Video-Check März 2026
Endlich kommt die Sonne. Und der Spargel. Bärlauch ist schon da, farblich passend die Grünen in Baden-Württemberg auch. Die erste Single, samt Video, zum allerletzten Album der Toten Hosen ist ebenfalls erschienen und findet bei uns keinen Anklang. Wir setzen heute unser Hauptaugenmerk auf Bands, die unseren Support verdient haben. Mit visuell und akustisch glänzenden Videos, die wie Schmitz’ Katze abgehen, wenn Nachbars Lumpi sich in den Schwanz beißt. Das tun heute JEANLUC, Rockwasser, FÄEX, Fleischwolf, Trabireiter, 1000 Teile und Sendeschluss.
Fleischwolf – Aufgeben ist keine Option
Das Verhältnis zwischen Mett und Brot ist immer, mehr Mett als Brot, egal wie dick das Brot ist. Dasselbe gilt für den Mettcore von Fleischwolf. Mit „Aufgeben ist keine Option“, dem ersten Output vom kommenden Album, gibt es weit ab vom Mainstream deutschsprachigen Hardcorepunk, der sich gewaschen hat. Mit im Studio waren Vinnie van der Schnuut, Gitarren-Solokünstler und Schlagzeuger bei Fresse und BPM und Mr. Wheelchair. Mit Erwähnung von letzterem Namen wird jedem klar sein, was das Thema geschlagen hat. Das Video passt sich dem geordneten Chaos der Musik an und brilliert im schicken schwarz/weiß Design mit Fokus auf Text und die Protagonisten. Ein geiles Teil für den Einstieg. Am 08. Mai 2026 erscheint LETZTE PLATTE VOR DER AUTOBAHN auf limitiertem, farbigem Vinyl im Pop-Up Gatefolder.
FÄEX – Ronny
Die Zivilcourage verpflichtet uns dazu, hier gegen das Name-Shaming Partei zu ergreifen. Nicht jeder Ronny ist ein Nazi. Und nicht jeder Ronny ist in den östlichen Gefilden der Republik zu Hause. Dennoch wissen wir, was uns FÄEX damit sagen will. Wir gehen stark davon aus, dass die Band aus eigener Erfahrung singt. Ihre Heimat, die Lutherstadt Eisleben, liegt im blauen Zentrum des Staates und mit Video und Single wird sich klar und deutlich gegen rechts und weiter ausgesprochen. Locker leichter Punkrock mit Ska-läufigen Gitarren und rauem Streetcore Gesang, der ganz klar Fans von Brennstoff, KrawallBrüder und Co. ansprechen wird. Im Video wird die typische Geschichte eines alleingelassenen Teenagers erzählt, der nicht die Gewalt oder Hass sucht, sondern eine Aufgabe und Anerkennung im Leben.
Trabireiter – Skinhead bis zum letzten Tag
Eines der absoluten Highlights heute. Selten haben wir ein so banales, dennoch erheiterndes Musikvideo gesehen. Wie die Jahre vergehen, doch der Spirit bleibt. „Skinhead bis zum letzten Tag“ ist eine Liebeserklärung der Trabireiter an die oft missverstandene Subkultur. Da macht es Sinn, dass die Ossis für den Videodreh in die deutsche Wallfahrtsstätte des Oi! Punk im Schwarzwald gefahren sind. Bei Diana und Oli von Randale Records wurden exzellente Momente von altgewordenen Skinheads und fürsorglichem Pflegepersonal abgedreht. Das neue Album AUS OSTDEUTSCHLAND pogt seit dem 27. März 2026 in den Plattenläden.
