Im Interview mit Knorkator (Teil 1) – absurd und witzig
Deutschlands meiste Band der Welt macht ihrem Namen alle Ehre. Bei Knorkator treffen musikalisches Können und herrlich absurder Unsinn aufeinander. In unserem zweiteiligen Interview mit Alf Ator starten wir mit einer ordentlichen Portion Wahnsinn. Ganz nach dem Stil: Knorkator.
VRR: Knorkator existiert seit Jahrzehnten. Ab wann ist Blödsinn eigentlich kein Blödsinn mehr, sondern Kulturgut? Und wann bekommt ihr dafür endlich das Bundesverdienstkreuz aus Schaumstoff?
Alf Ator: Tja, so platt das auch klingt, Kulturgut ist es, sobald man damit durchkommt. Und das Bundesverdienstkreuz werden wir wohl nicht mehr erleben.

VRR: Gibt es bei euch im Proberaum Momente, in denen jemand eine vollkommen bescheuerte Idee hat und alle anderen sagen: „Nein, das ist selbst für Knorkator zu dumm“? Oder ist genau das meistens der Moment, in dem ihr wisst, dass ihr einen neuen Song habt?
Alf Ator: Ganz so läuft das bei uns nicht. Im Allgemeinen schreibe ich die Songs, programmiere ein Demo und singe sie sogar provisorisch selber ein, bevor ich das irgendjemandem präsentiere. Aber gerade entstand ein Song, der irgendwie ein Eigenleben entwickelte und in eine Richtung strebte, bei der ich mir nicht sicher war, ob das für uns zu Mainstream ist. Doch die anderen fanden ihn fast alle ganz toll. Nur Buzz Dee steht nicht so drauf. Aber glücklicherweise hat er nur 13,6 % Mitspracherecht.
VRR: Eure Shows wirken manchmal, als hätte ein Kindergeburtstag einen Nervenzusammenbruch und anschließend Metal entdeckt. Wie viel davon ist tatsächlich geplant und wie viel passiert, weil irgendwann einfach niemand mehr weiß, was als Nächstes passieren soll?
Alf Ator: Wir versuchen unsere Shows immer peinlich genau zu planen. Aber das ist nur ein theoretischer Leitfaden. Am Ende entscheidet Stumpen spontan und aus dem Bauch heraus, was passiert. Was vom Geplanten damit vereinbar ist, bleibt als Showelement erhalten.

Vom Lehrplan bis zum Hitverdacht
VRR: Angenommen, Knorkator dürfte ab morgen ein eigenes Schulfach einführen: Was müsste jedes Kind dort lernen und wie viele Wochen würde es dauern, bis das Kultusministerium panisch versucht, euch wieder aus dem Lehrplan zu entfernen?
Alf Ator: Nun, wenn das Hauptziel darin bestehen soll, nicht aus dem Lehrplan genommen zu werden, nennen wir es doch: Preiset das Kultusministerium.
VRR: Gibt es einen alten Knorkator-Song, bei dem ihr heute selbst denkt: „Meine Güte, was haben wir denn da geraucht?“ Und umgekehrt einen, bei dem ihr bis heute ein bisschen stolz darauf seid, dass überhaupt jemand auf so einen Unsinn gekommen ist?
Alf Ator: „Ich bin der Boss“ trifft auf beides zu.
VRR: Wenn ihr für einen neuen Song nur drei Dinge benutzen dürftet (ein völlig ungeeignetes Instrument, ein Tiergeräusch und einen Gegenstand aus dem Baumarkt), was würdet ihr wählen? Und warum habe ich das Gefühl, dass ihr daraus trotzdem einen besseren Refrain bauen würdet als manche Band mit einem kompletten Orchester?
Alf Ator: Ich hasse Saxophon, deshalb muss ich wohl genau das wählen. Aber ich nehme ein Bass-Saxophon und lasse es ein tiefes Riff spielen. Ein Girlitz macht lustige Quietschgeräusche, wie ein verrosteter Kinderwagen. Damit ersetze ich die Hi-Hat. Und wenn man ein wenig übt, kann man mit einer Bohrmaschine gezielt Melodien erzeugen. Fertig ist der Hit.
VRR: Wenn Knorkator irgendwann wirklich aufhören sollte: Wie müsste das letzte Konzert aussehen? Riesige Abschiedsshow mit Feuer, Chor und Weltuntergang oder einfach nach dem zweiten Song kommentarlos die Bühne verlassen und nie wieder erklären, was eigentlich passiert ist?
Alf Ator: Weder noch. Einfach irgendwann irgendwo ein Konzert machen und eine Woche später erklären, dass es das Letzte war. Okay, das sage ich jetzt. Aber vielleicht gibt es am Ende dafür keine Mehrheit.

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Mein musikalischer Weg hat viele Abzweigungen. Von Mittelalter über diverse Subgenres des Metals, bis hin über die Tiefen des Rocks. Geprägt von den Onkelz, In Extremo und Rammstein führt heute kein Weg mehr an In Flames, Parkway Drive und Machine Head vorbei.








