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Frische Punkshow im tiefen Sauerland

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Es war mal wieder etwas los, das Sauerland durfte für ein paar Stunden durchdrehen. Die Rogers waren in der Stadt, genauer gesagt in Marsberg. „Rock im Keller“, mittlerweile in der 5. Auflage, hieß das Date der Jungs. Ein Einzeldate war das aber keinesfalls. Knapp 450 Menschen waren zum kollektiven Schwitzen und Abrocken angereist, ausverkauft.

„Hey, darf ich mal deinen Ausweis sehen?“ Na großartig, das ging ja super los an diesem Abend. Ausweis hervorgekramt, an den breitgebauten Securities vorbei und das Bändchen ans Handgelenk. Nun war ich einer dieser 450 Glücklichen, die einen dicken Schwall Düsseldorfer Punkrockfeeling im Hochsauerlandkreis erleben durften. Den Anfang machten allerdings nicht Chri Hoffmeier und Co., sondern zwei Bands, die vor Ort ebenfalls längst bekannt waren: Schlagloch aus Marsberg sowie Rustikarl aus Brilon.

Buchstabensuppe

Meine Begleiter und ich gehörten zu den ersten, die sich unweit der Theke positionierten und auf den Auftritt der Marsberger warteten. Die Reihen füllten sich allmählich, auch die Zahl der leeren Bierbecher wuchs. Nur durch plötzlichen Gitarrensound von der Bühne konnte verhindert werden, dass der Abend nicht doch in einem Trinkgelage enden würde. Schlagloch eröffneten mit „Darum“ und langsam, aber sicher, strömte das gemeine Fußvolk in Richtung Bühne. Nicht nur dort war man sichtlich motiviert, auch vor der Absperrung entwickelten sich nach Songs wie „Piraten“, „Buchstabensuppe“ oder „Egal“ erste Pogo-Versuche.

Immer wieder wanderte mein Blick Richtung Mischpult. Nanu, wer ist für den Sound verantwortlich? Schlief derjenige etwa kurz vor dem Auftritt ein? Ist er zum Rauchen aus der Halle gegangen? Man weiß es nicht. Klar ist aber, dass der Auftritt Schlaglochs nicht sonderlich gut abgemischt war. Wer die Lieder der Jungs nicht kannte, musste angestrengt zuhören, um überhaupt Gesang wahrzunehmen. Direkt vor der Bühne schien das allerdings kaum jemanden zu stören, froh und munter wurde unbehelligt weitergetanzt. Ein Highlight fand der Auftritt schließlich im letzten Song, einem Cover des legendären Songs „Blitzkrieg Bop“. Bis zum letzten Ton gab sich die Band Mühe, das Publikum zu begeistern. Und es gelang, auch ich war jetzt bereit für noch mehr Gitarrensound: Rustikarl stand auf dem Programm.

Moshpit-Laune

T-Shirts der Band waren überall im Raum zu sehen. Anscheinend war ich nicht der Einzige, der sich auf den Auftritt der mittlerweile auch überregional bekannten Truppe freute. Die meisten hatten nicht einmal ihr Erfrischungsbierchen geleert, bevor es auch schon weiterging. Und das mit sehr viel Schwung. „Bevor du gehst“ brachte wieder einmal Moshpit-Laune in die angeheizte Meute, die textsicher zu sein schien. Im Song heißt es: „Ich kenn dich nicht, doch genau dich hab´ ich vermisst“. Ähnliches mussten auch die Besucher gedacht haben, die Rustikarl bisher nicht kannten.

Stimmung ist Trumpf, das wissen auch die Briloner. Immer wieder ist es für mich erstaunlich, wie mit recht einfacher Musik die Massen begeistert werden können. Als Local Hero hat man es natürlich etwas leichter, das gebe ich zu. Trotzdem gab es auf der Bühne keine Tendenz der Musiker, sich auf den Lorbeeren der letzten Wochen und Monate auszuruhen. Ganz im Gegenteil: Die Band spielte einen brandneuen Song mit dem Titel „Drogen machen süchtig“. Diese bahnbrechende Erkenntnis wird im Lied weitergehend ausgedehnt und verweist unter anderem auf Risiken, die mit dem Konsum von gewissen Substanzen nun einmal verbunden sind. Ach übrigens, auch Rustikarl macht süchtig.

Publikums-Chöre

Langsam neigte sich der Auftritt dem Ende zu, der Schweiß stand nicht wenigen Konzertgängern auf der Stirn. Ohne den Hit „Tequila mit den Engeln“ kam man aber auch am vergangenen Freitag nicht aus. Es war der Zeitpunkt, an die Bekannten im Jenseits zu denken und auf diejenigen anzustoßen, die viel zu früh von uns gingen. Es schallten Publikums-Chöre durch den Raum, der Pit tobte und die Menge feierte. Jedoch ist selbst die größte Party einmal vorbei und mit der Zugabe „Leber brennt“ verabschiedeten sich die Briloner von der Bühne.

