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Stundenlanges Warten nach dem Konzert, ewig lange Schlangen bei den Autogrammstunden und trotzdem kein Maulen und Meckern. Fans stellen Unmögliches an, um einen Schnappschuss mit ihrem Idol zu erhaschen und sich damit in sozialen Netzwerken zu profilieren. Da kommt doch zwangsweise die Frage nach dem „Warum?“ auf.

„Ein 300er auf Insta!“, musste ich mir anhören, während mir ein Bekannter sein Smartphone triumphierend unter die Nase hielt. Zu sehen war ein Foto von ihm mit Philipp Burger, Sänger und Gitarrist bei Frei.Wild, das mit über 300 Herzen versehen wurde. Mehr als ein Schulterzucken und „cool“ kann da doch keiner erwarten, oder? Aber das war wohl keine angemessene Reaktion, denn der freudestrahlende Blick, hoffte auf überschwängliche Anerkennung, so wie er es gewohnt war. Auf der Suche nach Prestige, macht er auch nicht davor Halt, Fotos unter 100 Likes zu löschen. Was ich zunächst für einen Scherz hielt, meinte er aber scheinbar bierernst.

„Neid ist meine Anerkennung“

Das Bild des kreischenden Teenies vor einem Justin Bieber Konzert, sollte allgemein bekannt sein. So schreien die Mädels ihre Bewunderung direkt in das Gesicht ihres Superstars, doch von dem ist meist maximal ein müdes Lächeln zu erwarten. Im Internet ist das anders. Hier werden sie für jeden Schnappschuss gefeiert und ernten euphorische Kommentare, wenn sie näher an ihrem Idol dran waren, als all die anderen. Nicht selten entsteht daraus ein regelrechter Wettbewerb, denn der Hardcore-Fan möchte sich vom gemeinen Pöbel abheben.

Lässt man als Konzertbesucher den Blick über die Menge schweifen, sieht man nicht selten ein Sammelsurium an Smartphones. Ein Foto hier, mal eben live gehen auf Facebook, eine Memo aufnehmen für die Kontakte auf WhatsApp, oder einfach mal das komplette Konzert filmen, was man sich im Nachhinein, aufgrund der miesen Aufnahmequalität, ohnehin nie wieder ansieht. Der Hype um die beste Aufnahme hinterlässt Konzertbesucher, die das eigentliche Geschehen hauptsächlich durch das Display gefiltert mitbekommen. Damit sind nicht nur die Leute gemeint, die ihre Armmuskulatur durch hochhalten des Smartphones beanspruchen, sondern auch die, die dahinter stehen und unfreiwillig den Blick auf die Bühne versperrt bekommen. Das ruft nicht bei jedem Begeisterung aus, denn es gibt durchaus noch diese eine Randgruppe – Leute, die ohne Handy feiern gehen!

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Ein Kollege berichtete mir von hasserfüllten Nachrichten, ob er kein eigenes Leben habe, keine Familie oder keine Arbeit, weshalb er ständig auf Konzerten und Festivals rumstürze. Konfrontiert mit solchen Kommentaren, hinterfragt man sein eigenes Postingverhalten. Sind die Bilder, bei denen man Bekanntheiten aus der Szene begegnet vielleicht uninteressant und nervig, oder spricht da tatsächlich der blanke Neid?

Für viele ist „Fan sein“ sowas wie eine Lebenseinstellung. Bilder mit anderen zu teilen, die sich genauso für eine Sache begeistern können, wie sie selbst, einfach ein Bedürfnis. Das mag man armselig und irre nennen, oder glauben, die Leute wissen mit ihrer Zeit nichts Besseres anzufangen, aber im Endeffekt sind die Fotos Erinnerungen an etwas, was einem persönlich viel bedeutet. Wer gibt uns das Recht darüber abfällig zu urteilen, welche Eindrücke eine Person mit uns teilen möchte? Außerdem, mal Butter bei die Fische – wer hätte keine Band, bei der es völlig aussetzt und man selbst zum fanatischen Selfiejäger wird? Wer sich an den Fotos stört, findet garantiert den Button zum deabonnieren und solange man andere Konzertbesucher mit seinem Verhalten auf der Jagd nach bildhaften Erinnerungen nicht eklatant belästigt, lässt sich kein logisches Argument dagegen finden.

Wie Äffchen im Zoo

Obwohl es nicht schadet, einmal darüber nachzudenken ob das 200ste Foto der Band nötig ist, oder ob man das Handy mal stecken lassen sollte, nur um den Moment zu genießen. War es das Wert, dass mein Bekannter geschlagene vier Songs eines Konzerts verpasst hat, um den richtigen Filter für einen Post auf Instagram auszuwählen? Die Musiker auf der Bühne freuen sich sicherlich mehr über ein interaktives Publikum, als von den Besuchern abgelichtet zu werden wie Äffchen im Zoo.

Nichtsdestotrotz – bevor mir einer ein Foto von seinem Chiasamen-Spinat-Smoothie präsentiert, schau ich mir lieber noch 10 Bandfotos an und nicke zumindest anerkennend.

Wer gerne mal sein Handy stecken lässt, aber nicht auf ein paar Erinnerungsfotos verzichten möchte, sollte unsere Fotogalerie checken!

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