Frei.Wild. Die Südtiroler haben das Kunststück geschafft, gleichzeitig von Tausenden geliebt und von Tausenden, drücken wir es mal solide aus, misstrauisch beäugt zu werden. Der Grund? Heimat. Identität. Herkunft. Begriffe, die früher völlig selbstverständlich waren und heute je nach Blickwinkel, entweder für Verbundenheit oder für einen drohenden Weltuntergang stehen. Kaum erscheint ein neuer Song, dauert es nicht lange, bis uns irgendwo jemand erklärt, was die Band angeblich wirklich sagen wollte oder die Hobby-Ankläger wortlos mit ihrem gezückten Zeigefinger in der Ecke stehen. Dabei ist es immer wieder erstaunlich, wie viele Menschen offenbar besser wissen, was in den Köpfen der Musiker vorgeht, als die Musiker selbst. Aber auch hier darf man natürlich die Texte kritisch hinterfragen. Natürlich darf man diskutieren. Aber mal ehrlich, manchmal entsteht der Eindruck, als würden manche Kritiker mit einer Lupe nach dem suchen, was sie längst gefunden haben wollen. Wir sind der Meinung, der größte Unterschied zwischen beiden Bands ist ohnehin nicht die Musik. Bei den Böhsen Onkelz, dreht sich die Debatte um die Vergangenheit. Bei Frei.Wild, dreht sich die Debatte um die Interpretation der Gegenwart.
Das Kuriose daran ist, dass beide Bands politische Etiketten zurückweisen. Beide Bands sehen sich als Rockbands. Beide Bands haben Fans aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Schichten. Und trotzdem wird über kaum eine andere Musikrichtung so leidenschaftlich gestritten, wie über Deutschrock. Die Onkelz erzählen Geschichten von Abstürzen, Freundschaft, Verrat und dem ewigen Kampf gegen die eigenen Dämonen. Ihre Texte kommen oft aus der Magengrube und nicht selten mit der Faust auf den Tisch. Frei.Wild setzt stärker auf Heimatgefühl, Familie und Gemeinschaft. Wo die Onkelz den Blick nach innen richten, schaut Frei.Wild häufiger auf ihr Umfeld. Und wo, liebe Kläger, liegt nun das Problem?
Während die Kritiker diskutieren, füllen die Bands die Hallen

Die eigentliche Frage lautet aber längst nicht mehr, wer die besseren Songs schreibt oder die größeren Konzerte spielt. Die Frage lautet: Warum wird bei diesen Bands ständig über alles gesprochen, außer über die Musik? Vielleicht weil Kontroversen einfacher sind als Differenzierung. Vielleicht weil Schwarz und Weiß bequemer sind als Grautöne. Oder vielleicht weil manche Menschen lieber in Schubladen denken. Das Ergebnis ist jedenfalls immer dasselbe: Schlagzeilen, Vorwürfe, Rechtfertigungen und ein Dauerfeuer der Empörung. Früher landeten Menschen für unliebsame Meinungen auf dem Scheiterhaufen. Heute reicht dafür oft schon ein Kommentarbereich. Willkommen auf dem digitalen Dorfplatz des 21. Jahrhunderts.
Zurück zur Realität. Während sich andere das Maul zerreißen, stehen auf den Konzerten Menschen aller Altersgruppen, Handwerker neben Akademikern, Familienväter neben Studenten, Frauen neben Männern. Menschen, die einfach einen Abend lang Musik hören wollen, ohne vorher einen politischen Eignungstest abzulegen. Genau das scheint manchen Beobachtern bis heute nicht in die Birne zu gehen. Kann es sein, dass genau darin das eigentliche Geheimnis des Erfolgs beider Bands liegt? Sie sprechen Menschen an, die keine Lust haben, sich ständig erklären oder rechtfertigen zu müssen. Menschen, die lieber einen Refrain mitsingen als eine Social-Media-Schlacht führen.

Fest steht, dass die Böhsen Onkelz und Frei.Wild seit Jahren zu den erfolgreichsten Rockbands im deutschsprachigen Raum gehören. Trotz Kritik, trotz Boykottforderungen, trotz endloser Diskussionen. Oder vielleicht gerade deswegen. Denn während sich Kritiker und Verteidiger seit Jahren in den sozialen Netzwerken die Köpfe einschlagen, machen beide Bands das, was sie schon immer gemacht haben: Hallen füllen, Platten verkaufen und ihre Fans begeistern. Und genau das dürfte ihre Gegner wahrscheinlich am meisten ärgern. Und so wird vermutlich auch in zehn Jahren noch gestritten werden. Die einen werden die Böhsen Onkelz auf ihre Vergangenheit reduzieren, die anderen werden Frei.Wild auf Verdacht verurteilen. Und beide Bands werden dennoch weiterhin die bekanntesten Namen in jedermanns Köpfen sein. Denn eines haben die Onkelz und Frei.Wild ihren Klägern voraus: Während die einen noch diskutieren, stehen die anderen längst auf der Bühne. Und die Bühne interessiert sich bekanntlich herzlich wenig für Moralpredigten aus der Kommentarspalte.
Redaktionell verantwortlich für diesen Artikel:
Crew | Redaktion
Schon als kleiner Stöpsel bin ich mit deutscher Rockmusik groß geworden. Die Böhsen Onkelz waren selbst in der fünften Klasse schon Pflichtprogramm. Eine kurze Abschweifung in ein anderes Genre hat mich trotzdem wieder sehr schnell auf die richtige Bahn gebracht.
Kurze Zeit später fanden auch Musikrichtungen wie Punkrock, Metal oder Alternativrock ihren Weg zu mir. Ich bin offen für Neues aber meiner Linie werde ich auf ewig treu bleiben.








