20 Jahre G.O.N.D. – Vier Tage Vollgas
Wenn die Leber Urlaub beantragt, dann heißt es Tasche packen, frische Schlüppis ordern, ein bisschen was zu Futtern und Alkohol an den Start bringen, zum Schluss noch ein wenig komische Musik aufdrehen und dann kann die Reise zum Flugplatz Obermehler auch schon losgehen. 20-jähriges Jubiläum auf der G.O.N.D. war angesagt. Vom 14. bis zum 19.07.2026 hieß es, vier Tage völlig den Alkoholpegel überstrapazieren und feiern, als wäre es der letzte Tag im Jahr. Wer schon einmal auf der G.O.N.D. war, weiß genau, was einen erwartet. Schlaf wird völlig überbewertet und spätestens ab Donnerstagmorgen schmeckt das erste Bier irgendwie wie Wasser. Willkommen zu Hause und viel Spaß beim Lesen.
KLEINE INFO VORAB! Es folgt in den kommenden Tagen eine gigantische Bildergalerie. – Also dran bleiben!
Mittwoch – Tag der Anreise, Einstimmen und Vorglühen
Es war 7 Uhr morgens und eine Schlange wie beim Winterschlussverkauf. Dabei öffneten die Tore des Flugplatzes offiziell erst um 12 Uhr. Viele Feierwütige waren allerdings schon Tage vorher angereist, um sich den besten Platz auf dem Campinggelände zu sichern. Eine Stunde früher ging es dann endlich los. Pavillons aufbauen, Bier aufmachen, Musik aufdrehen und erstmal schauen, welche Bekloppten dieses Jahr wieder die Nachbarn sind. Die erste Dose war schneller leer als das erste Auto ausgeladen. Und ehe der Pavillon überhaupt richtig stand, wurde schon angestoßen. Kaum lief man einmal über den Campingplatz, wurde man hier auf einen Kurzen eingeladen, dort auf ein Bier und zwei Zelte weiter gab es schon wieder irgendeinen Grillmeister, der der Meinung war, morgens um elf müsste man unbedingt eine Bratwurst essen. Diskussion zwecklos, geschmeckt hat es trotzdem.

Um 20:15 Uhr öffnete schließlich das Infield. Jetzt wurde es ernst, liebe G.O.N.D Freunde. Unbelehrt durfte den Startschuss zum Jubiläumswochenende liefern und hat das souverän gemeistert. Die ersten Bierbecher flogen und es wurde schon kräftig mitgesungen. Danach folgte The Rock Show, die als Secret Headliner am Mittwochabend gut ablieferte. Den Abschluss machten VIVA und Marcel Hä, bei denen der Platz voll und es ein gebührender Abschluss war für all das, was noch kommt. Auf dem Campingplatz war natürlich noch lange nicht an Schlaf zu denken. Irgendwo lief noch Musik, es wurde weiter gegrölt und irgendwo diskutierten garantiert wieder einige darüber, dass früher sowieso alles besser gewesen sei. Spoiler: war es nicht.
Donnerstag – jetzt wurde das Jubiläum erst richtig laut
Der erste komplette Festivaltag begann ungefähr so, wie der Mittwoch aufgehört hatte. Einige krochen geschniegelt mit einem Kaffee aus dem Zelt, andere sahen aus, als hätten sie nachts versucht, einen Boxkampf gegen ihren eigenen Pavillon zu gewinnen. Während die einen verzweifelt nach einer Kopfschmerztablette suchten, machten die anderen einfach erst einmal ein Konterbier auf. Und mittendrin im Geschehen, um auch die restlichen aus ihren Zelten zu schmeißen, war das heißbegehrte G.O.N.D Commando.
Ab 10 Uhr ging es dann musikalisch direkt wieder los. Auf der Campstage eröffnete Grizzly Mafia den Tag und brachte die ersten Zuschauer trotz kurzer Nacht mit Oi! Punk in Bewegung. Der Platz hatte noch Lücken, aber das sollte sich im Laufe des Tages ändern. Danach folgte Resistent, bevor es zur ersten ungeplanten Änderung des Tages kam. Eigentlich hätte D!rekt auf der Bühne stehen sollen. Kurzfristig musste die Band allerdings absagen und kurzerhand sprang Sween ein. Genau das ist der Grund, warum solche spontanen Aktionen ein Festival manchmal noch interessanter machen.

