ENORM – vergessen und verstaubt – nicht mit uns!

Foto: Andrs Valdes

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In einer Woche jährt sich die Auflösung von ENORM zum vierten Mal. 2006 gegründet, wurde am 20. Mai 2022 per Social Media die Auflösung bekannt gegeben. Wir nehmen dies zum Anlass, ENORM mit ihrem Album ZEHN aus dem Jahr 2016 wieder neu aufzulegen und zu besprechen. Es ist das letzte von insgesamt fünf Alben der Berliner.

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Foto: Jörg Hentzgen

Alles nur geklaut

Zu lange haben wir das Album nicht angerührt. Bei den ersten Tönen von „Immer noch da“ wird uns wohlig warm. Punkrock mit ein wenig altgedienter Deutschrock Attitüde. Schön, nach zehn Jahren und mit dem Unwissen, was Jahre später kommen wird, feiert sich die Band ordentlich ab. Sentimental wird es mit „Gefühl in Vinyl“, dem Loblied auf den Schallplattenspieler, der Nadel und dem Rauschen, wenn die Nadel das erste Mal aufsetzt. Doppeldeutig kommt „Wir Clowns“ (wir klauen). ENORM macht sich gewissermaßen darüber lustig, dass man das Rad nicht neu erfinden kann. Musikalisch klotzt die Band ordentlich nach vorne und spielt einen ihrer besten Tracks des Albums.

Mit Schleife und Grußkarte

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Foto: Jörg Hentzgen

Für uns viel zu früh, kommt bereits die erste Ballade. Zwar ist der Refrain mit Power, dennoch sind wir gerade warm geworden und „Lieber allein“ bremst uns. Wir skippen und gönnen uns „Der geilste Moment“. Ein Feature mit Martin Kesici. Herr Kesici ist uns dauerhaft suspekt gewesen. Dennoch haben viele Musiker mit ihm gearbeitet. ENORM und Kesici liefern bestes Motivationsmaterial mit eingängiger Melodie, kurzen Verschnaufpausen und Chor tauglichem Refrain. Auch „Voller Farben“ erfüllt diesen Kriterienkatalog. Klare Ansagen gegen rechts werden geschickt in fröhlichen Melodien mit Schleife und Grußkarte verpackt. Zu Gast im Video ist Matthias von ENGST.

Positiv und weiterhin optimistisch kommen „Lass mich dein Held sein“ und „Liebe das Leben“ um die Ecke. Bis hierher gab es nur sehr wenige Spuren von Missgunst, Aggressivität oder politischem Statement, die man sonst so aus der Szene kennt. Ist etwa alles Friede, Freude, Eierkuchen?

Punkrock Trallala

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Foto: Jörg Hentzgen

Jetzt wurde der perfekte Zeitpunkt für Melancholie erreicht. „Das Glas in meiner Hand“ berichtet über Vergänglichkeit, Einsamkeit und Tod und ist der Akustik Soundtrack für einsame Stunden. Gut, wenn man das Album weiterlaufen lässt und nun „Mädchen und Millionen“ langsam startet, um uns ganz offensichtlich wieder aus dem Loch zu holen. Komplett überhebliche Zeilen mit prägnantem Sound und ordentlich Punkrock Trallala.

Um auf Kurs zu bleiben, wird mit „Durchdrehen“ noch einer draufgesetzt. Mit gezielten Oh, Oh, Oh-Chören und eingängigen Instrumentenarrangements wird Saufen, Spaß, Feiern, Konzerte und natürlich das Durchdrehen zelebriert. Verabschiedet werden wir mit „Ihr wart da“. Zum Jahr der Veröffentlichung war der Song ein Dankeschön an die Fans der vorangegangenen zehn Jahre. Als hätte es ENORM schon 2016 gewusst, kann der Track rückblickend als Abschiedslied betrachtet werden.

Fazit

Wir haben gemischte Gefühle beim Hören. Ganz klar ist ZEHN das stimmigste Album der Berliner. Vielleicht ist es deshalb auch nicht so spannend. Den Spagat zwischen Punkrockfans und Deutschrockfans abholen, hatte ENORM sehr gut drauf. ZEHN war 2016 genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Im Hier und Jetzt kann der Longplayer den damaligen versprühten Geist nicht mehr aufrecht erhalten.

4 von 5

Redaktionell verantwortlich für diesen Artikel:

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Crew | Redakteur

Mit Baujahr 1976 nicht mehr so ganz jung, bin ich im Herzen der Republik, in Anhalt aufgewachsen.

Mit 19 Jahren zog es mich nach Baden-Württemberg. Aufgewachsen mit Heavy Metal à la Metallica, Slayer und Kreator etc., pubertierte ich mit dem Punk, bis ich dann mit dem New York Hardcore erwachsen wurde. Es gilt: Ob Metal oder Punk, in deutsch oder englisch, Hauptsache mir gefällt´s.

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