Video Check – Oktober 2026

Zeit und Kritik für neue bewegte Bilder und selbstverständlich auch für die musikalische Untermalung derer. Denn die ein oder andere Band nimmt den Mund ganz schön voll. Willkommen zum Vollgas Video Check. Heute mit einem kompletten Subkulturen Mix des Rock. Und mit dabei ist: SICK OF SOCIETY mit sauberem Punkrock, dreckigen Deutschrock liefert KrawallBrüder, Straight Edge-Hardcore kommt von IGNITE, Alternativ-Rock haut uns tAKiDA um die Ohren, ein frisches und erheiterndes Crossover-Cover hat KONTRUST veröffentlicht und thraschiger Speed Metal kommt aus Las Vegas von Metallica.

KrawallBrüder – Wie ich bin/Baby Baby

Wer das Album 1993 besitzt, bekommt vor „Wie ich bin/Baby Baby“ erst einmal eine, nennen wir es, Erklärung zum darauffolgenden Song. Einen sogenannten Haftungsausschluss. Als ob wir das glauben würden, lieber Herr Pascal Gaspard. Als ob dein Songwriting damals schon so ausgereift gewesen wäre, dass man vorsorglich vor den eigenen Zeilen warnen müsste. Sei es drum. Die KrawallBrüder servieren uns im Video erfrischende Einblicke in allerlei Band Situationen. Mal verpixelt, mal etwas anrüchig, aber immer mit dem gewissen Augenzwinkern. Hier wird nicht versucht, den Song in Watte zu packen. Stattdessen gibt es Bilder, die den frechen Charakter der Nummer aufgreifen und den Brüdern ihren Spaß an der eigenen Provokation deutlich ansehen lassen. Wer genau hinhört, merkt schnell, dass hier nicht gerade Lyrik für den nächsten Literaturpreis serviert wird. Ob man das nun als derben Humor oder als anzügliche Ode an die Damenwelt versteht, bleibt jedem selbst überlassen. Langweilig geht jedenfalls anders.

 

Metallica – …And Justice for All (Live at Sphere)

Über neun Minuten Metallica und durchgängig Gänsehaut. Über den Song selbst brauchen wir keine großen Worte zu verlieren. Wer bei diesem Klassiker noch Erklärungen braucht, hat vermutlich die vergangenen Jahrzehnte unter einem Stein verbracht. Das Video hingegen hat es richtig in sich. Die offizielle Aufnahme aus dem Sphere in Las Vegas zeigt eindrucksvoll, was passiert, wenn man Metallica auf eine der spektakulärsten Bühnen der Welt loslässt. Überdimensionale Bilder umhüllen die Band und verwandeln den Auftritt in ein audiovisuelles Brett, bei dem einem schon mal die Kinnlade Richtung Fußboden klappt. Besonders die Inszenierung von Lady Justice flasht. Bildqualität, Sound und die gewaltige Kulisse lassen einen beinahe vergessen, dass man nicht selbst mitten in Las Vegas steht. Das ist nicht nur ein abgefilmter Live-Auftritt, sondern ein Erlebnis, das selbst vor dem Bildschirm ordentlich Eindruck hinterlässt. Am besten selbst anschauen. Und wer danach behauptet, Metallica hätte es nicht mehr drauf, sollte vielleicht mal die eigenen Ohren überprüfen lassen.

 

KONTRUST – Jump Around (Hous of Pain Cover)

KONTRUST ist zurück und feiert sich erst einmal selbst dafür, wie geil sie den House of Pain Klassiker hinbekommen hat. Und was sollen wir sagen? Ganz unrecht hat sie damit nicht. In Vans, High Heels, Cowboy-Stiefeln und Tracht wird auf der Alm, vermutlich irgendwo in den österreichischen Bergen, ordentlich Party gemacht. Hier trifft Alpenfolklore auf ordentlich Druck und einen Klassiker, bei dem ohnehin kaum jemand stillstehen kann. KONTRUST presst „Jump Around“ einmal durch die eigene musikalische Wurstmaschine und scheint dabei mindestens genauso viel Spaß zu haben wie wir beim Zuschauen. Eine tiefgründige Handlung? Fehlanzeige. Gesellschaftskritik? Geschenkt. Dafür gibt es Gitarren, gute Laune und eine Band, die ganz offensichtlich weiß, wie man sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Manchmal braucht es eben keine hochtrabende Botschaft und kein Video, das uns die Welt erklärt. Manchmal reicht es völlig, wenn die Party läuft und der Funke überspringt. Geil gemacht.

