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Engst – „Flächenbrand“ Albumreview VÖ 26.10.2018

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Die Rockband Engst wird am 26.10. diesen Jahres ihr erstes Studioalbum veröffentlichen. Das Werk, das nach einer Mischung aus den Rogers und Thomas Godoj klingt, beinhaltet 11 saftige Titel und setzt sich ganz klar vom zähen Deutschrockdurchschnitt ab.

Die Songs:

Ich steh wieder auf
…ist der Opener des Albums. Die Band schafft es, ohne langweiliges Intro auszukommen. Stattdessen geht man direkt in die Vollen um auszudrücken: „Hey, wir sind wieder da! Egal was war, egal was kommt, wir lassen uns nicht unterkriegen“. Ein Lied, das man eigentlich auch auf jedem klassischen Deutschrockalbum findet. Allerdings wirkt es bei Engst deutlich spritziger, nicht stumpf und kalkuliert.

Der Moment
Der zweite Song von „Flächenbrand“ befasst sich mit dem Thema Trennung und den Hürden einer Beziehung. Der Moment, in dem man realisiert, dass die Beziehung nun beendet ist und es kein Comeback geben wird. Der Moment, in dem der Partner seine Freiheiten sucht, die Beziehung nur noch bedrückt und nicht mehr glücklich macht. Genau dann man weiß, es ist vorbei. Ein Thema, mit dem sich beinahe Jeder identifizieren kann und den die vier Jungs in „Der Moment“ verarbeiten.
Eskalieren
„Komm wieder eskalieren, du und ich und all die anderen!“ Ein Satz, der so oder so ähnlich fast jedes Wochenende fällt. Einen richtigen Pusher, der euch hilft, für die Party einzuheizen, findet ihr mit „Eskalieren“ auf Startnummer drei des Albums. Man möchte sich unsterblich fühlen, eine endlose Nacht durchleben. Das sind die Tage, in denen man morgens die Sonne aufgehen sieht! Wir wissen doch alle wie schön es ist, eine Nacht mit seinen Jungs und Mädels durchzuzechen und sich keine Gedanken darum machen zu müssen, was am nächsten Tag ist. Gut, meistens klopft da der dicke Kater…
Optimisten
Engst kann auch anders, kann kritisch sein. Das beweist man auf Lied Vier der Platte. Die Welt geht vor die Hunde, jeder hat mit Problemen zu kämpfen. Die Lage scheint für Engst so ernst zu sein, dass sich sogar die Optimisten aus dem Fenster stürzen, weil sie es in ihrem irdischen Dasein nicht mehr aushalten. Wie man sich diesem Trubel entziehen kann? Engst liefert Antwort: Ein Abend an der Bar mit seinen Besten!

Ein Sommer in den Charts
Popsongs ohne Rückgrat, deren Sänger und Sängerinnen nach nur ein, oder zwei Liedern wieder von der Bildfläche verschwinden. Gerüchten zufolge hassen wir Rocker diese Art der Musik. Doch nicht nur wir allein. Engst gab es sogar Anlass dazu, einen Song zur Thematik zu schreiben. Songs die von namenlosen Songwritern im Hintergrund geschrieben werden, Stimmen, die nur mit Hilfe von Autotune zu überzeugen wissen und der große Erfolg, der nach einem Sommer in den Charts dann doch wieder zerfällt… Da kann man nur froh sein, die Rockmusik zu haben!
Ist mir egal
Dieses Lied ist in den etwas ruhigeren Gefilden einzuordnen und der zweite Song des Albums, der das Thema Liebe anschneidet. Dieses Mal allerdings wird die Phase des Verdrängens in der Zeit nach der Beziehung beschrieben. „Mir egal wo du pennst, oder an mich denkst“. Typische Phrasen die eigentlich fast jedem gekränkten Liebespatienten einmal im Kopf rumschwirren. Sind wir mal ehrlich: So ganz egal ist das Niemandem! Ein Song zum Nachfühlen, für den einen oder anderen vielleicht sogar zum Mitfühlen. Aber hey, es kommen auch bessere Zeiten.
Mit Raketen auf Spatzen
Seit Chemnitz ist das Wutbürgertum wieder in aller Munde. Angeführt von braunen Rednern und bekannten Neonazis ist eine sehr merkwürdige Ideologie in manchem Teil dieses Landes wieder gesellschaftstauglich geworden. Ängste werden geschürt und Feindbilder geschaffen, einfache Lösungen finden wieder Anklang. Nicht viel hat sich verändert im Vergleich zu den düsteren Zeiten unseres Landes. Heute ist man nicht rechtsextremer, nein, das Denken wird hinter einer Heimatliebe getarnt, die die eigentlich Bedeutung von Patriotismus in den Dreck zieht. Der Mob wird lauter, die Rattenfänger machen sich auf die Suche… Denkt nach und werdet nicht zu ihrem Futter!
Träumer und Helden
Wer erinnert sich nicht gerne an die guten alten Zeiten, die man mit seinen Freunden bei Lagerfeuer und kühlem Bier am See verbracht hat? Gut, ich bin wohl nicht der beste Ansprechpartner, da ich gerade mitten in dieser Phase stecke. Was Engst mit ihrem letzten Albumtitel ausdrücken wollen, kann aber auch ich wiedergeben. Die Jungs sind immer noch dieselben, wie schon vor Jahren. Egal ob nun die Haut etwas schrumpeliger geworden ist, im Inneren hat sich rein gar nichts geändert. Man ist stolz darauf, noch die alte, coole Truppe zu sein, die man auch damals schon war.

