Deadline – vergessen und verstaubt – nicht mit uns!

Zum 30. Geburtstag des Rebellion Punk Music Festivals in U.K. bestätigte Deadline ihren Auftritt auf der vom 06. bis 09. August 2026 stattfindenden Veranstaltung. Ein guter Anlass und eine gute Brücke zu unserem „vergessen und verstaubt“. Denn die Street Punk Band hat seit 16 Jahren kein Album mehr veröffentlicht. Wir haben uns 2005 GETTING SERIOUS gegönnt. Es war das Label Debüt auf People Like You Records, kostete 11,99 €, wurde in einem gut sortierten Drogeriemarkt feilgeboten und enthält eine Überraschung.

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Foto: Jörg Hentzgen

One, two, three, Go! und Oh, oh, oh, oh

In der damaligen und der heutigen Punkrock-Szene sind nicht wirklich viele Frauen am Mikro vertreten. Vermutlich sind Damen an einer Hand abzuzählen, die wie es Deadline machen, auch noch einen Schwenker in die Oi! Punk Kiste gehen. Liz stand der Job schon immer gut. Seit dem Labelwechsel hat sie mit den Herren in der Band ordentlich Gas gegeben und steht in Nichts ihren männlichen Kollegen nach. Mit einer, unserer Meinung nach, Hommage an die Live-Auftritte der Ramones, startet das Album: „One, two, three, go!“. Und ab geht`s. Mit dem Opener werden alle typischen Punkrock Register gezogen. „Serious“ schließt mit unverwechselbarer Melodie und „Oh, oh, oh“ Einstimmung nahtlos an. Bis jetzt noch keine Punkrock-Offenbarung.

Balsam für die Ohren

Sängerin Liz macht derweil alles richtig. Für unsere Ohren ist das Balsam. Keine Growls, kein Screaming. Purer, unperfekter Gesang, der besonders bei Titel drei, „Take No Chances“ so natürlich und authentisch offenbart wird, dass es stimmt: Alte Liebe rostet nicht. Die Bandkollegen ziehen sauber, mit schnellen Rockabilly Blues-Gitarren- und Schlagzeugläufen durch und erschaffen so einen der besten Tracks vom Album. Deutlich mehr hin zum Oi! geht es mit „Wave You Goodbye“. Ein textlich sentimentaler Song, der das Ende einer Beziehung beschreibt. Kurz und knapp, ohne Tamtam wird 1:51 Minute durchgezogen.

Das Mädchen aus Essex

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Foto: Jörg Hentzgen

Durchgezogen wird auch mit dem anschließenden Track. „Long Way Home“ kommt mit ein wenig Hardcorepunk Hooks daher und wird wohl auf dem Rebellion Punk Music Festival sehr gut funktionieren. Das ist auch das Thema des Songs: Tour und Konzerte.

Viel Bass und hart gespielte Gitarren werden bei „Come out to Play“ für den Einsatz hergenommen. Dann kommt der Gesang, der das erste Mal fehl am Platz wirkt. Zum Refrain hin fängt er sich, hallt dennoch nach. Im letzten Drittel wird alles wieder fein und wir lehnen uns entspannt zurück. Der Titel nimmt sich kurz die Zeit zum Ausruhen, um dann wieder ordentlich an Fahrt aufzunehmen. Die volle Breitseite Punk Attitüde gibt es mit „Taken For A Ride“. Ganz im Stil von Barbie startet „Out Of Luck“. Mit exzentrischer Stimme gibt es Bemerkungen zum ausbleibenden Glück im Konsumverhalten. Aber was wäre ein Punk, der sich darum schert? Zickenkrieg Ansage gibt es, wenn Liz fragt: „Who Are You?“. Sie, das Mädchen aus Essex, um den Schönen und Reichen die Show zu stehlen. Nicht nur textlich eine Ansage gegen den Reality Show-Markt. Auch musikalisch ein grandioses Geballer.

Liebeslied und Hiddentrack

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Foto: Jörg Hentzgen

Über die Hälfte des Albums sind durch und Deadline hat sich gut geschlagen. Doch hat die Londoner Band mit „This Girl“ noch ein Ass im Ärmel und geschickt auf das letzte Drittel gelegt. Jetzt hat sie uns wieder zu 100 % gepackt. Gesungen wird die perfekte Rock `n´ Roll Queen. Der Traum aller Männer? Ob sich Liz hier selbst besingt? Im Ranking der besten Lieder wird hier Platz Eins belegt. Locker flockig geht es mit dem Liebeslied „In My Eyes“ weiter. Den Song zu hören, macht unglaublich viel Spaß, weil er einem das Gefühl von Wärme vermittelt. Komplimente werden mit „Nice Guys“ an die Gentlemen der Szene gesendet. Musikalisch geht es wieder weiter weg vom Mainstream. Deadline kommt mit sehr viel mehr Geschwindigkeit und Underground Vibes um die Ecke. Mit mehr Teenager Pop Punk Likes, als uns lieb ist, geht es mit „Secret“ weiter. Das Ende der Fahnenstange bestreitet das mit exzellenter Trompete hinterlegte „Pearly Gates“. Wer jetzt weiterlaufen lässt bis Minute 4:06 wird mit einem Hiddentrack belohnt. Es handelt sich dabei um die Demoversion von „Get Away“. Zu finden auf dem 2003er-Album BACK FOR MORE.

Fazit

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Deadline mit GETTING SERIOUS sind der Salzkaramell im Oi! Punk-Rock mit dem Spirit der alten Tage. Stilecht und mit dem gut getimten verspielten Gesang langweilen sie nicht, sind aber auch nicht die Dauerbrenner. Mehr Songs im Stile von „Pearly Gates “, „Who Are You?“, „In My Eyes”, „Long Way Home“ oder „Take No Chances” würden der Platte im ersten Moment besser stehen. Lässt man jedoch die CD-Revue passieren, wird schnell klar: Alles ist gut so wie es ist.

3 von 5

Redaktionell verantwortlich für diesen Artikel:

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Crew | Redakteur

Mit Baujahr 1976 nicht mehr so ganz jung, bin ich im Herzen der Republik, in Anhalt aufgewachsen.

Mit 19 Jahren zog es mich nach Baden-Württemberg. Aufgewachsen mit Heavy Metal à la Metallica, Slayer und Kreator etc., pubertierte ich mit dem Punk, bis ich dann mit dem New York Hardcore erwachsen wurde. Es gilt: Ob Metal oder Punk, in deutsch oder englisch, Hauptsache mir gefällt´s.