Masse an Musikern und trotzdem Klasse auf der G.O.N.D. 2026
Im weiteren Verlauf ging es Schlag auf Schlag. Hörsturz Moers, mit viel Deutschrock aus dem Niederrhein, Biersturm mit deftigem Punkrock aus Dresden, Egoisten, die die Bühne gerockt haben. Ebenso am Start waren Morgenrot, Chaos Messerschmitt und Leidbild mit einer großen Portion Deutschrock aus Frankfurt. Heilige Dämonen war an diesem Tag die erste Onkelz Cover Band, sie und auch Pro-Pain sorgten dafür, dass auf keiner Bühne lange Ruhe einkehrte. Wer hier vielleicht mal eine kurze Pause machen wollte, hatte sich definitiv das falsche Wochenende ausgesucht. Am Nachmittag wurde es dann für uns ebenfalls ernst. Eizbrand stand auf dem Programm und während die Band die Bühne auf links gedreht hatte, war hinter den Kulissen ebenfalls Vollgas angesagt. Gemeinsam mit dem Team von Vollgas Richtung Rock übernahmen wir die komplette Konzert-Videoabnahme der Band. Feuer, Konfetti und jede Menge Spaß aus allen Richtungen.
Auch die Umbaupausen am Donnerstag waren gut durchdacht. DJ Alex sorgte dafür, dass selbst während des Bühnenumbaus niemand auf die Idee kam, einfach das Infield zu verlassen. Am Abend folgten Donnerbalken und schließlich Unantastbar. Bierduschen, lautes Gegröle, tausende erhobene Hände und Bengalos so weit das Auge reichte. Den Schlusspunkt des Donnerstags setzte Niveau ist keine Hautcreme. Wer danach immer noch stehen konnte, hatte entweder verdammt gute Gene oder schlicht zu wenig getrunken. Ganz nebenbei lieferte Timo zum späteren Zeitpunkt am Erdbeerbowle-Stand ebenfalls eine Performance ab, über die wahrscheinlich noch länger gesprochen wird als über so manches Konzert.

Freitag – Pegel halten, Schlauchboot taufen und einfach machen
Wer dachte, dass nach dem Donnerstag langsam die Luft raus wäre, der hatte die Rechnung ohne die G.O.N.D. gemacht. Freitag ist traditionell der Tag, an dem die Vernunft endgültig den Campingplatz verlässt. Die Augenringe wurden größer, die Biervorräte kleiner und spätestens jetzt wusste keiner mehr so genau, ob heute Freitag oder doch schon Sonntag war. Spielte aber auch keine Rolle. Während sich die einen mit einem Kaffee quälten, gab es bei anderen morgens um neun schon das erste Kaltgetränk. Festivalregeln eben.
Musikalisch wurden ebenfalls keine Gefangenen gemacht. Bereits am Vormittag ging es mit 68fl:oz los. Ein kleines Highlight wartete nun auf der Campstage. Lange wurde spekuliert, wer wohl die geheime Band sein würde. Als schließlich Haymaker angekündigt wurde, war die Überraschung gelungen und die Campstage innerhalb kürzester Zeit gut gefüllt. Danach folgten Storer, Lucky Punch, Hartholz, Schedelweiss. „Wir feiern die Nacht, für euch ist kein Weg zu lang“, danke an Schlussakkord, dass dieser Weg für euch ebenfalls nicht zu lang ist. „Ich heb mein Glas auf die Kollegen“, das können nur die Kneipenterroristen sein, die uns danach mit ihrem Gesang beschallten. Gefolgt von Megabosch, Engel in Zivil und Grenzenlos aus dem wunderschönen Allgäu. Die Jungs hatten 2026 nun ihren zweiten erfolgreichen Auftritt auf der G.O.N.D. Egal wo man gerade unterwegs war, irgendwo war immer Party. Für die Umbaupausen übernahm diesmal Oi Friese das Kommando und sorgte dafür, dass niemand auf dumme Gedanken kam. Wobei, auf der G.O.N.D. kommen die meisten dummen Gedanken sowieso ganz von alleine.

Sommer raus, es sind Titten!
Richtig wild wurde es anschließend bei Rotz & Wasser. Nicht nur musikalisch ging ordentlich die Post ab. Plötzlich standen mehrere Frauen aus dem Publikum oben ohne mit auf der Bühne und stahlen den Musikern fast die Show. Als wäre das nicht schon kurios genug gewesen, durfte eine Security-Mitarbeiterin auch noch ihre persönliche Feuertaufe erleben, und zwar im Schlauchboot. Manchmal schreibt ein Festival eben die besten Geschichten ganz alleine. Am Abend wurde das Tempo noch einmal angezogen. VARG lieferte gewohnt kompromisslos ab und brachte den Platz ordentlich ins Schwitzen. Direkt danach übernahmen die KrawallBrüder mit einem lauten Knall und verwandelten das Infield in einen einzigen riesigen Chor. „Krawall Krawall KrawallBrüder“, immer und immer wieder ertönten diese Worte. Mit Pyro vom Feinsten war es ein würdevoller Auftritt am Abend.
Im Anschluss folgte F.U.C.K. mit Coversongs von Rammstein, Manowar oder Iron Maiden. Ein Muss, diese Band jedes Jahr dort auftreten zu lassen. Zum Schluss gaben sich die Siegerländer Bunkerpiloten die Ehre. Onkelz Cover wie wir sie erwarten, der Platz war voller als voll und das um diese utopische Uhrzeit. Danach war offiziell Feierabend, zumindest auf den Bühnen. Auf dem Campingplatz wurde selbstverständlich noch bis tief in die Nacht weiter gefeiert. Wer da schon schlafen ging, hatte entweder keinen Akku mehr oder am nächsten Morgen die Heimreise.

