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Morgenrot 20 Jahre – Album Review

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2001 gegründet, konnten die Jungs von Morgenrot über die Jahre nicht unbedingt mit viel Beständigkeit und Kontinuität glänzen. Viele Wechsel der Bandmitglieder haben ihre Spuren hinterlassen. Einige Alben aus dieser Zeit sind nicht mehr erhältlich, vergriffen oder werden nicht mehr produziert.

Seit 2012 scheint es jedoch in der aktuellen Formation ganz gut zu funktionieren und so kann die Band, trotz der bewegten Vergangenheit, nun doch auf einige Studioalben zurückblicken.

Das Album MORGENROT 20, welches namentlich an das erste Studioalbum angelehnt ist, fasst somit 20 Jahre Höhen und Tiefen der Band zusammen.

Morgenrot – „Die Zeiten ändern Dich“

Rhythmisch nimmt es einen zunächst ganz gut mit, jedoch zieht sich der Gesang jede zweite Zeile sehr in die Länge. Es drängt sich einem nahezu das Gefühl auf, als würden dem Sänger einige Füllwörter fehlen. Die Background-Stimmen wiederum passen auf den Punkt genau. Lyrisch beschreibt es das, was der Titel schon erwarten lässt. Einen persönlichen Reife- und Entwicklungsprozess, der einem mit zunehmendem Alter anders denken lässt. Leider führt aber nicht einmal das prinzipiell ausbaufähige Gitarrensolo dazu, den Song öfter hören zu wollen. Alles in allem ein Lied, welches man wohl auf einer Party nebenbei laufen lassen kann, aber eben nichts, was im Herz oder im Kopf hängen bleibt.

„Bleib dabei“

Das Gitarren-Intro und der Rhythmus erinnern sehr an eine Passage aus einem Stück einer bekannten Band aus Frankfurt. Wer die Onkelz kennt, weiß bestimmt sofort, was gemeint ist. Der Gesang schmettert einem nach dem Intro dann unerwartet rotzig entgegen, was aber leider der Sprachverständlichkeit nicht unbedingt dienlich ist. Das Lied soll zum „Saufen“ einladen, wenn das Leben mal wieder nicht funktioniert. Ob es positiv zu sehen ist, Probleme oder Rückschläge pauschal mit Alkohol zu ertragen, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.

Zudem ist der Text recht sexistisch angelehnt. Mit „die Alte“, ist offensichtlich die Partnerin gemeint. Da die zu Hause eh nur meckert, ist es dann laut dem Sänger ja so oder so egal, wann und ob man betrunken nach Hause kommt. Für mein Dafürhalten schon etwas danebengegriffen. Sollte es sarkastisch gemeint sein, kommt diese Form von Humor, zumindest bei mir als Frau, einfach nicht an.

Wenn ein Mann die Ratschläge der Jungs befolgt, stets betrunken nach Hause kommt und die Wünsche der eigenen Frau komplett ignoriert, dann ist ganz sicher Beziehungsstress oder Trennung vorprogrammiert. Möglicherweise gibt das danach aber ja noch mehr Grund zum Saufen und dem Lied zu lauschen.

„Bleib dabei” besingt aus meiner Sicht den inneren Stillstand und das Unvermögen eines Mannes sich weiter entwickeln zu wollen und steht somit im krassen Widerspruch zu „Zeiten ändern Dich“.

„Wer nix trinkt“

Dieser Song fühlt sich wieder an, als würde Alkohol alles besser machen. Trau keinem der nicht trinkt oder je betrunken war. So in etwa lautet die Message die das Stück sendet – passt thematisch perfekt zu „Bleib dabei“. Es mag Menschen geben, die ihre Probleme pauschal mit Alkohol lösen. Für diese Zielgruppe könnte der Song tatsächlich eine richtig geile Hymne werden.

Meinen Nerv trifft das jedoch abermals nicht. Ich für meinen Teil, kann solchen Texten nicht wirklich viel abgewinnen. Das mag daran liegen, dass ich noch nie betrunken war und sich meine Probleme bislang immer ohne Alkohol haben lösen lassen. Aber liebe Leser, vertraut mir ruhig, meine Meinung bleibt trotz anhaltender Nüchternheit dennoch ehrlich.

Irgendwie vermittelt einem der Sänger Steffen in dem Lied das Gefühl, als sei er der allwissende Messias, der nur so vor Erfahrung und wertvollen Weisheiten strotzt. Er wirkt fast wie der Chefarzt einer fiktiven Männer-Klinik für Alkoholkonsum. Sozusagen das Gegenteil von Entzug. Musikalisch unterscheidet sich der Song leider auch nur wenig von den anderen auf der Platte.

„Zu hoch gepokert“

Zu hoch gepokert… Techno? Ernsthaft? Das Lied möchte ich eigentlich nicht wirklich bewerten oder interpretieren. Von Anfang bis zum Ende klingt der Song wie eine einzige musikalische Verfehlung. Weder passt er zum Genre, noch zum eigentlichen Stil der Band. Versteht mich nicht falsch, ich begrüße Vielfalt, Aussage und Abwechslung in der Musik. Ich vermisse Sie ja richtiggehend in den anderen Songs. Hier werden Deutschrock-Lyrics ohne Aussagekraft mit einem langweiligen Techno-Beat untermalt. Da stellt sich mir die Frage, ist das Parodie oder kann das weg? Was will man uns hier erzählen, wo ist die Geschichte?

Vielleicht war es auch einfach nur ein Projekt, welches man mal ausprobieren wollte? Das ging leider mächtig nach hinten los. Wer Scooter hören will, sollte lieber zum Original greifen. Das bietet deutlich mehr Qualität und Niveau. Aber wer will schon Scooter hören? Naja – gut, im Alkoholrausch vielleicht?

Fazit

Insgesamt klingen alle Songs recht ähnlich – bis auf den Einen. Irgendwie spiegelt sich die personelle Unbeständigkeit der Band über die Jahre in den Kompositionen wieder.  Das wirkt insgesamt irgendwie fad, klischeehaft und aus der Zeit gefallen.

Songs die man betrunken gut mit grölen kann, aber eben auch nicht muss. Allenfalls in der Kneipe oder als Absacker nach einem Festival vielleicht? Letztlich sollte man nicht vergessen, dass der Alkohol eine hohe Präsenz in den Texten findet. Die Band suggeriert dem Hörer mit ihren Texten, ein Leitbild in dem Werte wie Familie, Emanzipation, Respekt vor Frauen und Partnerschaft einen sehr niedrigen Stellenwert bekommen.

Als Frau und Mutter holt mich das einfach nicht ab. Lyrisch bieten mir andere Künstler der Szene deutlich tiefgründigere und hochwertigere Lösungen zu den, in diesem Album besungenen Lebenssituationen. Aber überzeugt euch gern selbst und bildet euch doch einfach eure eigene Meinung.

Geschmäcker sind zum Glück verschieden und das ist auch gut so.

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