XXL Interview mit Jasmin Pabst (Teil 1) – zwischen Bühne, Kamera und Selbstvertrauen

Jasmin Pabst hat bei All For Metal ihre Spuren hinterlassen und steht inzwischen als Zwergin bei Angus McSix auf der Bühne. Doch wer glaubt, dass sich ihr Leben ausschließlich zwischen Power Metal, Gitarren und Tourbus abspielt, liegt ziemlich daneben. Neben der Musik ist sie als Fotografin und Content Creatorin aktiv und hat sich ihren Platz in einer Branche erarbeitet, in der Selbstvertrauen, Kreativität und Durchhaltevermögen gefragt sind. Wir haben mit ihr über musikalische Neuanfänge, besondere Bühnenmomente, den Umgang mit Selbstzweifeln und natürlich ihre Liebe zu Gitarren gesprochen.

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VRR: Kannst du uns nochmal abholen, warum du bei All for Metal ausgestiegen bist und wie es dann dazu kam jetzt bei Angus McSix jetzt den Zwerg zu performen?

Jasmin: Oft merkt man erst mit der Zeit, ob ein Umfeld wirklich zu einem passt. Für mich gehören Wertschätzung, offene Kommunikation, Ehrlichkeit und gegenseitiger Respekt zu den wichtigsten Grundlagen einer guten Zusammenarbeit. Im Laufe der Zeit habe ich festgestellt, dass meine Vorstellungen davon nicht mehr vollständig mit der Situation innerhalb der Band mit einzelnen Personen übereinstimmten. Das muss nicht bedeuten, dass eine Seite recht und die andere unrecht hat. Manchmal entwickeln sich Menschen, Erwartungen und Vorstellungen einfach in unterschiedliche Richtungen. Für mich war deshalb irgendwann der Punkt erreicht, an dem ich gemerkt habe, dass es Zeit für einen neuen Weg ist. Rückblickend bin ich für diese Erfahrung dankbar, weil sie mir noch deutlicher gezeigt hat, was mir persönlich in einem musikalischen und beruflichen Umfeld wichtig ist. Gleichzeitig wünsche ich All For Metal und allen Beteiligten weiterhin viel Erfolg. Ich habe während dieser Zeit viele tolle Menschen kennengelernt.

Als mein Ausstieg feststand, kamen Seeb Levermann und Isis Kolumbuchi auf mich zu. Da Thalia Bellazecca quasi zu Primal Fear gewechselt war, wurde die Gitarrenposition für die kommende Angus McSix-Tour frei. Durch unsere gemeinsame Tour mit All For Metal kannte ich die Angus McSix-Crew bereits und hatte mich mit den Leuten von Anfang an sehr wohlgefühlt. Außerdem hatte ich „Laser-Shooting Dinosaur“ schon bei der Veröffentlichung gefeiert und mich über den Song kaputtgelacht. Umso mehr habe ich mich über die Einladung gefreut, Teil dieser verrückten und sympathischen Truppe zu werden und jetzt als Zwergin die Bühne unsicher machen zu dürfen.

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VRR: Was ist der größte mentale Unterschied zwischen diesen beiden Bands und deren musikalischen Welten – nicht musikalisch, sondern emotional?

Jasmin: Ich bin immer ein Fan von solchen etwas tieferen Fragen. Ich glaube allerdings, dass der größte emotionale Unterschied für mich weniger zwischen den beiden Bands liegt, sondern zwischen der Jassy von damals und der Jassy von heute. Durch meine Zeit bei All For Metal habe ich unglaublich viele Erfahrungen gesammelt, auf der Bühne, auf Tour, businesstechnisch und natürlich auch zwischenmenschlich. Dabei habe ich viel darüber gelernt, was ich persönlich brauche, um mich in einem kreativen und professionellen Umfeld wohlzufühlen. Gleichzeitig habe ich auch gelernt, meine eigenen Bedürfnisse und Grenzen besser wahrzunehmen und zu kommunizieren. Das konnte ich mit in mein nächstes Kapitel nehmen. Bei Angus McSix kam zusätzlich dazu, dass ich viele Menschen im Umfeld bereits kannte. Dadurch war von Anfang an eine gewisse Vertrautheit vorhanden und ich konnte relativ entspannt in diese neue Situation hineingehen. Heute gehe ich generell bewusster mit der Dynamik innerhalb einer Band um. Gerade auf Tour verbringt man unglaublich viel Zeit miteinander und jeder Mensch bringt seine eigene Persönlichkeit, seine Bedürfnisse und manchmal natürlich auch einen schlechten Tag mit. Für mich gehört deshalb dazu, miteinander zu reden, sich gegenseitig zuzuhören, sich zu reflektieren und gemeinsam Lösungen zu finden. Da muss man ehrlich sein und offen für Perspektiven bleiben. Vielleicht ist also der größte mentale Unterschied, dass ich mich selbst heute besser kenne. Ich weiß besser, was ich brauche, was ich geben kann und wo meine Grenzen liegen. All For Metal war ein wichtiger Teil meines Weges und Angus McSix ist das Kapitel, in dem ich mich jetzt befinde. Ich möchte die beiden deshalb gar nicht gegeneinander ausspielen. Ich nehme die Erfahrungen aus der Vergangenheit mit, versuche daraus zu lernen und freue mich gerade einfach sehr auf das, was vor uns liegt.

