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Schattenmann – Interview mit Frank Herzig

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Derzeit sind Schattenmann mit Feuerschwanz auf “Methämmer”-Tour. Wir haben Sänger Frank Herzig vor dem Auftritt in Frankfurt getroffen. Was er zum aktuellen und kommenden Album zu erzählen hat, welche Hürden es auf ihrer ersten Headliner-Tour zu bewältigen gilt und warum ein blauer Hase ihn auf besondere Weise berührt hat, erfahrt ihr im Interview.

VRR: Euer Debütalbum „Licht an“ ist seit März auf dem Markt. Wie habt ihr die Zeit nach dem Release erlebt?

Frank: Es war für uns alles super aufregend. Das erste Album, das erste Lebenszeichen von Schattenmann in Form eines Tonträgers war wahnsinnig spannend. Auch die Tour mit Megaherz und die Reaktionen der Leute live mitzubekommen war toll und ist es bis heute noch. Das Album ist ja auch erst seit kurzem auf dem Markt.

VRR: Was hat euch am meisten überrascht?

Frank: Tatsächlich, dass die Leute unser Album so positiv aufgenommen haben. Wenn du als Support vor Megaherz spielst, dann sind auch nur Megaherz-Fans da. Man geht einfach mit gemischten Gefühlen auf die Bühne, weil man nicht weiß, wie einen die Leute annehmen oder ob sie uns bereits kennen. Da standen dann Leute, die unsere Texte von vorne bis hinten mitsingen konnten und das hat mich am meisten überrascht und beeindruckt. Es ist einfach toll, dass sie sich mit der Musik identifizieren können. Es ist wirklich jedes mal eine mega Stimmung, was mich sehr berührt.

VRR: Bei vielen Bands schlummern die Ideen zu Songs eine ganze Weile in der Schublade bevor sie veröffentlicht werden. Wie war das bei euch und wann wusstet ihr, dass es Zeit ist zum Veröffentlichen?

Frank: 2017 haben wir die ersten Live-Shows gespielt und haben in der Zeit, als wir mit Heldmaschine unterwegs waren, die ersten Songs fürs Album geschrieben und auch immer direkt live gespielt. Es gab einfach die Nachfrage danach, unsere Musik auch zuhause hören zu wollen. Als wir dann unser Label gefunden hatten, war es allerhöchste Eisenbahn. Wenn man Songs spielt, möchte man sie den Fans auch mitgeben, egal ob durch streamen oder auf CD.

VRR: Wie selbstkritisch bist du mit den Songs?

Frank: Sehr! Eine CD ist immer eine Momentaufnahme. Während der Zeit, in der wir im Studio an einer Platte arbeiten und feilen, möchte ich zu diesem Zeitpunkt das bestmögliche Ergebnis. Für den Moment bin ich auch immer zufrieden damit. Wenn man es dann nochmal einige Zeit später mit Abstand hört, denkt man schon, man hätte hier und da noch etwas anders oder besser machen können. Klar, wir haben viel getourt und viele Eindrücke mitgenommen, dabei entwickelt man sich weiter. Rückblickend muss ich dennoch sagen, dass ich nach wie vor sehr zufrieden mit unserem Erstlingswerk bin.

VRR: Ihr beschreibt euern Stil als NDH 2.0. Was dürfen sich unsere Leser darunter vorstellen?

Frank: Wenn du in die typische NDH-Szene gehst, hast du meistens Einwort-Refrains, es ist sehr stampfig und sehr gitarrenlastig. Wir sind etwas leichtfüßiger und tanzbarer und haben sehr viele melodiöse Refrains, beispielsweise bei “Gekentert”. Das singe ich ganz anders, als man es aus dem typischen NHD kennt. Das ist auch ein Thema, was wir bei der Produktion unseres zweiten Albums noch mehr auf die Spitze getrieben haben. Wir kombinieren verschiedene Stile zu unserem eigenen. Metallische Riffs und insgesamt schneller und tanzbarer. Also alles ein bisschen aufgepeppt und deshalb auch NDH 2.0.

VRR: Wie weit seit ihr mit dem neuen Album?

Frank: Schon sehr weit. Wir haben bereits viele Songs fertig recordet und sind gerade parallel am Schreiben und am Mischen und spielen bereits einige Songs live.

