Hämatom – Wie sehr kann eine Band vom Weg abkommen?

Es gibt Bands, bei denen man Veränderungen mitgeht, weil man spürt, dass sich zwar der Sound verändert, die Seele dahinter aber dieselbe bleibt. Bei Hämatom habe ich dieses Gefühl schon länger nicht mehr. Für mich ist vom ursprünglichen Hämatom-Spirit kaum noch etwas übrig. Songs wie „Eva“, „Säulen des Wahnsinns“ oder „Wir sind Gott“ hatten noch eine verdammte Essenz. Da steckten Wut, Haltung, Rebellion und dieses ganz spezielle „Wir gegen den Rest“-Gefühl darin. Man hörte diese Songs und hatte das Gefühl, Teil von etwas zu sein. Heute wirkt das für mich zunehmend wie die Erinnerung an eine andere Band.

GAGAMANIA – Experiment oder Trojanisches Pferd?

Und dann kommt GAGAMANIA. Ein Experiment, ein Ausflug in eine bunte, völlig überdrehte Partywelt. Genau das nehme ich Hämatom allerdings nicht ab. Für mich ist dieses angebliche Experiment vielmehr ein ziemlich cleveres Trojanisches Pferd. Man kann den alten Fans den Stilbruch als vorübergehenden Spaß verkaufen und gleichzeitig testen, wie weit man die Marke Hämatom vom ursprünglichen Sound entfernen kann, ohne dass das Publikum und die Kasse abspringen. Wenn es funktioniert, wird aus dem Experiment irgendwann der neue Normalzustand.

Denn natürlich funktioniert Partyrock. Eingängige Songs, Mitgröhl-Refrains und maximaler Festival-Klamauk erschließen neue und jüngere Zielgruppen. Wirtschaftlich ist das nachvollziehbar. Künstlerisch darf man trotzdem fragen, was dabei eigentlich verloren geht.

Vom „Wir gegen den Rest“ zum Einheitsbrei

03_Haematom_fuer-dich-Tour_Geiselwind_15.02.2025_Jule-Knorr-10 Hämatom – Wie sehr kann eine Band vom Weg abkommen?

Genau hier liegt für mich der größte Knackpunkt. Hämatom stand einmal für Ecken und Kanten, für Rebellion und eine gewisse Scheiß-drauf-Haltung. Heute will man auf einen Zug aufspringen der bewusst massentauglicher und zunehmend austauschbarer ist. Und damit bleiben für mich auch die alten Fans auf der Strecke. Die Menschen, die Hämatom über Jahre begleitet haben, die kleinen Hallen gefüllt und die Band zu dem gemacht haben, was sie heute ist. Diese müssen plötzlich dabei zusehen, wie genau das verschwindet, wofür sie diese Band einmal geliebt haben.

Eine Band darf sich verändern. Sie darf wachsen, experimentieren und neue Wege gehen. Aber sie sollte dabei nicht vergessen, wo sie herkommt. Bei Hämatom habe ich mittlerweile den Eindruck, dass genau das passiert ist. Der alte Spirit ist für mich nicht einfach weniger geworden, er ist verschwunden. Und wenn aus „Eva“, „Seelenpiraten“, „Säulen des Wahnsinns“ und „Wir sind Gott“ irgendwann nur noch Partyrock geworden ist, der sich kaum noch vom Festival Einheitsbrei unterscheidet, dann ist das für mich keine Weiterentwicklung mehr. Dann ist eine Band verdammt weit von ihrem eigenen Weg abgekommen. Aber wenn wütende Fans Kommentare hinterlassen, kann man am Ende immer noch sagen: „War ja nur ein kurzer Spaß.“ und hält sich somit einen Großteil seiner vermeintlichen Fanbase möglichst warm.

Redaktionell verantwortlich für diesen Artikel:

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Mitglied im Bundesverband deutscher Pressefotografen (bdp)

Gründete 2017 das Magazin und begann eine ganz neue, "musikalische" Reise durch die rauen Landschaften von Musik, Veranstaltungen und Print- und Online-Medien.

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