Das Fazit:

Engst ist mit ihrer ersten, richtigen Platte ein großer Erfolg gelungen. Es ist kein typischer Deutschrock, den die Jungs da produzierten. Auch der Hauch Punkrock, den man sich auf die Fahne schreibt, ist wenig hörbar. Dennoch ist genügend geballte Rockpower vorhanden, um nicht im Popchaos zu verseiern… Ein bisschen mehr harte Kante hätte es aber dann doch sein dürfen. Trotzdem gehen die Songs sehr nach vorne. Man hat nie das Gefühl, dass die Lieder langweilig werden und fühlt sich eher gedrängt, auf die Wiederholungstaste zu drücken. Gutes Tempo und gute Länge der Songs bringen Pluspunkte beim Hörer. Man hat außerdem versucht, ein paar abwechslungsreiche Elemente wie zum Beispiel Gebläse in die Songs zu integrieren, was für mich in besonderer Weise gelungen ist. Auch hat man sich nicht gescheut, Elemente aus anderen Musikrichtungen wie dem Ska zu integrieren. Der Offbeat mag wohl nicht nur bei mir, sondern auch bei vielen anderen Hörern für glückliche Gemüter sorgen. Sehr gerne noch mehr von diesen Elementen in der Zukunft!
Wirklich gelungen ist der Gesang. Nachdem so manche schreckenerregende Rockplatte meine kritischen Ohren erreicht hat, bin ich froh, dass die Band nicht versucht, den röhrenden Rocksänger zu spielen. Meist klingt es im Endresultat nämlich eher nach Hirschbrunft und nicht nach Qualitätsmusik. Sänger Matze findet hier den richtigen Weg, seine Töne breiten sich wie warmer Honig in der Seele aus. Authentisch, anstatt gequirlt, weiter so! Textlich kann man dann nochmal ordentlich absahnen. Die Lyrics sind frisch, frech und natürlich gesellschaftskritisch. Wenig Parole, dafür Spritzigkeit, genau nach meinem Geschmack. Engst hat keine Angst, Themen offen anzusprechen und seine Standpunkte im Liedgut zu vertiefen. Besondere Genugtuung für die Öhrchen ist angesichts der aktuellen Umfragewerte einer bestimmten Partei natürlich die Positionierung gegen rechtes Gedankengut.
„Flächenbrand“ ist nicht das harte Rockalbum. Es ist gemacht, für diejenigen, die sich gerne auch mal den etwas softeren Rocktönen zuwenden. Es erinnert trotz alledem nicht an Popscheiben anderer Interpreten. Man sollte versuchen, diesen musikalischen Grad beizubehalten, denn das Endresultat kann sich sehen lassen. Jungs, weiter so!
Eric Steinberg
Eric Steinberg
Über mich: Geboren im Jahrgang 2000 bin ich mit 17 Jahren der Jüngste im Team. Für Rockmusik schlägt mein Herz schon seit dem Kindesalter. Angefangen hat damals alles mit den Toten Hosen. Obwohl als Schüler immer knapp bei Kasse, besuche auch ich das ein oder andere Konzert. Außerdem spiele ich leidenschaftlich gerne Schlagzeug. Motto: Es gibt nur ein Gas, Vollgas!
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