VRR: Wann können wir mit der neunen Schattenmann-Platte rechnen?

Frank: Das hängt nicht nur an uns, sondern auch am Label. Wir werden das Album in den nächsten Wochen abgeben und einen fixen Termin ausmachen. Ich schätze im zweiten Quartal 2019.

VRR: Das geht aber schnell. Zwischen den Veröffentlichungen ist dann gerade mal ein Jahr dazwischen.

Frank: Klar, das Album “Licht an” kam im März raus und da ist man natürlich schon lange vorher damit fertig. Ich habe danach auch erst einmal eine Zeit gebraucht, um das alles sacken zu lassen. Es war alles so spannend, dass ich gar nicht daran gedacht habe, direkt neue Songs zu schreiben. Auf der Megaherz-Tour hat es mich dann in den Fingern gejuckt neue Songs zu schreiben und ab da ging es rasant. Ich hatte einen richtigen “Schreibfilm”.

VRR: Was sind überhaupt deine Beweggründe um Musik zu machen?

Frank: Jeder hat seine Berufung und ich kann ganz einfach nichts anderes. Für mich ist das Leben, Leidenschaft und ich atme für die Musik. Es steckt in mir drin, da kann ich gar nichts dagegen tun.

VRR: Das heißt, du bist auch Musiker von Beruf?

Frank: Ich bin ausgebildeter Gitarrist und gebe Unterricht unter der Woche. Ansonsten, Songs schreiben und Schattenmann spielen, das ist mein Ding. Das habe ich aber auch schon zu Stahlmann-Zeiten so gemacht, da war ich vorher Gitarrist.

VRR: Das reicht zum Überleben? Viele Musiker arbeiten ja noch nebenher.

Frank: Nur von der Band zu leben, ist wahnsinnig schwierig und davon ist Schattenmann noch weit entfernt. Wie sollte das auch gehen, nach dem zweiten Jahr der Gründung? Aber Musikunterricht geben ist die Balance. Man kann etwas mit Musik machen und trotzdem seinen Lebensunterhalt verdienen. Nils macht das nicht anders. Er ist Schlagzeuglehrer und Jan ist Gitarrenlehrer. Der einzige der aus der Rolle fällt, ist Luke, der nebenher studiert. Es motiviert einen einfach jeden Tag, wenn man beruflich machen kann, wofür man lebt.

VRR: Es ist eher ungewöhnlich mit nur einem Album eine Headliner-Tour zu fahren. Was sind dabei die größten Hürden?

Frank: Ich weiß nicht, ist es ungewöhnlich? Es war einfach an der Zeit. Wir waren Support von Heldmaschine, Megaherz, Hämatom und jetzt Feuerschwanz. Die Leute wollen auch einfach mal ein ganzes Konzert von uns erleben und tatsächlich jeden Song von unserem Album hören. Das war auch unser Beweggrund, weil wir als Support immer nur wenige ausgewählte Lieder spielen können. Wir wollen alle Songs auf der “Licht an”-Tour spielen und auch einen Ausblick in das neue Album geben.

VRR: Mit welcher Größenordnung rechnet ihr auf Tour?

Frank: Ich hab gar keine Ahnung. Ein paar Venues kenne ich und klar, das hat alles nicht die Größe wie hier in der Batschkapp. Aber es sind coole Clubs, wo viele Konzerte aus der Szene stattfinden und ich freue mich, dass die Besitzer uns die Chance geben dort zu spielen. Ich denke das wird gut und wir sind optimistisch. In Oberhausen am 27. Oktober war im Prinzip der Auftakt der “Licht an” Tour und da war gut was los und es gab eine irre Show. Von daher – aber es ist auch eigentlich scheiß egal wie viele Leute da sind. Egal ob da 10, 100 oder 1000 Leute stehen, es bekommt jeder volle Leidenschaft, ein absolut geiles Konzert und wir geben genau so hundert-zehn Prozent, wie sonst auch!

VRR: Eure Fangruppe auf Facebook umfasst knapp 650 Leute. Wie wichtig ist es euch dort selbst aktiv zu werden bzw. wie wichtig ist euch Fannähe allgemein?