Morgenrot – Keine guten Zeiten

Morgenrot kündigt Großes an. Die erste Single mit brandneuem Video erscheint und verspricht einen zu langen Weg Richtung neues Album. Wir konnten nicht nur vorab bereits in den neuen Film hineinschauen, nein, wir waren signifikant an der Produktion des Streifens beteiligt. Dabei ging es vor allem um die Visualisierung moderner Performance Szenen in einer Scheune, im tiefsten Osten, die gepaart wurden mit klassischen Aufnahmen aus der früheren Jugend. Man hatte wenig aber eigentlich doch recht viel. Und vor allem sagt der Song aus, wieso früher alles besser war. Neben rasanten Performance Szenen switcht die Perspektive in alte VHS-Optiken und zeigt auf, dass früher nicht alles besser war. Im Kern geht es um Entwicklung und darum seinen Weg zu gehen, die Vergangenheit spielt dabei eine große Rolle, aber man sollte sich nicht zu sehr an sie klammern.

tAKiDA – Tale Of Four Broken Men

Mit heftig viel Wut schlägt tAKiDA ein neues Kapitel auf. „Tale Of Four Broken Men“ haut deutlich ernstere Töne an und zeigt, wie schnell aus Enttäuschung blanker Hass werden kann. Musikalisch liefern die Schweden genau die Mischung aus bekannten Melodien, mächtig Gefühl und dieser melancholischen Grundstimmung ab, dass man hier aufpassen muss, nicht zu sehr an Emo zu denken. Geliefert wird kein stumpfes Drauf-los-Geprügel, sondern Rock, der hängen bleibt und dabei durchaus seine dunklen Ecken hat. Optisch steht hier ein Musikvideo, dass durch seinen schwarz-weiß Psychothriller Stil beängstigt und zugleich mitreißt. tAKiDA auf dem Höhepunkt? Oh ja.

 

IGNITE – Still Wide Awake & Guilty Wounds

Nachdem unsere Favoriten Madball, Walls of Jericho, Hatebreed und Terror abgeliefert haben und in Kürze abliefern, freuen wir uns umso mehr, auch IGNITE wieder begrüßen zu dürfen. Und die Kalifornier kommen nicht mit leeren Händen. Gleich zwei neue Songs gibt es im Doppelpack serviert. Abgefilmt im Punk Rock Museum in Las Vegas, fühlen wir uns direkt zurück ins Jahr 1995 versetzt. Wir kramen die alten Platten heraus, zeichnen uns fette Xe auf beide Handrücken und fragen uns, wann zur Hölle die Zeit eigentlich so schnell vergangen ist. Zwischen Punkrock Geschichte und jeder Menge Szene plus Flair liefert IGNITE passende Musik und Video für eine kleine Zeitreise, ohne dabei wie eine Altherrenveranstaltung zu wirken. „Still Wide Awake“ und „Guilty Wounds“ zeigen, dass melodischer Hardcore immer noch funktioniert. Dabei darf es auch gerne etwas ruppiger werden. Das Ganze wirkt angenehm bodenständig und passt hervorragend in die Kulisse des Museums. Kein überproduzierter Videoclip, keine völlig abgehobene Inszenierung. Eben Hardcore.

 

SICK OF SOCIETY – Deutschrock muss sterben

Zum Redaktionsschluss war das Video leider noch nicht veröffentlicht. Wir müssen uns deshalb vorerst mit den Szenen aus den sozialen Netzwerken begnügen. Die zeigen aber deutlich was geht. Band, Bühne, Club. Mehr braucht es auch nicht. Wichtiger ist der Track, auf den wir uns schon seit einiger Zeit gefreut haben. Allein die Headline tönt plakativ, dürfte aber bei manchen für Schnappatmung sorgen: „Deutschrock muss sterben“. Das sitzt. Aber nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Während die einen schon die Mistgabeln zurechtlegen, sollten andere vielleicht erst einmal zuhören, bevor sie Empörung mit einer fundierten Meinung verwechseln. Das gilt im Übrigen auch für die User, die sich bereits, nur aufgrund des Liedtitels, in den sozialen Netzwerken beweihräuchern, dass sie das schon seit langem fordern. Der Titel basiert musikalisch und sinngemäß auf dem SLIME-Klassiker „Deutschland muss sterben“. Doch SICK OF SOCIETY will keineswegs sämtliche Rockmusik mit deutschen Texten beerdigen. Im Interview mit „Der Burg“ bei RandaleFUNK wird folgendes klar: Die Kritik richtet sich gegen bestimmte Welt- und Rollenbilder innerhalb der Deutschrock Szene, die, aus welchen Gründen auch immer, irgendwann einmal entstanden sind. Doch jetzt kommt hier unsere größte Kritik am Track. Im Song wird die Aussage aus dem Interview nicht bestätigt. Schön, dass man der Meinung ist, doch in den Lyriks findet man derweil nichts davon. Und so kann, wie auch bei den typischen Deutschrockbands, viel Zusatzstoff in die Texte hineininterpretiert werden. Nicht jede Band und nicht jeder Fan gehört über einen Kamm geschoren. SICK OF SOCIETY liefert jedenfalls reichlich Stoff für Diskussionen und genau das darf Punkrock gerne tun. Und Deutschrock bitte schön auch.

Redaktionell verantwortlich für diesen Artikel:

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Crew | Redakteur

Mit Baujahr 1976 nicht mehr so ganz jung, bin ich im Herzen der Republik, in Anhalt aufgewachsen.

Mit 19 Jahren zog es mich nach Baden-Württemberg. Aufgewachsen mit Heavy Metal à la Metallica, Slayer und Kreator etc., pubertierte ich mit dem Punk, bis ich dann mit dem New York Hardcore erwachsen wurde. Es gilt: Ob Metal oder Punk, in deutsch oder englisch, Hauptsache mir gefällt´s.

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