1000 Teile – Kein Plan
Sänger und Gitarrist Ivo stand bereits unserem Marco Rede und Antwort im Vollgas Rock und Realtalk Podcast und beichtete über so manche Hürden im Business. Das hält 1000 Teile nicht davon ab, ihre dritte Single samt Video zu veröffentlichen. Mit „Kein Plan“ schlägt die Band eher nachvornetreibende Poppunk Töne an als noch bei „Asche“ und „Herz“. Zwar heißt es im Text „es gab nie ´nen Plan B“, doch das glauben wir aber nicht so ganz. 1000 Teile bietet mit der dritten Single Abwechslung und bleibt, rückblickend auf den Podcast, authentisch und ehrlich. Das Video kommt im nicen Low Budget Look, übertreibt nicht und konzentriert sich auf das Wichtigste: Band und Musik. 1000 Teile. Einmal merken.
Sendeschluss – Angst
Der wohl kleinsten bayrische Hardcorepunk Band, ohne Drummer, muss hier der rote Teppich ausgerollt werden. Sie sind irgendwie „zu klein“ um als Band den großen Durchbruch zu schaffen, aber „zu groß“, um als Underground Band bezeichnet zu werden. Wir sind große Fans von Sendeschluss, die toujour unterwegs sind um ein Konzert nach dem anderen zu spielen, die wir mit ihrer Musik und Texten stätig ernster nehmen und die mit „Angst“ bereits das zweite Video zum kommenden Album an den Start gebracht haben. Tim und Tom machen sich Luft und nehmen uns dabei mit Revue passieren zu lassen, was gerade gesellschaftlich abgeht. Der Songtitel spricht dabei Bände, das Video ist schnörkellos gehalten und unterstreicht die Ernsthaftigkeit. Doch es muss weitergehen. Wie sagt die Band gern selbst: „Sendeschluss am Start.“ Wie es weitergeht, zeigt sich am Ende des Videos. Also dran bleiben lohnt sich.
Rockwasser – Unbesiegbar
Viele haben darauf gewartet. Jetzt ist die Zeit endlich reif. Neue Single, Video und ein neues Album von Rockwasser stehen an. Das Album kommt zwar erst am 13.11.2026 in den Handel, doch die erste Auskopplung verheißt nur Gutes. Keine Experimente, keine Spielchen, keine sündhaft teuren Effekte, keine KI. Purer Deutschrock? Na, das lassen wir mal. Die Band beweist erneut, dass sie mehr ist als nur Rock. Hier treffen Punk und Rock unter dem Deckmantel von Euphorie zusammen. Wir feiern die einfachen, oft gehörten, dennoch motivierenden Textzeilen, freuen uns über das reichhaltige Bildmaterial zur Band und erkennen plötzlich, das sind die Nachfolger von Unantastbar.
JEANLUC – Der letzte Track
„Der letzte Track“ ist auch der letzte Track, auf dem am 13. März erschienen Album von JEANLUC. Wir begleiten die Band seit ihrer Geburt. Und haben immer wieder festgestellt, dass es keine Schublade für die Musik gibt. Viel Sound á la Oerding und Forster kommt mit viel Synthie und New wave und ungewohntem Sprechgesang daher. Hier und da noch ein wenig mehr Industrial und Growls und wir würden dennoch was zu meckern finden. Nichts für Ungut. Das Bildmaterial rudert im selben Fahrwasser. Unterstützt durch Bodycams, Wackelaufnahmen und geteilten Bildschirm, ergibt alles am Ende einen Sinn. JEANLUC scheut keinen Mut zur Lücke und erhält unseren vollen Respekt und Anerkennung für diesen besonderen Crossover.
Redaktionell verantwortlich für diesen Artikel:
Crew | Redakteur
Mit Baujahr 1976 nicht mehr so ganz jung, bin ich im Herzen der Republik, in Anhalt aufgewachsen.
Mit 19 Jahren zog es mich nach Baden-Württemberg. Aufgewachsen mit Heavy Metal à la Metallica, Slayer und Kreator etc., pubertierte ich mit dem Punk, bis ich dann mit dem New York Hardcore erwachsen wurde. Es gilt: Ob Metal oder Punk, in deutsch oder englisch, Hauptsache mir gefällt´s.



