Kärbholz – STURM ZIEH AUF – VÖ: 18.09.2026

Kärbholz ist eine Band, die sich längst nicht mehr erklären muss. Seit Jahren steht der Name für deutschsprachigen Rock, der direkt aus dem Bauch kommt, ohne sich dabei unnötig in Szene setzen zu müssen. Mit dem neuen Album STURM ZIEH AUF, welches am 18.09.2026 erscheint, bleibt die Band dieser Grundhaltung treu, wirkt dabei aber gleichzeitig gereift und an einigen Stellen erstaunlich vielschichtig.

Schon nach den ersten Songs wird deutlich, dass Kärbholz nicht versucht, das Rad neu zu erfinden. Und genau das ist vielleicht eine der großen Stärken des Albums. Statt sich Trends anzubiedern oder auf Krampf neue Facetten zu präsentieren, konzentriert sich die Band auf das, was sie am besten kann: ehrliche Texte, druckvolle Gitarren, eingängige Melodien und Songs, die live genauso funktionieren dürften wie im heimischen Wohnzimmer. Dabei bewegt sich das Album angenehm zwischen härteren Rocknummern und den etwas ruhigeren Momenten. Die Produktion wirkt kraftvoll, ohne die einzelnen Instrumente unnötig in den Vordergrund zu stellen. Vor allem die Gitarre trägt viele der Songs, während der Gesang gewohnt markant bleibt und den Stücken die nötige Kante verleiht. Gleichzeitig gibt es immer wieder Momente, in denen die Band bewusst etwas Tempo herausnimmt und dadurch für Abwechslung sorgt.

Zwischen Augenblicken und Sonnenfinsternis

Der Song „Mut“ beschreibt, dass schwierige Lebensphasen belastend sein können, aber nicht dauerhaft bestehen bleiben müssen. Er vermittelt die Vorstellung, dass Menschen auch in schweren Zeiten die Fähigkeit haben, weiterzumachen und ihre eigenen Ziele zu verfolgen. Gleichzeitig wird dazu angeregt, gesellschaftliche Strukturen und vorgegebene Meinungen kritisch zu hinterfragen. Der Text betont die Bedeutung, eine eigene Meinung zu entwickeln und diese auch dann zu äußern, wenn sie von der Mehrheit abweicht. Insgesamt verbindet der Song die Themen Durchhaltevermögen, Selbstbestimmung, Mut und die Suche nach dem persönlichen Glück.

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Foto: SALOSSI Sascha Loss

Der Song „Augenblick“ thematisiert die Endlichkeit des Lebens und stellt die Frage, ob der eigene Lebensweg tatsächlich den persönlichen Vorstellungen entspricht. Er beschreibt einen Alltag, der von Arbeit und Pflichten geprägt ist, und stellt diesem die begrenzte Zeit des Lebens gegenüber. Dabei wird betont, dass die Zukunft ungewiss ist und deshalb der gegenwärtige Moment eine besondere Bedeutung erhält. Der Text hinterfragt, warum persönliche Wünsche und Vorhaben häufig auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden, obwohl nicht sicher ist, ob dieser Zeitpunkt überhaupt erreicht wird. Insgesamt fordert der Song dazu auf, eigene Wünsche und Vorhaben nicht dauerhaft aufzuschieben und das Leben bewusster im Hier und Jetzt zu gestalten.

„Sonnenfinsternis“ beschreibt eine Person, die nach einer schmerzhaften Trennung oder dem Verlust eines wichtigen Menschen zurückgelassen wurde und sich dennoch aus dieser schwierigen Situation herausgekämpft hat. Bilder von Wildnis, Dunkelheit, Mond und Sonne verdeutlichen dabei die Gefühle von Einsamkeit, Schmerz und der Suche nach Orientierung. Die frühere Verbindung zwischen den beiden Personen wird durch die Metapher einer Brücke zwischen Tag und Nacht dargestellt, die inzwischen zerbrochen ist und beide auf getrennten Seiten zurücklässt. Gleichzeitig besteht weiterhin eine emotionale Verbindung, obwohl die Nähe zur anderen Person als schmerzhaft und möglicherweise unerreichbar beschrieben wird. Insgesamt thematisiert der Song Verlust, Verarbeitung, gegenseitige Distanz und den Zwiespalt der Hoffnung auf eine erneute Begegnung.

Überraschungsmomente und Bodenständigkeit

Was das Album insgesamt besonders macht, ist weniger das Überraschungsmoment als vielmehr seine Geschlossenheit. Kärbholz liefert hier kein Album ab, das nur von einzelnen Hits lebt. Die Songs funktionieren im Zusammenspiel und vermitteln das Gefühl, dass die Band sehr genau weiß, wo sie musikalisch steht. Auch textlich bleibt die Band nahbar. Es geht um das Leben, um Beziehungen, um Haltung, um Zweifel und um die kleinen und großen Geschichten, die man kennt, wenn man selbst schon ein paar Kilometer auf dem Tacho hat. Dabei gelingt es Kärbholz meistens, persönlich zu werden, ohne ins Kitschige abzurutschen. Die Texte sind verständlich und direkt, wie man es von der Band erwartet und auch kennt.

 

Natürlich wird es Hörer geben, die sich an der fehlenden musikalischen Revolution stören könnten. Wer von Kärbholz jedoch erwartet, plötzlich eine komplett andere Band vorzufinden, dürfte ohnehin mit der falschen Erwartung an das Album herangehen. Die Stärke liegt gerade darin, den eigenen Stil weiterzuführen und ihn mit neuen Songs zu füllen. Unterm Strich ist STURM ZIEH AUF ein rundes und überzeugendes Kärbholz-Album geworden. Die Band bleibt ihren Wurzeln treu, ohne dabei angestaubt zu wirken und schafft es, Bekanntes mit genügend neuen Momenten zu verbinden. Es ist ein Album für diejenigen, die Rock nicht als Hochglanzprodukt brauchen, sondern Musik wollen, die ehrlich, direkt und mit einer gewissen Bodenständigkeit daherkommt.

Kärbholz zeigt einmal mehr, warum sie sich über die Jahre eine feste Position in der deutschsprachigen Rock- und Metalszene erspielt hat. Kein unnötiges Spektakel, kein großes Versprechen, sondern dreizehn Songs, die genau das liefern, was man von Kärbholz hören möchte: Rock mit Haltung, Gefühl und ordentlich Druck. Fazit: STURM ZIEH AUF ist kein musikalischer Neustart und muss es auch nicht sein. Es ist ein solides, authentisches und vor allem stimmiges Album einer Band, die ihren eigenen Weg kennt und ihn konsequent weitergeht.

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