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Frei.Wild – Wir Schaffen Deutsch.Land – VÖ 10.12.2021 Review

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Wer die letzten Wochen und Monate aufmerksam verfolgt hat, dem dürfte nicht entgangen sein, dass Frei.Wild bereits fleißig dabei sind ihr Album auf die Welt loszulassen. In abwechselnder Kontinuität veröffentlichen die Südtiroler ihre Dokumentation und Track by Track das Album. Die tiefen Einblicke lassen erahnen, wohin die Reise geht und bereits jetzt schlagen die Fan-Herzen mit durchweg positivem Feedback höher. Schon im Vorfeld kündigte die Band an, dass es klangtechnisch wieder auf hartes Fahrwasser gehen wird und sie dem Silberling die rauen Facetten aus 20 Jahre Bandgeschichte einhauchen. Back to the roots ist das Motto! Aber ob das wirklich alles so stimmt, lest ihr jetzt.

Wie schon zuvor erwähnt, hat sich Frei.Wild eine ganz besondere Art und Weise der Promotion einfallen lassen und veröffentlichen zu jedem Jahr, seit Bandbestehen, eine Dokumentation um die 20 vergangenen Jahre zu reflektieren. In der Tat eine sehr empfehlenswerte Sache, selbst für all jene, die schon von Anfang an dabei sind. Neben der Dokumentation präsentiert Frei.Wild mit 22 brandneuen Songs und weiteren 9 Bonus Songs, nur das Beste aus all der Zeit!

Die ersten Songs: Energiegeladen und kompromisslos

Nach einem viel zu langem und wenig spektakulärem Intro werden dem Hörer endlich die ersten Töne von „Halbstark, Laut und Jung“ um die Ohren gefegt. Spätestens nach diesem Lied haben kritische „Altfans“ nur noch wenige Argumente gegen Frei.Wilds Ankündigung, dass die instrumentalen Einflüsse wieder rauer werden. Weniger bissig als früher, waren die Texte ja meistens nicht, nur musikalisch in verschiedensten Variationen ummantelt. Die Zeitreise nimmt mächtig rasant an Fahrt auf und die rauen Töne brechen mit „Alarm im Proberaum“, „Joanna an der Bar“, „Heimat im Herzen, Neuland im Blut“ und vor allem dem namensgebenden Lied des Albums „Wir schaffen Deutsch.Land“ keineswegs ab. Stellen wir uns vor, ein Stadion gefüllt mit 50.000 Fans und alle grölen lautstark mit. Philipp Burger weiß, wie er die Fans animiert und bringt mit „Joanna an der Bar“ vor allem ein würdiges Sauflied an den Start, welches den Hörer in der „alten Zeit“ dabei sein lässt. Prost!

Nur Lieder, die das Herz berühren

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Am 7. Song „Wer, wenn nicht wir LUAA“ vorbei, über „Mehr als eine Sünde“ kommen wir zu „Schwarzer Septemberregen“. Ein Song, der im ersten Moment wieder etwas ruhigere Töne zum Besten gibt und den aufmerksamen Höher in das Jahr 2008 entführt. Als Kernaussage für den Hörer könnte der Song als aufbauend interpretiert werden und motivieren. Frei.Wild besingen in diesem Song ihren dunklen Abschnitt im September 2008, als ihnen schwere Steine durch die Öffentlichkeit in den Weg gelegt wurden. Das damalige Label und auch die Crew trennten sich teilweise von der Band. Das an dieser Stelle nur als kleiner Auszug. Doku Folge 8, „Vollgas an die Wand“, unbedingt ansehen, um den Hintergrund über eines der wohl wichtigsten Lieder zu erfahren. „…und so zogen wir voran, Mann für Mann“…

Ich sage mal so: Wenn sich eine Tür schließt, geht eine andere wieder auf. Vermutlich ein Sprichwort, dass niemand mehr hören will. Aber das alte Label ist weg und Rookies & Kings ist da und darf auf dem Silberling natürlich nicht als eigener Song fehlen. Wer von euch weiß eigentlich was Rookies & Kings bedeutet? Sprichwörtlich: „Von Anfängern zu Königen.“ Worum es in dem Song geht, lässt sich hier erahnen!

Scheiß drauf, so ist das Leben

Ein Song, der mir persönlich sehr ans Herz geht, ist „Trotzdem weitergehen“. Relativ ruhig setzt der Song mit Akustikgitarren und Philipps rauer Stimme ein und baut sich langsam in Strophe 1 auf, bis im Refrain die E-Gitarren und dumpfe Bässe einsetzen. Mir ist wiederholt aufgefallen, dass bei mehreren Songs, wie zum Beispiel bei „Alarm im Proberaum“, die markante Stimme im Refrain durch „Hall“ die raue Note verliert – ist nicht ganz so mein Fall, ist mir aber nur stellenweise aufgefallen. Mit „Trotzdem weitergehen“ hingegen hauen Frei.Wild eine „Rockballade“ raus, die unter die Haut geht. Sowohl textlich, als auch stimmlich und vor allem musikalisch, passt hier einfach alles und harmoniert perfekt miteinander.

Immer noch das große Maul

Ein wildes Auf und Ab zieht sich durch die standardmäßig erhältlichen 22 Songs und wirklich jeder bekommt hier sein Fett weg. Gesellschaftskritische Texte, Songs, die das Herz berühren und unter die Haut gehen. Songs um 20 Jahre Frei.Wild zu feiern, um für 20 Jahre dankbar zu sein und als Bonus haben Frei.Wild es sich natürlich nicht nehmen lassen und versorgen die wirklich harten Fans mit 9 weiteren Tracks, die zu der normal erhältlichen Albumversion noch on top kommen.

Musikalisch und stilistisch fehlt hier einfach wenig und Frei.Wild veröffentlichen mit WIR SCHAFFEN DEUTSCH.LAND nicht nur ein großartiges Album mit sehr viel Bonusmaterial, sondern eine Zeitreise durch die letzten 20 Jahre der Bandgeschichte. Es gewährt sowohl in der Dokumentation, als auch in den Songs einen Einblick in ganz exklusive Augenblicke. Hier ist der Fan mittendrin, statt nur dabei. Auf 20 Jahre Frei.Wild und ein großartiges Werk, auf das die Welt gewartet hat! Rau, authentisch, Frei.Wild.

Von mir gibt es für dieses brachiale Album 4 von 5 Sternen.

Marco Stahl
Marco Stahl
2010 infizierte mich Broilers bei meinem ersten "richtigen" Live-Konzert in der noch alten Batschkapp in Frankfurt. Seit jeher war mein Werdegang geebnet und mit wachsender Begeisterung gründete ich 2017 dann Vollgas Richtung Rock.Mein Motto: "Man lernt nicht zu sprechen, um dann das Maul zu halten". -Foiernacht
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