Früher war nicht alles besser: Morgenrot dreht „Keine guten Zeiten“
Ein Musikvideo fällt nicht einfach vom Himmel. Am Ende sehen die Leute ein paar Minuten fertiges Material. Was sie nicht sehen, sind Gespräche, Ideen, Entscheidungen, Improvisation und jede Menge Arbeit, bevor überhaupt die Kamera läuft. Was einen guten Videografen ausmacht? Da halte ich mich mit großen Ansagen zurück. Ich kann nur aus meiner eigenen Perspektive sprechen. Alles andere wäre zu dick aufgetragen.
Bevor die Kamera läuft
Heute nehmen wir euch mit hinter die Kulissen des Drehs zu „Keine guten Zeiten“ von Morgenrot. Denn ein Videodreh besteht nicht daraus, irgendwo aufzuschlagen, die Kamera einzuschalten, alles abzufilmen und danach wieder abzuhauen. So einfach ist die Nummer nicht. Der eigentliche Job beginnt oft lange vor dem ersten Take.
Welcher Song wird umgesetzt? Was erzählt der Text? Welche Bilder passen dazu und vor allem wie übersetzt man Worte in bewegte Bilder, ohne dass am Ende nur eine zufällige Aneinanderreihung hübscher Einstellungen übrigbleibt? Genau solche Fragen müssen vorher auf den Tisch. Wer das dem Zufall überlässt, darf sich später nicht wundern, wenn das Ergebnis beliebig wirkt.

Drehort mit Charakter
Für den Dreh hatten wir das Glück, eine geräumige und spannend ausgebaute Scheune nutzen zu können, direkt in der Heimat der Band. Keine sterile Kulisse und keine künstlich hingestellte Welt, sondern ein Ort mit Ecken, Kanten und eigenem Charakter. Genau das geben solche Locations einem Video mit, ohne dass man alles auf Hochglanz polieren muss.
Neben den Performance-Szenen, die wir sauber und professionell umgesetzt haben, ging es auch nach draußen. Dort haben wir die Szenen eingefangen, die einen Blick zurück auf die alten Zeiten werfen. Und wer auf dem Land groß geworden ist, kennt das Bild: Der Bus fährt nicht, also landet man eben im Kofferraum beim Kumpel. Irgendwo ist auch ein Bier im Spiel und dann geht es einmal quer durch den Ort zum nächsten Ziel. Nicht alles daran war vernünftig. Aber langweilig war es meistens auch nicht.
Die gute alte Zeit?
Im Kern erzählt das Video von einem Gedanken, den wir gern vergessen: Früher war nicht automatisch alles besser. Aber eben auch nicht alles schlechter. Die Vergangenheit verklärt sich schnell, sobald der Alltag nervt und die Gegenwart kompliziert wird. Dann schwelgen wir in Erinnerungen, als wäre damals alles einfacher gewesen. War es das wirklich? Oder blenden wir einfach aus, was uns damals schon auf den Sack gegangen ist? Genau darum geht es, nicht nur zurückzublicken, sondern das heute nicht zu verpassen. Denn die gute alte Zeit ist vielleicht irgendwann genau die Zeit, in der wir gerade stecken. Also hört auf, ständig der Vergangenheit hinterherzutrauern. Genießt, was jetzt da ist, macht etwas daraus und hört auf, das Leben auf später zu verschieben. Die guten Zeiten warten nicht irgendwann. Sie laufen gerade. Man muss nur aufhören, sie zu verpassen.
Hier geht es zum Endergebnis:
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Mitglied im Bundesverband deutscher Pressefotografen (bdp)
Gründete 2017 das Magazin und begann eine ganz neue, "musikalische" Reise durch die rauen Landschaften von Musik, Veranstaltungen und Print- und Online-Medien.