Bassist Fionn zieht ein Fazit: „Es war ein ziemlich geiler Abend und das Publikum war super drauf.“ Wie es ist, sich mit Größen wie den Rogers die Bühne zu teilen? „Es ist wirklich schön, dass sie uns auf einer gleichwertigen Ebene begegnen, obwohl sie ohne Zweifel die größere Band sind“, berichtet das Rustikarl-Mitglied. Die Frage, die dennoch bleibt: Machten die Jungs mit dem letzten Titel bereits auf den Ausgang des Tages aufmerksam? Antworten kann in diesem Fall lediglich die Theke liefern.

Mittelfinger für immer

Als nächstes stand der Hauptact auf der Tagesordnung, Prominenz aus Düsseldorf. Das Publikum war bereit. Bro Hymn zur Einstimmung, danach ging es los. Vor der Bühne gab es kein Halten mehr und auch die ersten Crowdsurfer waren wieder in Sichtweite. Die Rogers zeigten in ihrem ersten Lied „Mittelfinger für immer“ gleichzeitig auch allen den bösen Finger, die bis vor ein paar Jahren nicht an sie geglaubt haben. Mittlerweile gehören sie zu den Top 5-Punkbands dieser Nation und teilten sich unter anderem eine Bühne mit den Toten Hosen.

Schwungvoll ging es bei Titel Nummer Zwei, „Die Nachbarn von oben“, weiter. Ein Rückblick auf gute, alte Zeiten und unvergessliche Nächte mit den besten Freunden. Die Band war mittlerweile dabei, auch den Abend zu solch einem Moment zu machen. Ihn zu genießen, um sich auch später einmal daran zu erinnern, darauf macht der nächste Titel „Vergiss nie“ aufmerksam. Ebenso unvergessen bleiben wird mir für einige Wochen mein Ellbogen, der im Pit leider einen zu guten Gegner fand. Aua!

Die Temperaturen in der Halle stiegen immer weiter an, für einige stellte das T-Shirt nur eine unnötige Last dar. Verschwitze Bierbäuche und Pogo und Bier, das muss wahrer Punkrock sein. Allerdings professioneller Punkrock. Man merkt schnell, dass die Rogers auf einen großen Schatz an Bühnenerfahrung zurückgreifen können. Große Fehler sind in der Show nicht zu finden, alles wirkt durchgetaktet.

Gedichtwettbewerb

Ein bisschen Luft verschaffte an dieser Stelle ein kleiner Gedichtwettbewerb, der zuvor ausgerufen wurde. Gewinnen konnte am Ende ein Gedicht, in dem der Autor für mehr Offenheit eintrat! Generell mangelte es wie immer bei den Rogers keinesfalls an Message. Wie selbstverständlich wird in Liedern wie „Nie euer Land“ das steigende Problem mit rechtem Gedankengut thematisiert oder in „Zu spät“ die Umweltproblematik angesprochen.

Zum Ende hin wurde es dann fast noch einmal romantisch in Marsberg. „Wo immer du gerade bist“ spricht über die gescheiterte Liebe und ein paar wenige, letzte Worte an den alten Partner. Mit Seifenblasen im Publikum wehte ein Hauch von Liebesgefühlen durch den Raum. Diesem schlug eine Mischung aus Bier, Schweiß und Furzgeruch entgegen, der dem Konzert wieder das nötige Punkfeeling verleihen konnte. Nun kam es darauf an, dieses noch für ein paar letzte Minuten zu genießen. Toben im Pit, Crowdsurfen auf der Menge oder einfach nur mit dem Fuß wippen, das alles war schon bald wieder vorbei. Nach einer ordentlichen Spielzeit verabschiedeten sich die Düsseldorfer von der Sauerländer Bühne. Was bleibt, ist eine positive Erinnerung: „Nach den Festivalshows im Sommer, war auch das wieder eine schöne, frische Punkshow. Es war sehr persönlich und hat ziemlich Spaß gemacht“, zeigt sich Sänger Chri zufrieden. Auf ein Wiedersehen!

Eric Steinberg
Eric Steinberg
Über mich: Geboren im Jahrgang 2000 bin ich mit 17 Jahren der Jüngste im Team. Für Rockmusik schlägt mein Herz schon seit dem Kindesalter. Angefangen hat damals alles mit den Toten Hosen. Obwohl als Schüler immer knapp bei Kasse, besuche auch ich das ein oder andere Konzert. Außerdem spiele ich leidenschaftlich gerne Schlagzeug. Motto: Es gibt nur ein Gas, Vollgas!
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