Infectious Grooves – vergessen und verstaubt – nicht mit uns!
Heute wird es in unserer Serie freaky-funky. Wir halten das dritte Album der Funk Metal Band Infectious Grooves in der Hand. GROOVE FAMILY CYCO feiert heuer 32 Jahre. Grund genug, es nicht vergessen zu lassen.
Trackliste

Mike Muir, Sänger von SUICIDAL TENDENCIES, gründete das Projekt mit Mitgliedern von Jane´s Addiction sowie Robert Trujillo. Robert war damals Bassist bei Mikes Hauptband und knüppelt seit 2003 den Bass bei Metallica. Er ist auch dafür verantwortlich, dass nicht nur Infectious Grooves so funky klingt, sondern auch SUICIDAL TENDENCIES immer mehr und mehr zu Funky-Hardcore-Punk wurde. Im Erscheinungsjahr 1994 bestand die Band, bis auf den Schlagzeuger, ausschließlich aus Mitgliedern von SUICIDAL TENDENCIES. Lediglich Brooks Wackermann kam neu dazu. Er wurde später langjähriger Schlagzeuger von Bad Religion und trommelte bis dato bei allerlei Musik Giganten. Wer nur mal wissen will, was das hier soll, gibt sich jetzt den Titeltrack „Family Groove Cyco“ und darf gehen. Für alle anderen gehts freaky weiter.
Dann mal zur Sache

Und genau hier zeigt sich, warum GROOVE FAMILY CYCO auch nach 32 Jahren noch nicht im musikalischen Staub verschwinden sollte. Infectious Grooves macht auf ihrem dritten Album deutlich weniger Blödsinn als auf den Vorgängern. Dafür sprechen die Instrumente umso deutlicher. Das Album ist härter, direkter und wesentlich stärker auf den Punkt gespielt. Schon „Violent & Funky“ zeigt, was Sache ist. Robert Trujillos Bass wummert und slapt sich durch die Nummer, während die Gitarren ordentlich Druck machen. Funk und Metal stehen hier nicht nebeneinander, sondern werden einfach zusammen in einen Topf geworfen. Und erstaunlicherweise schmeckt das immer noch verdammt gut.
Überhaupt ist Trujillo einer der Gründe, warum die Platte so gut funktioniert. Zusammen mit Brooks Wackerman bildet er eine Rhythmussektion, die ordentlich Alarm macht. Auch Mike Muir klingt, wie man ihn kennt: zwischen Hardcore-Gebrüll, gesprochenen Passagen und dem typischen Muir-Sarkasmus. Besonders „Rules Go Out The Window“ gehört zu den stärkeren Nummern der Platte. Hier passt das Zusammenspiel aus Gitarren, Bass und Gesang einfach.
Bekloppt und schmerzfrei

Damals haben wir das nicht begriffen. Wir haben lediglich die Parallelen zu Rage Against the Machine im Song „Do What I Tell Ya!“ wahrgenommen. Der Song ist ein verdammt unverhohlener Seitenhieb auf eine der bekanntesten Bands. Politische Botschaften mit Major-Label-Unterstützung? Muir hatte dazu offenbar seine ganz eigene Meinung. Ein bisschen Ironie, ein bisschen Größenwahn und fertig ist der Diss. Also ganz normale Familienunterhaltung bei Infectious Grooves.
Funky, hart und ein bisschen bekloppt. Was GROOVE FAMILY CYCO einzigartig macht, ist die Mischung aus musikalischem Können und kompletter Schmerzfreiheit. Hier wird nicht lange darüber nachgedacht, ob ein Basslauf jetzt noch Metal oder schon Funk ist. Er ist einfach beides. Kritiker sahen das Album damals durchaus zwiespältig. Gelobt wurden vor allem die Energie, der harte Sound und das Zusammenspiel von Trujillo und Wackerman. Gleichzeitig fehlten manchen Songs die großen Hooks und gelegentlich verirrte sich die Band auch in etwas chaotischen Gefilden. „Cousin Randy“ ist beispielsweise nicht unbedingt der Moment, in dem man seine Nachbarn zum gemeinsamen Musikhören einlädt.
Hin und hergerissenes Fazit

Die Platte funktioniert erstaunlich gut, wenn man sich darauf eingelassen hat und so manches Durcheinander akzeptiert und offen für ein wenig Chaos ist. Funk-Bass, Hardcore, Metal-Gitarren und Rap-Elemente stehen hier ziemlich selbstverständlich nebeneinander. Vielleicht liegt genau darin die Stärke des Albums. Selbst ein wenig Gospel und Jazz haben die Herrschaften mit eingebaut. Da weiß der geneigte Hörer nun wirklich nicht was abgeht. Doch bei „Made it“ macht das alles Sinn.
Letztendlich ist es kein Album, das man unbedingt in die Kategorie vergessene Meisterwerke stecken muss. Dafür gibt es ein paar Durchhänger und nicht jeder Song bleibt dauerhaft hängen. Aber es ist eine verdammt unterhaltsame Platte einer Band, die musikalisch einiges kann und sich gleichzeitig nie besonders ernst nimmt. Robert Trujillos Bassarbeit allein ist schon Grund genug, das Album wieder aus dem Regal zu holen. Dazu kommen Wackermans präzises Schlagzeug, fette Gitarren und Mike Muirs gewohnt bissige Art. 1994 war das vielleicht nicht der ganz große Wurf. Heute ist es aber ein ziemlich schönes Stück Zeitgeschichte aus der wilden Ecke des Funk Metal. Dennoch ist eben diese Band mit genau dem Album der Name des Programms: Infectious Grooves mit GROOVE FAMILY CYCO. We love it.
3 von 5
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Crew | Redakteur
Mit Baujahr 1976 nicht mehr so ganz jung, bin ich im Herzen der Republik, in Anhalt aufgewachsen.
Mit 19 Jahren zog es mich nach Baden-Württemberg. Aufgewachsen mit Heavy Metal à la Metallica, Slayer und Kreator etc., pubertierte ich mit dem Punk, bis ich dann mit dem New York Hardcore erwachsen wurde. Es gilt: Ob Metal oder Punk, in deutsch oder englisch, Hauptsache mir gefällt´s.








