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Politik und Musik

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„Wir machen Musik und keine Politik“ ein Satz, den man von Musikern häufiger hört. Doch warum ist das so? Kann oder muss man sogar Musik von Politik trennen? Haben Künstler etwa Angst in Fettnäpfchen zu treten und was passiert, wenn sich doch jemand dazu äußert?

Screenshot vom Beitrag auf Facebook

Erst kürzlich veröffentlichte die Antifa Flensburg auf Facebook ein Statement (siehe Screenshot). Bands wie Frei.Wild haftet immer ein fader Beigeschmack an. Wie oft wurden Fans in die rechte Ecke gestellt, weil jemand behauptet, ihre Lieder seien „völkisch und rechtspopulistisch“. Selbst wenn Medien wie www.br.de anerkennen: “Frei.Wild distanzieren sich von Rechtsaußen, Burger selbst distanziert sich von seiner Vergangenheit in der rechten Skinheadband Kaiserjäger“. So nennen sie im gleichen Atemzug den Musikwissenschaftler Thorsten Hindrichs, der Frei.Wild als “rechtsoffen“ bezeichnet: “Sie arbeiten mit Themen und Sujets, die für extreme Rechte anschlussfähig und zustimmungsfähig sind. Sie sind nicht rechtsradikal, sie sind nicht Grauzone sie sind rechtspopulistisch.” (Vollständiger Artikel)

In einem heute veröffentlichten Interview bezieht Philipp Burger zu der ständig aufkeimenden “rechts”-Diskussion sehr deutlich Stellung: “Wir lassen unsere Lieder sprechen, haben klare Botschaften in unseren Liedern, Videos, in Ansagen und Aktionen. Und müssen mit Kopfschütteln akzeptieren, dass es den meisten Menschen nicht um den Inhalt dieser Band, sondern um den Ritt auf dem eh schon beschissenen Ruf unserer Band geht.” (Vollständiger Artikel)

Musiker als Sprachrohr

Auf die Frage hin, ob Musiker eine Art Vorbildfunktion hätten, fand Ost von Hämatom im Interview deutliche Worte: „Ich war in Chemnitz auf diesen „Anti-Nazi-Konzerten”. Natürlich kann man das schlecht reden und anmerken, dass sowas nicht die Welt verändert. Es werden aber zumindest die Fans der Bands, die dort aufgetreten sind, zum Nachdenken angeregt. Ob es cool ist die AfD zu wählen, rechts zu sein, „Ausländer raus“ zu schreien oder Leute im Mittelmeer ersaufen zu lassen. Musikern hört man eher zu, als wenn sich Merkel oder andere Politiker hinstellen und die Moralkeule schwingen.“ (Auszug aus der Januarausgabe unseres Printmagazins)

“Ein von Lobbyisten regierter Misthaufen”

Auch Esche von Serum 114 hält mit seiner Einstellung zum politischen Geschehen nicht hinterm Berg: „Alle schimpfen auf Politiker. Es ist so dämlich zu glauben, dass irgendein Politiker jemals etwas verändern wird an den Grundprinzipien in diesem Land, Kontinent, auf diesem Planeten. Wir sind ein von Lobbyisten regierter Misthaufen. Jemand sagte mal, werdet bessere Menschen und Ihr kriegt ne bessere Welt…“ (Auszug aus der Januarausgabe unseres Printmagazins)

“Nicht in meinem Namen”

Das aktuelle Album „Komet“ von Megaherz ist deutlich politischer als gewohnt, was Lex dazu meint: „Wir können uns nicht verschließen vor dem, was die letzten Jahre um uns herum passiert ist! Donald Trump und der Populismus, der überall um sich greift – in ganz Europa – nicht nur AfD auch FPÖ und Front National. Es gibt einfach viele Leute die sich von der Angst treiben lassen und vieles gar nicht reflektiert wiedergeben. Wir konnten da nicht stillhalten und mussten Stellung beziehen.

Ich habe mir die AfD eine Weile angeschaut und wollte mir nicht vorschnell ein Urteil bilden, aber wer Migranten als „Neger“ und Türken, als „Kümmeltürken“ bezeichnet und das als politisches Programm verkauft, wer die neueste Geschichte gerne nochmal umschreiben oder neu interpretieren möchte – da gibt es nichts zu interpretieren! Wir haben die Scheiße schon einmal gehabt und ich persönlich finde es traurig, dass wir im Jahre 2018 nochmal einen Song wie „Nicht in meinem Namen“ schreiben müssen. Dass wir noch einmal über Rassismus und Hetze reden müssen, denn ich dachte das hätten wir schon hinter uns.” (Das komplette Interview)

Kritik für politische Äußerungen

Hat sich euer Bild in Bezug auf die Musiker geändert, nachdem ihr ihre Aussagen gelesen habt? Vermutlich werdet ihr weiterhin die Lieder von Hämatom oder Megaherz hören, auch wenn sie sich politisch geäußert haben. Oder gerade weil sie Stellung beziehen? Selbst wenn ihr die Bands jetzt boykottiert, weil euch beispielsweise die Aussagen bezüglich AfD nicht gefallen, glaubt ihr das würde sie interessieren?

Kritik für politische Äußerungen müssen alle einstecken, egal welche Aussagen sie treffen. Selbst wenn man sich von Extremismus in jeder Form distanziert, gibt es immer jemanden, der ein Haar in der Suppe sucht. Wenn man lange genug sucht, wird man auch eins finden. Als Person des öffentlichen Lebens hat man nicht nur das Privileg, dass einem zugehört wird. Man hat gleichzeitig viele Geier, die nur darauf warten, dass man sich in seinen Aussagen verstrickt. Vor allem kleine Bands versuchen diesen Ärger zu umgehen und äußern sich deshalb gar nicht.

Musiker haben, wie jeder andere auch, eine persönliche Meinung zu Themen und dürfen diese frei äußern – wenn sie es wollen. Ob sie das nur im privaten Rahmen tun oder auf der Bühne, sollte man ihnen überlassen. Wie auch im familiären oder freundschaftlichen Umfeld ist man nicht immer einer Meinung. Das ist auch gut so! Betrachtet man politische oder gesellschaftskritische Äußerungen nicht als einen Stempel, den man aufgedrückt bekommt, sondern als Diskussionsgrundlage, sollte niemand etwas verwerfliches daran finden können. Ist euch nicht eine klare Kante lieber, als ein Grauzonen Wischi-Waschi, um möglichst jeden Fan auf seine Seite zu ziehen?

Lisa Berg
Lisa Berg
Über mich: Ich, 25 Jahre alt, habe Punk-, Deutschrock und Metal quasi mit der Muttermilch aufgenommen. Frühzeitig von meinen Schwestern mit "Die Toten Hosen" beschallt, hat mich das Fieber endgültig auf meinem ersten "Die Ärzte" Konzert 2007 erwischt. Heute findet man mich meistens lauthals mitsingend in der ersten Reihe auf diversen Konzerten und Festivals. Im Gegensatz dazu verdiene ich ganz seriös meine Brötchen als Grafikerin für den Printbereich. Mein Motto? "Das Leben ist zu kurz für schlechte Musik"
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