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Italien: Pizza, Pasta & Rock‘n‘Roll?

Auf der Suche nach guter Musik in Italien 

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Vor gut zwei Wochen zog es mich ins Land von Pizza und Pasta, genauer gesagt ins norditalienische Mailand. Fußball, Sightseeing und großzügige Barabende standen auf dem Programm. Anders als viele Italien-Touristen packte ich statt T-Shirt, Schnorchel und Badehose lieber Mütze, Schal und Handschuhe, denn auch in Italien ist es kalt an diesen Tagen. Mit im Gepäck verstaute ich natürlich auch die Frage, wie es die Italiener denn eigentlich mit der guten Musik halten? Das Bild vom Italiener, der im venezianischen Boot steht und „Oh sole mio“ singt, ließ einen kalten Schauer über meinen Rücken fegen. Mit der Absicht, dieses Schubladendenken ins Wanken zu bringen, machte ich mich folglich auf ins italienische Nachtleben, stehts auf der Suche nach rockigen Klängen und musikalischen Klassikern der vergangenen Jahrzehnte.  

Welcome to Navigli 

Einen kurzen Fußmarsch und eine unbeschwerliche Bahnfahrt später, fand ich mich im Mailänder Partyzentrum Navigli. Junge Menschen, hübsche Bars und Kanäle, die einen Hauch von Venedig nach Mailand wehten. Ein guter Indikator für ebenso gute Musik. Bevor ich meine Spurensuche allerdings fortsetzen konnte, musste eine Stärkung her. Pizza, wie es sich gehört in Italien. Nun konnte es weitergehen, ich betrat die erste Bar.  

Irisches Italien? 

Ein Irish-Pub versprach mir von außerhalb guten Folk und Rock, vielleicht sogar ein paar Hits der Dropkick Murphys, Dubliners oder Flogging Molly. Kurz nach Betreten folgte dann jedoch die Enttäuschung. Eine Einrichtung, die so viel mit irischem Flair zu tun hatte, wie ich mit deutschem Schlager, war nur das geringste Übel. Pop und elektronische Musik machten sich in meinen Ohren breit. Wenn du jetzt denkst, schlimmer geht es nicht mehr, kommt eine Prise Jazz daher. Nachdem ich selbst dieses Genre dank ein paar Cider für eine Weile aushielt, zog es mich in Bar Nummer zwei.  

Ein Hauch von 80er 

Im zweiten Lokal meiner Wahl ging es endlich bergauf. Eine Bedienung, die selbst Krombacher lecker schmecken lässt, war nur der erste Pluspunkt der Bar am Rande Naviglis. Klassiker der 80erJahre schallten aus Boxen, die sich anhörten, als seien sie eine gut getarnte Dose Ravioli. Das konnte meine Freude über U2, David Bowie oder Simple Minds jedoch nicht bremsen. Ich war auf der richtigen Fährte, die Lunte von RocknRoll glühte ganz in meiner Nähe. Die Erfahrung, dass die Italiener neben einem guten kulinarischen- auch noch einen guten Musikgeschmack besitzen, stimmte mich ein bisschen glücklich. Dass die Playlist des Abends dann sogar noch Hits von Oasis und Bon Jovi ausspuckte, ließ mich Blut lecken. Halb aus dem Lokal gefegt, ging es schließlich weiter zur dritten und letzten Station dieser Nacht.   

Rock it! 

Ein guter alter Rockschuppen, der heilige Gral meiner Suche. Glücklich, wie ein Junge, der zum ersten Mal in seinem Leben Brüste sieht, betreten wir das kleine Loch. Pale Ale aus dem Hahn, Metal aus der Anlage. Zack, schon war das erste Bier bestellt und die Gemütslage beruhigt. Italien kann es doch, kann Rockmusik. Das Regal am äußeren Ende der Bar war gut gefüllt mit Schätzen von Maiden, The Doors oder Metallica. Ein großer Teil der Anwesenden trug seine Haare lang, die Modefarbe des Lokals beschränkte sich auf Schwarz. Mit ihrer wallenden Mähne wippten die ersten zu ein paar Metalriffs. So viel Bewegung ist man von so manchem Anhänger des Genres zwar nicht gewöhnt, allerdings zeigte das Bier der vergangenen Stunden zu diesem Zeitpunkt bereits seine volle Wirkung. Auch ein DJ war nicht mehr auszumachen, vielleicht war es der Mann, der mit geschlossenen Augen headbangte und dabei die legendäre Pommesgabel zeigte?  

Dieses Völkchen war lustig anzusehen, bei einer Zigarette sogar ziemlich redselig. Ich unterhielt mich über italienische Gepflogenheiten, Rockmusik und deutsche Dialekte. Die Musik summte nur noch im Hintergrund, spielte die kleinste Rolle. Genau das ist es, was ich von dieser Reise mitnehmen konnte. Sucht nicht nach guter Musik, sucht nach den Menschen, die sie hören. Rock, Metal und Folk können auch in den heimischen genossen werden, gute Gespräche mit Leuten, die Musik auch so sehr schätzen, allerdings nicht! 

Eric Steinberg
Eric Steinberg
Über mich: Geboren im Jahrgang 2000 bin ich mit 17 Jahren der Jüngste im Team. Für Rockmusik schlägt mein Herz schon seit dem Kindesalter. Angefangen hat damals alles mit den Toten Hosen. Obwohl als Schüler immer knapp bei Kasse, besuche auch ich das ein oder andere Konzert. Außerdem spiele ich leidenschaftlich gerne Schlagzeug. Motto: Es gibt nur ein Gas, Vollgas!
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