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Brauchen Musiker heutzutage noch Plattenlabel?

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Als Außenstehender fragt man sich manchmal, wofür Musiker überhaupt ein Label brauchen. Welche Aufgaben übernimmt ein Label und wie hat sich der Stellenwert über die letzten Jahre entwickelt? Wir haben dazu Musiker befragt, denn die sollten es am besten wissen.

Ost von Hämatom

Beim Interview für die Januarausgabe unseres Printmagazins fragten wir Ost von Hämatom, welche Erwartungen sie an den Labelwechsel zu Sony hatten und ob diese erfüllt wurden.
Nach 15 Jahren Bandgeschichte gab es darüber einiges zu erzählen: „Ich denke, dass der Stellenwert einer Plattenfirma in der heutigen Zeit völlig überschätzt wird. Wir sind zufrieden mit dem, was Sony macht, aber wenn es eine andere Plattenfirma wäre, dann wäre es eben eine andere. Alles verteilt sich vermehrt auf die sozialen Netzwerke und man kann als Band sehr gut selbst seine Plattformen mit Infos füttern. Der Einfluss der Plattenfirmen ist gerade in unserem Bereich sehr viel kleiner geworden. Wir sind keine Radioband, so dass wir in dem Bereich auch keine Vorteile aus dem Label ziehen können.

Viel wichtiger war für uns der Vertrieb. Es geht um Kontakte, damit unsere CDs in den Läden stehen. Das wird allerdings auch immer weniger, weil kaum jemand noch CDs kauft. Ich prophezeie, dass es in zehn Jahren keine Labels mehr gibt. Spotify hat angekündigt, dass man als Künstler demnächst direkt seine Musik hochladen kann, Fans sich dort die Musik holen und auch die Abrechnung darüber läuft. Die Labels sollten sich schleunigst etwas einfallen lassen, womit sie ihr Dasein begründen. Sie spielen im Prinzip eine Bank, bei der man einen Vorschuss bekommt. Das ist vielleicht wichtig für kleine Bands, die noch keine Rücklagen haben. Größere Bands, die ihre eigenen Einnahmen haben, werden das Angebot von Spotify nutzen. Aber auch wenn ich glaube, dass der Einfluss immer geringer wird, war die Zusammenarbeit mit Sony für uns ein großer Schritt nach vorne.“

Newcomer Fräulein Tonspur

Fotoshooting 26.01.19 ©VRR

Aus der Sicht eines Newcomers, wie Fräulein Tonspur, klingt das Thema nochmal anders. Auf die Frage hin, wie wichtig die Wahl eines Labels ist, gerade für eine junge Band, äußerten sie sich wie folgt: „Wir sind grundsätzlich froh, überhaupt einen Labelvertrag bekommen zu haben. Als Newcomer ist das gar nicht so einfach im “Musikgeschäft” Fuß zu fassen. Wir haben uns bei einigen Labels beworben und manchmal noch nicht mal eine offizielle Absage bekommen, aber was soll´s. Wellenbrecher gab uns eine Chance und wir konnten uns sofort mit der Philosophie identifizieren und sind mit unserer Wahl sehr zufrieden. Wir bekommen die Unterstützung, die wir brauchen, aber beim Musikmachen haben wir all unsere Freiheiten. Wir denken, das ist nicht selbstverständlich. Ebenfalls haben wir noch andere Labelbands, wie z. B. Leidbild kennengelernt und haben auf den gemeinsamen Gigs oder am Merchstand einfach wahnsinnig viel Spaß.“

André von Artefuckt

Wie wichtig es für eine Band, auf der Suche nach einem Label ist, gut vernetzt zu sein, erkennt man am Beispiel von Artefuckt. André berichtete auf die Frage hin, wie es zum Vertrag bei Rookies&Kings gekommen ist: „Ich hatte 2014 bei “Wilder Flamme” mitgewirkt, daher kannte Philipp mich. Während der Suche nach einem Studio, hatte ein gemeinsamer Freund auch an Philipp herangetragen, dass wir etwas Eigenes machen wollten. So kamen wir in Kontakt und haben das Album produziert. Im ersten Schritt war es die Erfüllung eines Traumes, bis zum Plattenvertrag dauerte es noch ein Jahr. Das war natürlich ein absoluter Glückstreffer, denn ich höre die Bands von Rookies auch persönlich sehr gern und fühle mich wohl im Deutschrockbereich.“

Newcomer und alte Hasen im Showgeschäft

Der Stellenwert eines Labels richtet sich also hauptsächlich nach dem Bekanntheitsgrad der Band. Etablierte Künstler wie Hämatom wären in der finanziell komfortablen Lage auch ohne Label zu bestehen. Doch Newcomer können durch ein gut organisiertes Label viele Aufgaben abgeben und sich vor allem im Bereich Vertrieb und Marketing Vorteile sichern. Ob Streamingdienste wie Spotify und Werbung über Social Media eines Tages Label überflüssig machen? Bisher noch reine Spekulation.

Lisa Berg
Lisa Berg
Über mich: Ich, 25 Jahre alt, habe Punk-, Deutschrock und Metal quasi mit der Muttermilch aufgenommen. Frühzeitig von meinen Schwestern mit "Die Toten Hosen" beschallt, hat mich das Fieber endgültig auf meinem ersten "Die Ärzte" Konzert 2007 erwischt. Heute stolpert man mir regelmäßig auf diversen Konzerten und Festivals über die Füße. Im Gegensatz dazu verdiene ich ganz seriös meine Brötchen als Grafikerin für den Printbereich. Mein Motto? "Das Leben ist zu kurz für schlechte Musik"
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