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Im Interview mit The Butcher Sisters 

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Die Könige des “Goldketten-raus-ich-hau-dir-in-die-scheiß-Fresse-Mucke” (Originaltext der Band). Wir mussten einfach mal nachhaken, was und wer dahintersteckt. 

“Nehmt uns bloß nicht zu ernst. Alles, was wir machen wollten und wollen, sollte der größte Scheiß sein und wir wollten´s auf die Spitze treiben.” 

The Butcher Sisters, im Folgenden mit TBS betitelt, sind:
Alex – Rap, Nick – Shouts, Manuel – Gitarre, David – Gitarre, Florian – Bass und Kai – Schlagzeug 

Da steckt doch etwas mehr dahinter! 

Musikalisch gesehen wurde den sechs Jungs schon früh langweilig.  Mit circa 16 Jahren lag ihre Instrumentenspieltechnik schon auf recht hohem Niveau. Bis dato hatten die Mannheimer etliches ausprobiert und gemacht. Selbst ihre damals hochgeliebte Metalszene war ihnen schon fast zu prüde und zu ernst. Es gab nicht wirklich was Neues, also nahmen sie das selbst in die Hand. Nennen wir es Crossover 2.0. Brutaler Hardcoresound mit fein getimten Shouts, Hip-Hop-Reimen und wohldosiertem Gesang. Das daraus was werden könnte, damit haben TBS nicht gerechnet. 

Seit 2013 haben TBS drei Alben und eine EP auf den Markt gebracht. Im November vergangenen Jahres wurde ein neuer Song veröffentlicht, “Dosenbier”. Leider blieben Informationen bezüglich weiteren neuen Stoffs in Tonträgerform aus. Höchste Zeit für uns, euch die Jungs vorzustellen und nachzufragen, wie es begann, was war und was noch kommt. 

Pünktlich zum vereinbarten Termin per Videochat, schalten sich Sänger Alex und Gitarrist David zu, brav sitzen beide vor dem Bildschirm. Kurze Zeit später klinkt sich Shouter Nick von einem Hochhausdach in oder bei Mannheim bei schönstem Sonnenuntergangswetter und einem Glas Rotwein per Handy ein. 

VRR: Das Gründungsjahr 2010. Wie kam es zur Bandgründung?  

TBS: Wir kennen uns schon seit der Schule und im Grunde waren es David, Manu und Alex, die die Band gründeten. Manu hatte im Vorfeld schon eigene Aufnahmen gemacht. Dann haben wir uns getroffen, um zu dritt ab und zu was aufzunehmen. Wir haben dann gemerkt, dass wir einen Sänger brauchen für das, was wir ursprünglich vorhatten. Und da ich nicht singen oder shouten kann, was für Battlemusik wichtig ist, haben wir gesagt, wir machen irgendwas mit Rap.  

VRR: Welche Bedeutung oder welchen Hintergrund hat euer Bandname? Deutschsprachige Band, englischer Name? 

TBS: Den Namen spricht aber auch jeder falsch aus. Es heißt tatsächlich nicht “batscher” sondern “butscher”. Und der Bandname hat eigentlich keine wirkliche Bedeutung, am liebsten wäre es uns, wenn alle nur TBS sagen. Man muss sich mal überlegen, dass das alles kompletter Schwachsinn ist, der Name und der ganze Ursprung von dem Ding. Wir wollten nur Scheiß machen und haben uns den dümmsten Namen rausgesucht, den wir uns vorstellen konnten.  

VRR: Eure erste Veröffentlichung mit dem selbstbetitelten Namen THE BUTCHER SISTERS aus dem Jahr 2013 entstand in eigener Regie und ist für ein Erstlingswerk sehr professionell produziert. Manuel war damals und ist bis heute nicht nur Gitarrist bei TBS, sondern stemmt auch die Produktion. Ist er der Fachmann bei euch? 

TBS: Manuel ist hauptberuflich Musiker, er hat das studiert, Bachelor, Master. Zu unserer Studienzeit hatte Manu schon damals entsprechende Connections und wir waren dann zu den Aufnahmen in einem großen Studio. 

VRR: Habt ihr in den ersten drei Jahren eures Bestehens dann auch schon Live-Erfahrungen sammeln können? 