Frank: Das ist für uns schon wichtig. Man lernt einfach unfassbar viele Leute kennen auf der Tour und beim Tourleben. Es gibt auch Schattenmann-Freundschaften, die bei Konzerten entstanden sind. Sowas finde ich toll. Nach dem Konzert bleiben wir auch möglichst bis zum Schluss, damit jeder sein Autogramm bekommt oder mit uns quatschen konnte. Diese Beziehung zu den Fans ist uns total wichtig. Die Leute bewegt die Musik und deswegen kommen sie auf die Konzerte und das wiederum bewegt uns. In der Facebook-Gruppe ist tatsächlich eine sehr schöne Interaktion. Wir gehen gerne mal live oder es gibt Aktionen oder auch mal etwas zu gewinnen.

VRR: Gab es einen Moment, der dich besonders berührt hat?

Frank: Es gab einige, denn auf jedem Konzert passiert etwas, das du mitnimmst. Manchmal sind das ganz banale Dinge. In Bremen war jemand mit einem blauen Hasenkostüm. Ich hab mich mit ihm unterhalten und dann habe ICH ihn darum gebeten ein Selfie zu machen. Es ist einfach toll Leute kennenzulernen und sie dann immer wieder auf den Konzerten zu treffen. Oder wenn man auf der Bühne steht und die Fans so laut mitsingen, dass ich mein eigenes Wort nicht mehr verstehe.

VRR: Wie ist das bei euch mit den Aftershow-Partys? Hämatom beispielsweise feiert ja gerne sehr ausgelassen.

Frank: Das ist tatsächlich nicht so. Keine Ahnung wie das auf einer Headliner-Tour ist, aber aktuell haben wir als Supportband ziemlich viel Stress. Wir fahren mit einer kleinen Crew und müssen alles selbst machen. Einpacken, auspacken, aufbauen, abbauen und danach ist man einfach platt.

VRR: Welche Ziele verfolgt ihr längerfristig mit Schattenmann?

Frank: Das ist eine schwierige Frage, gerade weil wir so überrascht von der positiven Resonanz sind. Es ist so schwierig ein längerfristiges Ziel zu definieren, weil es ohnehin immer anders kommt, als man denkt. Wenn ich an das erste Konzert zurück denke – wir hatten Sorgen, die Leute könnten es total doof finden, dass wir grünes UV-Zeug im Gesicht haben, aber es kam ganz anders. Wir haben eher momentane Ziele, an denen wir arbeiten. Das ist das nächste Album, wir wollen die Tour gut rum kriegen, viel Spaß haben, unser Ding durchziehen und die Festivals spielen nächstes Jahr. Es geht uns einfach nur darum so lange es geht zusammen Mucke zu machen.

VRR: Also nicht reich und berühmt werden?

Frank: (lacht) Ich glaube wenn man reich werden möchte, sollte man irgendwo in die Wirtschaft gehen oder irgendetwas anderes machen. Gerade als Musiker und vor allem in unserem Bereich, kannst du das komplett vergessen. Die Zeiten sind lange vorbei.

VRR: Wenn du einen Wunsch frei hättest in Bezug auf Schattenmann, welcher wäre das?

Frank: Ich wünsche mir, dass die Band in dieser Konstellation noch ganz ganz lange zusammen Musik machen kann und wir die Möglichkeit bekommen, das zu tun. Es ist wichtig, dass wir alle fit bleiben und dass dieses familiäre Gefüge mit der Band und der Crew so bestehen bleiben kann. Wenn das alles passt, wären gut gefüllte Konzertsäle auch total toll.

Mehr Bilder vom Konzert der “Methämmer”-Tour in Frankfurt findet ihr hier:

Feuerschwanz – Support: Schattenmann – Frankfurt Batschkapp Galerie

 

Lisa Berg
Lisa Berg
Über mich: Ich, 26 Jahre alt, habe Punk-, Deutschrock und Metal quasi mit der Muttermilch aufgenommen. Frühzeitig von meinen Schwestern mit "Die Toten Hosen" beschallt, hat mich das Fieber endgültig auf meinem ersten "Die Ärzte" Konzert 2007 erwischt. Heute stolpert man mir regelmäßig auf diversen Konzerten und Festivals über die Füße. Im Gegensatz dazu verdiene ich ganz seriös meine Brötchen als Grafikerin für den Printbereich. Mein Motto? "Das Leben ist zu kurz für schlechte Musik"
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