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INFIZIERT prangern „Kommerz“ bei Hobby-Bands an 

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VRR: Ihr habt passend zum neuen Album VIRUS euer erstes Musikvideo „Superstars“ veröffentlicht. Da bekommen einige Musikerkollegen ordentlich ihr Fett weg. Was ist da los? 

Dürken (INFIZIERT): Ich denke das der Text des Songs hier selbst die beste Antwort gibt! Wenn man sich an die Texte eines Albums setzt, fragt man sich natürlich immer zuerst, was für Themen möchte man los werden!? Dies war für mich in letzter Zeit immer ein starkes Thema, welches hiermit den Weg in unsere Musik gefunden hat. Es handelt NICHT über Bands, die Geld für ihre Auftritte nehmen oder T-Shirts verkaufen, mit ihren Namen drauf! Die Kritik geht, auf den zweiten Blick gesehen, da schon etwas tiefer. Uns war natürlich von vornherein bewusst, dass wir uns mit diesem Song nicht nur Freunde machen werden. Da draußen gibt es viele Menschen, die einen Text nur sporadisch überfliegen und direkt die Fackeln anzünden, ohne tiefer ins Detail zu sehen. Natürlich fühlen sich auch einige angegriffen, die ihre Lieblings-Band in diesem Song wiedererkennen und diese dann selbstverständlich verteidigen wollen. Aber dieser Song geht ausschließlich an kleine Hobby-Bands, die mit riesigen Merchandising-Shops auffahren. Man unterhält sich natürlich auch hinter den Kulissen mit den anderen Bands. Da fallen schon so Sätze wie „Unter dem Betrag XY treten wir erst gar nicht auf“. Und das von kleinen Bands, die eine Größe haben, wo es in erster Linie noch ausschließlich um die Musik gehen sollte! Das finde ich doch sehr bedenklich. So wird die Handlung eines Songs geboren! 

Leere Phrasen 

VRR: Warum habt ihr es im Video gerade auf „Helden schwarzer Tage“ abgesehen? Gibt es persönliche Differenzen oder sind sie für euch nur ein Musterbeispiel für das generelle Problem? 

Dürken (INFIZIERT): Mit den Helden haben wir persönlich keine Differenzen. Der Text ist auch gar nicht über die Helden im Speziellen entstanden. Natürlich waren sie ein sehr präsenter Teil der Entstehung des Grundgedankens. Aber im Speziellen sollen sich da einige mehr an ihre Nase packen. Videotechnisch waren sie dann natürlich einfach das Musterbeispiel, um das Bild technisch umzusetzen, was wir schon textlich ansprechen wollen. Es gab auch im Grunde kein Zögern hinter unseren Kulissen, ob wir das so umsetzen sollen. Auch mit dem Bewusstsein, dass es nicht jedem schmecken wird. Ich persönlich bin aber die ganzen leeren Phrasen leid, die immer wieder besungen werden. Immer wieder höre ich Sätze wie „Wir lassen uns nicht das Maul verbieten“ und „Wir sagen was wir wollen“… Mehr Message kommt dann aber meistens nicht. Natürlich ist das heikel eine Band gezielt, auch noch aus der gleichen Szene, an den Pranger zu stellen. Einige werden auch sagen, dass man so etwas nicht macht. Aber ich finde man sollte nach Sätzen wie „Wir sagen, was wir wollen“ auch mal etwas Fleisch bringen. Auch wenn es nicht jedem schmeckt. Mal ganz davon abgesehen, dass man einfach mit Kritik rechnen muss, wenn man ein T-Shirt für 30€ (mit Versand 35€) verkauft, als kleine Hobby-Band. Dazu kommt noch im Shop ein Supporter Ausweis, den man in einem Paket dazu bekommt, als wäre man eine ganz große Nummer… Das finden WIR etwas lächerlich, also sprechen wir es an. Wir müssen uns mit diesem Song natürlich auch Kritik gefallen lassen. Das ist aber ok für uns. 

Der Wert von Musik 

VRR: Viele Musiker beschweren sich, meiner Meinung nach zu Recht, dass Konsumenten kein Gefühl mehr für die Wertigkeit von Kunst und Musik im Speziellen haben. 

Dürken (INFIZIERT): Kann ich nichts zu sagen. Wir sind nur eine kleine Hobby-Band und ich hatte nie den Gedanken das unsere Musik zu wenig geschätzt wird. Wir sind glücklich, so wie es ist. Ein berechtigter Gedanke natürlich. Wir sind da aber die falschen Ansprechpartner, weil wir es nicht kritisieren. 

VRR: Albumproduktionen sind in der Regel kosten- und zeitintensiv. Ihr bietet im Gegensatz dazu eure Musik gratis zum Download an. Wieso habt ihr euch für dieses Konzept entschieden? 