Bereit fürs Fotofinish?

VRR: Du stehst auf der Bühne und kennst gleichzeitig die Perspektive im Fotograben. Wenn du dich selbst fotografieren müsstest, in welchem Moment eines Angus McSix Songs würdest du abdrücken und warum genau da?

Jasmin: Tatsächlich würde ich wahrscheinlich gar nicht in einem technisch perfekten Moment abdrücken, sondern in einem Emotionalen. Ich habe gelernt, dass die besten Bilder selten die sind, die perfekt geplant sind. Die stärksten Bilder entstehen meistens dann, wenn man für einen kurzen Moment vergisst, dass eine Kamera da ist. Wenn ich mich selbst bei Angus McSix fotografieren müsste, würde ich wahrscheinlich einen Moment wählen, in dem die Energie zwischen Bühne und Publikum besonders spürbar ist. Vielleicht während eines großen Refrains, wenn alle mitsingen oder genau in dem Augenblick, bevor ein Song seinen Höhepunkt erreicht. Als Fotografin suche ich immer nach Emotionen. Nach diesem einen Bruchteil einer Sekunde, in dem etwas echt wirkt. Und als Musikerin ist es genau dasselbe Gefühl. Du merkst plötzlich, dass etwas Magisches passiert. Das klingt vielleicht sehr spirituell, aber ich kann es kaum anders beschreiben. Man spürt einfach, dass dieser Moment kommt. Und genau dann würde ich auf den Auslöser drücken.

VRR: Welches Team bist du: Team Nikon, Canon oder Sony?

Jasmin: Team Sony. Für meine Arbeit ist die Kombination aus Foto, Video und Livestreaming extrem wichtig und genau da hat Sony für mich persönlich die Nase vorn. Da ich nicht nur Musikerin bin, sondern auch viel Content produziere, brauche ich eine Kamera, die möglichst viele Bereiche gleichzeitig zuverlässig abdeckt.

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Von einer schüchternen Person zur Rampensau

VRR: Du hast dich mal als eher schüchterne Person beschrieben, mit okay´en Englisch-Kenntnissen. Jetzt stehst du auf den Bühnen dieser Welt, headbangst, hast immer ein Lächeln auf den Lippen und streamst überwiegend in Englisch. Was sind deine Tipps für ein selbstbewussteres Leben?

Jasmin: Danke für das Kompliment. (lächelt) Ich denke, so klischeehaft das klingt, man wächst mit seinen Aufgaben. Auch ich habe noch mit Ängsten und Zweifeln zu kämpfen. Du willst nicht wissen, was in meinem Kopf vorgeht. Wenn die Steuererklärung kommt, denke ich zum Beispiel jedes Mal, die Welt geht unter. (lacht) Ich glaube aber, dass man mit der Zeit lernt, solche Unsicherheiten besser auszubalancieren, je mehr Erfahrungen man sammelt. Ich erinnere mich noch sehr gut an das Metalfest in Pilsen. Das war einer meiner ersten wirklich großen Auftritte vor sehr vielen Menschen. Meine Knie haben gezittert, ich hatte wahnsinnig viel Angst und überhaupt keine Ahnung, wie die Leute auf uns reagieren würden. Dass ich heute anders damit umgehen kann, habe ich auch meinem Freund, meinen engsten Freunden und meinen Fans zu verdanken, die manchmal mehr an mich glauben als ich selbst. Vor allem macht mir das Gitarrespielen einfach unglaublich viel Spaß. Und ich finde, in dem Moment sollte man versuchen, all die negativen Dinge zu vergessen, die man vielleicht über sich selbst denkt. Sobald man dann den ersten lächelnden Menschen im Publikum sieht, gibt einem das plötzlich die richtige Energie.