Samstag – ein letztes Mal alles geben
Und plötzlich war er da, der letzte Festivaltag. Eigentlich wollte man sich vornehmen, es heute etwas ruhiger angehen zu lassen. Eigentlich. Denn spätestens nach dem zweiten Bier war dieser Plan allerdings genauso vergessen wie der Gedanke, früh ins Bett zu gehen. Los ging es mit 12 Quadratmeter, Totalausfall und Poligam, bevor uns das G.O.N.D. Commando einen Gänsehaut-Schauer bescherte. Danach mischten Tonrausch, Thekenproleten, 28, Durstige Nachbarn und Wiens No. 1 den Tag weiter auf. Zwischen den Umbaupausen übernahm Nico Yaa die Campstage und sorgte dafür, dass die Party nicht eine Sekunde abriss.
Fannähe wird bei vielen Bands noch groß geschrieben
Ein echtes Highlight lieferte Rockwasser. Schon vor ihrem eigentlichen Auftritt waren die Jungs mit einer kleinen Akustik-Session über den Campingplatz unterwegs gewesen und machten dabei ganz nebenbei Werbung für ihr neues Album. Mal eben zwischen den Zelten stehen bleiben, ein paar Songs spielen und den ein oder anderen Schnaps wegkippen. Die Böhse Bengelz sorgten für beste Stimmung und danach übernahm Berserker den Staffelstab. Bei WILLKUER lief nicht alles ganz rund. Zwischendurch gab es kleinere Tonausfälle im Gesang. Wirklich gestört hat das allerdings niemanden. Technische Probleme wurden einfach gemeinsam wegfeiert. Es wurde heiß vor der Bühne, denn bei der Pyro hatte man zwischendurch Bedenken, ob die Bühne das überlebt. Gefeiert wurde WILLKUER, als wären sie die Newcomer des Abends gewesen.

Kurz darauf folgte Goitzsche Front. Frontmann Maxi musste krankheitsbedingt passen, weshalb die Band mit Ersatz auf der Bühne stand. Natürlich merkte man, dass jemand fehlte, trotzdem zeigte die gesamte Truppe, dass Zusammenhalt eben nicht nur ein Wort ist. Das Publikum honorierte den Einsatz und machte ordentlich Stimmung. Zum großen Finale standen schließlich Toxpack und die Böhsen Neffen auf der Bühne. Noch einmal wurde alles herausgehauen, was nach vier Tagen Festival überhaupt noch möglich war. Vor der Bühne wurde gesungen, gepogt, gelacht und wahrscheinlich auch der ein oder andere Abschiedstrunk zu viel getrunken.
Danke für 20 Jahre Wahnsinn
Vier Tage Musik, vier Tage Freunde treffen, vier Tage neue Bekanntschaften schließen, vier Tage Schlafmangel und vermutlich vier Tage mehr Alkohol als der Hausarzt jemals empfehlen würde. Seit zwanzig Jahren kommen Menschen aus ganz Deutschland auf die G.O.N.D, nicht wegen dem Luxus, nicht wegen dem Fünf-Sterne-Komfort und schon gar nicht wegen dem ausreichenden Schlaf. Sondern wegen der gemeinsamen Zeit, wegen der Musik, wegen der Menschen. Auch zum 20-jährigen Jubiläum hat die G.O.N.D. wieder gezeigt, was in ihr steckt. Sie ist für eine Woche ein kleines Zuhause. Wir von Vollgas Richtung Rock bedanken uns bei allen, die uns so herzlich in Empfang genommen haben. Danke auch an Pascal Huber und sein freundliches Team von SDH Security, die immer für die Sicherheit aller gesorgt haben. Dasselbe gilt für die Backstage Verpflegung und das besonders leckere Kirschbier. Auch geht großer Dank raus, an jede helfende Hand, sei es beim Shit and Shower, den Arbeiten vor oder hinter der Bühne. Danke an alle, die dieses Wochenende zu etwas besonderem gemacht haben. Der Startschuss für die G.O.N.D 2027 ist gefallen, Tickets erhaltet ihr unter folgendem Link: https://gond.de
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Redaktionell verantwortlich für diesen Artikel:
Crew | Redaktion
Schon als kleiner Stöpsel bin ich mit deutscher Rockmusik groß geworden. Die Böhsen Onkelz waren selbst in der fünften Klasse schon Pflichtprogramm. Eine kurze Abschweifung in ein anderes Genre hat mich trotzdem wieder sehr schnell auf die richtige Bahn gebracht.
Kurze Zeit später fanden auch Musikrichtungen wie Punkrock, Metal oder Alternativrock ihren Weg zu mir. Ich bin offen für Neues aber meiner Linie werde ich auf ewig treu bleiben.