Dürken (INFIZIERT): Es ist ok, wenn man für seine Alben auch Geld nimmt. Natürlich auch als kleine Hobby-Band. Man möchte natürlich nicht nur auf allen Kosten sitzen bleiben. Wir allerdings haben unsere Musik schon immer selbst aufgenommen und haben keine Kosten von Tonstudios, die wir wieder reinholen müssen. Natürlich entstehen uns immer noch genug Kosten, aber das ist unser Hobby. Hobbys kosten nun mal. Wenn man die Leute jetzt fragen würde, ob sie Geld bezahlen wollen und dafür die Top Qualität bekommen oder lieber umsonst, aber dafür Home-Recording, dann würde sich die Masse natürlich wieder Spalten. Aber wir für uns fahren diesen Weg und freuen uns, wenn jemand einfach Spaß an unserer Musik hat. Das heißt nicht das dies der ultimative richtige Weg ist, den jeder fahren sollte. 

Keine Gage für Hobby-Bands 

VRR: „Sie rocken nur für Gage und ihr müsst dafür zahlen“ heißt es anprangernd in einer Liedzeile. Worin genau seht ihr dabei das Problem? Ist es nicht moralisch verwerflicher, wenn Publikum oder Veranstalter erwarten, dass Bands kostenlos oder für einen Kasten Bier spielen? 

Dürken (INFIZIERT): Erst einmal habe ich nie vernommen, dass das Publikum oder Veranstalter selbst anprangert, dass sie nichts bezahlen wollen. Hier kommt aber wieder das Thema Hobby und was einige für einen Reibach machen, mit ihrer kleinen Reichweite. Wie schon erwähnt, fielen schon Sätze, dass die Leute nicht unter XY spielen. Und das von Leuten, die dies nicht beruflich betreiben. Natürlich ist der befragte Satz sehr überspitzt. Wir persönlich verlangen keine Gage bei den Veranstaltern. Wir sind einfach froh und freuen uns auf die Konzerte. Auch wenn wir selbst auf Spritkosten und Hotelkosten sitzen bleiben. Das muss nicht jeder so machen, wir machen es aber, weil es uns Spaß macht. Man muss die Kirche im Dorf lassen und sich als kleine Band, wie wir es nun mal auch sind, bewusst werden, dass man nicht die Massen zieht und der Veranstalter auch nicht DAS große Geld mit einem macht. Aber was wir an Forderungen schon von kleinen Bands mitbekommen haben… Naja, nochmal: so wird die Handlung eines Songs geboren! 

Das böse Wort mit „K“: Kommerz 

VRR: Ein anderes Thema, das ihr ansprecht, ist der Verkauf von Merch. Auch hier folgt ihr eurem Idealismus und bietet selbst keinen an. Viele Fans identifizieren sich allerdings gerne sichtbar mit ihren Lieblingsbands und tragen Merch als Zeichen der Solidarität und Verbundenheit. Sollte man das Thema in Hinblick darauf differenzierter betrachten? 

Dürken (INFIZIERT): Nein, das ist völlig ok. Wenn man unseren Song „Superstars“ überfliegt werden natürlich die Meisten schockiert sein und denken, wir kritisieren den Vertrieb von Merch im Gesamten. Darum geht es aber nicht. Ich denke aber das wurde schon ganz gut erklärt, wo genau das Problem liegt. Wir bringen ab und an auch Shirts raus, die wir in kleinen Mengen an die Leute bringen, die es haben wollen. Natürlich ist es auch sehr schwer eine Grenze zu ziehen, wo fängt das Limit für eine Hobby-Truppe an und wo wird es zum Kommerz, was wir alle immer beschreien in dieser Szene und es verteufeln. Ich kann nur sagen, dass im hervorgehoben Fall die Grenze weit überschritten wurde. Das ist meine Meinung. Jeder kann eine andere haben. 

VRR: Was erwartet uns noch auf eurem neuen Album VIRUS? Verteilt ihr weiter Seitenhiebe oder ist der Rest eher handzahm? 

Dürken (INFIZIERT): Auch wenn das Ding musikalisch schon komplett steht und fertig auf der Festplatte schlummert, möchte ich natürlich nicht zu viel verraten. Aber ja, es bekommen noch andere Leute ihr Fett weg! Ich glaube es ist wirklich eine gute Mischung drauf. Von persönlichen Anliegen über pubertäre Kampfansagen bis hin zur musikalischen Überraschung. Seit einfach gespannt und wir freuen uns über jeden dem es gefallen wird! 

Lisa Berg
Lisa Berg
Über mich: Ich, 27 Jahre alt, lebe, liebe und atme Musik - ganz egal ob Punk-, Deutschrock, Oi oder Metal. Wenn ich nicht gerade für Vollgas den Bürostuhl platt sitze, stolpert man mir regelmäßig auf diversen Konzerten und Festivals in ganz Deutschland über die Füße. Im Gegensatz dazu verdiene ich ganz seriös meine Brötchen als Grafikerin für den Printbereich.
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