TBS: Es waren vereinzelte Gigs. Dadurch, dass wir ja nur Blödsinn machen wollten, haben wir an etlichen Bandcontests teilgenommen. Nur für den Spaß. Dann waren wir aber wirklich mal für drei Shows mit einer bekannten Hardcoreband unterwegs, Brothers in Arms aus Hamburg. Aber eine Tour haben wir bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gemacht. Was dahingehend aber interessant ist, mit den vereinzelten Auftritten und warum wir dann das Album gemacht haben, ist: Die Auftritte haben wir nicht wirklich ernst genommen, wir haben gesagt, wir stellen uns jetzt auf die Bühne, machen irgendeinen Scheiß und schauen mal, was passiert. Die Leute fanden es aber tatsächlich gut und hatten Spaß mit dem, was wir da machten. Da fing es an, dass wir ein paar Demo-CDs und T-Shirts gedruckt haben. Auch haben wir im Zuge dessen angefangen, wirklich zu proben und die Auftritte ernster zu nehmen. Und die Leute haben uns das Zeug weggekauft wie nix, was wir gar nicht verstehen konnten. Nach einem Auftritt, wo es so richtig abging, sagten wir, wir müssen jetzt mal ein Album aufnehmen.  

VRR: Wer steht bei euren Konzerten ganz vorne? Die Goldkettenträger? Oder die kahlrasierten Muskelshirtträger? 

TBS: Es ist wirklich lustig. Es ist total gemischt. Da hast du die typischen Metal-Leute, die typischen Hardcore-/Metalcore-Leute, aber auch irgendwie (optisch) die Normalos. Und was ziemlich auffällt: ein sehr großer Frauenanteil auf unseren Konzerten ist uns nicht abzusprechen. 

VRR: Ab RESPEKT UND ROBUSTHEIT (2016) seid ihr beim Label Bleeding Nose Records. Wie kam es dazu?  

TBS: Ja, 2016 kam ein Typ und fragte, ob wir ein Album auf seinem Label machen wollen… Äh… Ja… Okay. Bis zu diesem Jahr war das alles nur zu 100% Käse, was wir machten, ohne irgendeinen Hintergedanken. Wir haben den blödesten Scheiß gemacht, den wir uns haben vorstellen können. Es war Tom, der uns angeschrieben hat. Er hatte ein Video von uns gesehen und gemeint, so was gibt es noch nicht und er würde gerne was mit uns aufnehmen. Das war´s schon, nix kompliziertes. 

VRR: Zu euren Songtexten und im Speziellen zum Songtext von “Schwanzvergleich”: Die sind schon mega derb und brutal. Des Weiteren handeln eure Themen von Autos, Drogen, Sex, Gewalt und Party. Habt ihr nicht mal Bock auf Texte mit sozialkritischem Inhalt? 

TBS: Der Bürgermeister von Geislingen fand unsere Texte auch derb und brutal. Und eigentlich finden wir den Song nicht wirklich schlimm. Wenn wir uns andere Songs anhören, ist unserer ein Witz dagegen. Textlich finden wir, dass wir da sehr, sehr brav sind im Vergleich. In unseren Texten geht es nur – und das darf man nicht vergessen – um Spaß. Wir texten auf das, worauf wir Bock haben. Und wenn jemand versucht, aus unseren Texten Messages rauszuhören, oder was rein zu interpretieren, dann ist er hier bei uns falsch. Wenn wir einen Spruch lustig oder doof genug finden, dann kommt der mit in den Text. Bei uns braucht man nicht versuchen, etwas zwischen den Zeilen zu lesen. Wir wollen uns auch über keine Person lustig machen, oder Bands verurteilen. Eigentlich war es immer schon unser Ding, dass wir persiflagemäßig die ganzen Rapper- und Hip-Hop-Sachen nehmen und auf die Spitze treiben, quasi auf die Schippe nehmen. Auf den Punkt gebracht: Wir legen Wert auf Reime, nicht auf Message. (Anm. des Redakteurs nach Rückfrage an die Band: “genannte Bandnamen oder Künstler und / oder dazu passende Reime, wurden so gewählt, weil es einfach geil passte. Lu steht für Ludwigshafen und MA für Mannheim) 

VRR: In der Presse, bei Nennung eurer Band, fällt zu 90% die Aussage “Prolls mit Assitexten”. Stört euch das nicht? 

TBS: Ist doch geil. Ist doch eine Pressemitteilung, andere haben keine Pressemitteilung. Je negativer die Presse, desto besser. 

VRR: Zur EP 68 UNDERCOVER aus 2018. Gecoverte Songs von Tony D, Haftbefehl und K.I.Z. Seid ihr Fans der Genannten? 

TBS: Naja, vor allem von K.I.Z., die mögen wir alle sehr gerne. Den Rest haben wir gecovert und mit unserer Musik bearbeitet, weil es natürlich genau in unser Konzept gepasst hat.  