Auch mein YouTube-Kanal hat mir dabei unglaublich viel gegeben. Ich habe dort über viele Jahre Content hochgeladen und bin mit den Rückmeldungen gewachsen. Ich schätze ehrliches Feedback sehr, weil man dadurch unglaublich viel lernen kann. Natürlich gibt es gleichzeitig auch missgünstige oder verletzende Kommentare. Lange Zeit konnte ich nicht gut unterscheiden, aus welcher Motivation heraus Kritik eigentlich geschrieben wurde, ob jemand mir wirklich etwas Konstruktives sagen wollte oder mich einfach nur verletzen wollte. Ich glaube, dabei spielen auch Erfahrungen aus der Kindheit und Jugend eine große Rolle, weil sie stark beeinflussen können, welches Bild man von sich selbst entwickelt. In meiner Schulzeit ist nicht besonders viel Gutes passiert, und ich musste später einiges davon aufarbeiten. Vor allem musste ich lernen, nicht automatisch davon auszugehen, dass immer ich das Problem bin, wenn etwas schiefläuft. Heute versuche ich deshalb, Situationen möglichst ehrlich zu reflektieren. Wo habe ich vielleicht einen Fehler gemacht und kann etwas daraus lernen und wo darf ich gleichzeitig erkennen, dass nicht alles meine Schuld oder meine Verantwortung ist? Ich glaube, genau dieser reflektierte Umgang mit sich selbst gibt einem am Ende das größte Selbstbewusstsein.

VRR: Du kennst das Chaos vor Showbeginn: Was war die absurdeste Situation fünf Minuten vor Stage Time, bei der du dachtest: „Das kann jetzt nicht euer Ernst sein“?

Jasmin: Meinen persönlichen WTF-Moment hatte ich, als beim Soundcheck noch alles einwandfrei funktioniert hat und plötzlich geht die Funke nicht mehr. Nichts wurde verändert, niemand hat irgendetwas angefasst, aber die Technik entschied einfach: „Nö. Heute nicht.“

Ich erinnere mich noch an einen Auftritt 2023, als wir Support für Enemy Inside in München gespielt haben. Nach dem ersten Song bin ich ins Backstage gestürmt, um ein Ersatzkabel zu holen, damit ich eben ohne Funke weiterspielen kann. Und natürlich hatte ausgerechnet bei diesem Konzert irgendjemand das Kabel weggeräumt, das ich normalerweise immer für genau solche Fälle bereitlege. Manchmal kommt einfach alles auf einmal. Und dann gibt es natürlich auch noch Leute, die direkt denken: „Jaja, Frauen und Technik.“ Alles schon gehabt.

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Social Media und seine Tücken

VRR: Du bist auch Social Media Managerin, hast du Tipps für einen erfolgreichen Social Media Account?

Jasmin: Hier bin ich der Gatekeeper. Ihr könnt gerne ein Coaching buchen. Das ist auch viel zu komplex, als dass ich das irgendwie hier in ein paar Zeilen aufarbeiten könnte. Aber der Kern ist, sei du selbst in einer Welt voller Fakes.

VRR: Social Media verlangt Dauerpräsenz. Wie schützt du deine echte Persönlichkeit davor, zur Content-Version deiner selbst zu werden?

Jasmin: Ich bleibe ich selbst.

VRR: Wie viele Gitarren besitzt du und hast du schon dein Traum-Modell?

Jasmin: Das letzte Mal, als ich gezählt habe, waren es 16 Stück. Jetzt müssten es um die 20 sein. Danke Ibanez Family. Mein Traummodell ist meine Ibanez AZ Tequila Sunrise Gradation. Die habe ich jüngst auch mit EMGs ausgestattet. Mein Upgrade-Traum wäre genau diese Gitarre dann noch mit Ebenholzgriffbrett, geilen Feuer und Symbol Inlays, Killswitch und EVH Detuner und Locking Tuners in S Form. Mit reverse Headstock. Die sind cool.

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Ob vor der Kamera, auf der Bühne oder hinter den Kulissen, Jasmin hat viele Seiten und weiß inzwischen ziemlich genau, was sie antreibt. Dabei geht es nicht nur um große Auftritte und den nächsten musikalischen Schritt, sondern auch darum, sich selbst treu zu bleiben. Wie vielseitig ihr Alltag tatsächlich aussieht und welche Gedanken sie sich über das Leben auf und abseits der Bühne macht, erfahrt ihr im zweiten Teil unseres Interviews.

Redaktionell verantwortlich für diesen Artikel:

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Crew | Fotograf

Mein musikalischer Weg hat viele Abzweigungen. Von Mittelalter über diverse Subgenres des Metals, bis hin über die Tiefen des Rocks. Geprägt von den Onkelz, In Extremo und Rammstein führt heute kein Weg mehr an In Flames, Parkway Drive und Machine Head vorbei.

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