VRR: Mit eurem momentan letzten Album ALPHA & OPFAH aus 2019 habt ihr an Härte, Spielspaß und perfektem Wechsel zwischen den verschiedenen Gesängen und Tempo nochmal ordentlich nachgelegt. Ist der musikalische Zenit erreicht oder geht noch was? 

TBS: Der beste Zeitpunkt um die Band aufzulösen (alle lachen). Nein. Wir denken mal, es wird maximal noch dümmer. Den Zenit haben wir noch nicht erreicht. Da geht noch was.  

VRR: Wer übernimmt bei euch das Texten und wie arrangiert ihr eure Lieder im Studio? 

TBS: Die Texte werden von uns allen geschrieben, da hat jeder was zu sagen. Das Arrangieren der Lieder ist eigentlich ziemlich einfach. Wir machen einen Instrumentaltrack fertig und dann überlegen wir uns hinterher, okay, auf diesen Teil des Stücks kann gut geschrien und auf den gut gerappt werden. Eigentlich ganz banal. Die Lieder fertig machen und dann die Texte draufpacken. Das klingt oder ist für uns so einfach, denn man darf nicht vergessen: Fast alle in der Band sind von Berufswegen Musiker und/oder haben was mit Musik studiert. Wir haben nicht erst mit TBS Musik gemacht. Alle aus der Band haben schon im Teenie-Alter vor TBS in anderen Bands mitgespielt. Wir sind dahingehend keine unbeschriebenen Blätter und geben deshalb so viel Herzblut rein, auch wenn es, textlich gesehen, Quatsch ist. Aber wenn wir was machen, dann muss es Quatsch sein mit richtig geiler Musik. 

VRR: Im November 2020 habt ihr einen neuen Titel rausgebracht: “Dosenbier”. Nun gab es aber in den weiteren Wochen keine Ansagen, ob oder wann ein neues Album kommt. Habt ihr für unsere Leser ein paar freudige Infos? 

TBS: „Dosenbier“ haben wir rausgebracht, um erstmal zu gucken. Mittlerweile haben sich weitere Lieder angesammelt. Hinter den Kulissen tut sich da recht viel. Ganz klar, dann kam Corona wieder und hat alles ein bisschen zum Einsturz gebracht. 2020 hatten wir auch verdammt viele Shows geplant. Natürlich geht es uns da wie allen anderen Bands und Künstlern. Aber: es ist etwas in der Mache. Die Frage für uns ist aber erstmal, wann. Sprich: welchen Zeitpunkt wählen wir, macht der Sinn oder nicht. Denn wenn du jetzt was veröffentlichst, dann bleibt das alles im Internet und mündet nicht direkt in einem kollektiven Live-Erlebnis. Wir haben etwas Angst, wenn wir das Album zu früh rausbringen, in der Coronakrise, dass die Lieder zu alt werden und eher sterben, bevor wir diese live spielen dürfen. 

VRR: TBS, die letzten Worte gehören euch. 

Nick: Ciao
David: Äh… Also, mein Bart hat genau drei essentielle Funktionen. Einmal geht es hier um die Anschaulichkeit an sich. Dann natürlich auch um Respekt und der dritte Aspekt ist einfach so die Flauschigkeit. 

Alex: Ich würde gerne nochmal an den Anfang des Interviews anknüpfen, als wir sagten, dass uns musikalisch langweilig war. Wir machen diese Art von Musik, weil wir es wirklich mögen. Für uns ist es geil, wenn wir auf Leute treffen, die mit dem, was wir machen, nix anfangen können. Es gibt gerade in der Metal– und Hardcoreszene unglaublich viele Leute, die auf diesen Spirit ihrer Szene oder auf dieses “true” abgehen. Und dann mit Scheuklappen durch die Gegend laufen. Und deshalb mit Musik, wie wir sie machen, überhaupt nix anfangen können. Müssen sie auch nicht. Aber wenn ich mir was wünschen dürfte, dann ist es weniger Engstirnigkeit, ein bisschen mehr Toleranz gegenüber anderen und nicht so viel Ernsthaftigkeit. 

VRR: Vielen Dank, Jungs. The Butcher Sisters 
Jörg Hentzgen
Jörg Hentzgen
Mit Baujahr 1976 nicht mehr so ganz jung, bin ich im Herzen der Republik, in Anhalt aufgewachsen.Mit 19 Jahren zog es mich nach Baden-Württemberg. Aufgewachsen mit Heavy Metal á la Metallica, Slayer und Kreator etc., pubertierte ich mit dem Punk bis ich dann mit dem New York Hardcore erwachsen wurde. Es gilt: “Ob Metal oder Punk, in deutsch oder englisch, Hauptsache mir gefällt´s.
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