Anzeige


Am 24. Mai machten die Toten Hosen auf ihrer „Laune der NaTour“ halt im Essener Wildparkstadion. Ebenfalls von der Partie waren die britischen The Vaccines, Adam Angst und als großes Highlight die Donots. Beste Voraussetzungen also für einen perfekten Abend, der zu Anfang und Ende aber doch immer wieder von schlechter Luft geprägt wurde, aber dazu später mehr…


Dieses Mal auf Startplatz Nummer Eins der Vorbands: Adam Angst. Die erst 2014 gegründete deutsche Punkband wusste wie immer mit gesellschaftskritischen Songs zu überzeugen. Ganz zur Freude der eingefleischten Fans wurden zudem Lieder des neuen Albums zum Besten gegeben. Der Pit wurde eröffnet, auch wenn, wie befürchtet, die Reihen noch etwas lichter waren. Meiner Ansicht nach hatten die Männer ganz in Schwarz an diesem Tag deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient, denn wenig später ging es stimmungsmäßig rapide bergab.
Denn mit Startnummer 2 waren The Vaccines gelistet. Da ich diese Band vorher nicht kannte, ging ich ohne Vorbehalte in die Show. Als die Band, die meisten von ihnen mit langer Hippiefrisur und Blümchenhemd, die Bühne betraten, schwand die Lust. Indiemusik, die bei einem Konzert der Toten Hosen einfach nichts zu suchen hat. Dass ich mit der Meinung nicht allein war, merkte man an der Stimmung der Besucher. Lieber eine kleine, schrebbelige Punkband aus der Umgebung, als die Band, die übersetzt „die Impfstoffe“ heißt. Das einzige, das mir während ihres Auftrittes eingeimpft wurde, war Schlafmittel. Sorry, Minuspunkt. Von 0 auf 100 ging es dann mit den Burschen aus Ibbenbüren: The Donots. Intro und dann volle Energie auf „Ich mach nicht mehr mit“. Nach „Keiner kommt hier lebend raus“ wurde bei „Wake the Dogs“ anscheinend auch das Publikum geweckt. Fast die gesamte erste Welle begann zu springen und die Duracell-Männchen auf der Bühne gaben alles, um ihre Energien loszuwerden. Da gute Rockmusik bekanntlich nicht ohne Circle Pits funktioniert, kreiste die Menge beim nächsten Song „Kaputt“. Das ganze natürlich eingeleitet von Sänger Ingo höchstpersönlich. Ein weiteres Highlight der Show fand sich im Song „Piano Mortale“, der eigentlich „nur“ ein Bonustrack des aktuellen Albums „Lauter als Bomben“ darstellt. Eine Show, bei der es so gut wie nichts zu bemängeln gibt. Gute Performance, gutes Publikum. Bis zum nächsten Mal!

Wenig später kamen nach einem unspektakulären Intro auf LED-Wand endlich die Toten Hosen auf die Bühne, der Song „Laune der Natur“ diente dabei als Opener. Für meine Fälle hätte es ein bisschen schwungvoller losgehen können, warum wird nicht mit „Urknall“ gestartet? Bis es richtig losging, dauerte es dann aber doch nicht mehr lange, die Fußballhymne „Auswärtsspiel“ stand als zweiter Titel auf der Setlist. Mit „Du lebst nur einmal“ und „Niemals einer Meinung“ folgten die nächsten etwas älteren Songs. Zwar allesamt schöne Lieder, aber auch zu erwarten. Genau da sind wir beim großen Problem des Abends; Nein, nicht die schlechte Luft, dazu kommen wir noch… Es war die immergleiche Setlist die mich ein wenig störte. Natürlich freut man sich, wenn man die großen Klassiker hört, allerdings wird es ein Problem, wenn man vorher schon weiß, welche es denn wieder sind. Etwas mehr Abwechslung hätte es da ruhig schon sein dürfen, liebe Hosen.

Aber nicht zu vergessen: Es gab auch echte Highlights an diesem Abend. „Pushed Again“ sorgte bei Pyronebel und rotem Licht für Ekstasen, nicht nur in der ersten Welle. Besonders gut auch „Halbstark“, bei dem es zur wilden Pogerei kam. Beachtlich dabei: Selten habe ich so eine große Hilfsbereitschaft unter den Fans gesehen. Ging jemand zu Boden oder wollte sich auch nur die Schuhe schnüren, war immer irgendwer zur Stelle. Eine Selbstverständlichkeit, die aber trotzdem lobenswert bleibt. Und wenn wir schon einmal bei der Loberei wären, sind auch die Cover zu erwähnen. „TNT“ kam durch Gesangseinlage eines Mitglieds des Streichquartetts dem Original sehr nahe. Auch „Hey Jude“ verzückte das Publikum und hallte so durch das ganze Stadion.

Emotional geht auch!

Besonders emotional dieses Mal die ruhigen Lieder, besonders „Unsterblich“, die teilweise Gänsehaut verursachten. Zeit zum Nachdenken, an die Liebsten, an Vergangenes und Vergangene. Sehr schöne Momente, die in Erinnerung bleiben.
Beim drittletzten Lied „Eisgekühlter Bommerlunder“ durfte sich dann noch einmal richtig in den Pit gestürzt werden um ein paar blaue Flecke als Andenken mitzunehmen. Bei „Tage wie diese“ muss ich leider zugeben, dass mir der Song mittlerweile wie geschmolzenes Eis aus den Ohren wieder herauskommt… Aber gut, für die meisten Konzertbesucher ist das Lied ein nicht mehr loszuwerdender Bestandteil einer Hosen-Show. Deswegen kann ich an dieser Stelle mal ein Äuglein zudrücken. Nach „You´ll never walk alone“ war dann leider schon alles vorbei. Mehr als zwei Stunden gute Stimmung mit insgesamt drei Zugaben, die das Publikum in Fahrt bringen sollten. Und ja, das haben die Jungs geschafft. Es war mal wieder ein schönes Konzert, das sich in meinem inneren Bilderbuch verewigt hat, an einem dafür würdigen Platz.
Konzert vorbei, Abreise… Denkste! Weg vom Stadion, an dem ersten stinkigen Kanal vorbei, erreichte man sobald das Auto (der Kanal passt doch ziemlich zum Verein, der im Stadion beheimatet ist, oder etwa nicht?) Wer jetzt ans Losfahren denkt, ist weit gefehlt. Eine Stunde Wartezeit, bei der sich so gut wie kein Auto bewegte. Zeit überbrücken, die Amigos hören, runterkommen. Dann endlich war es so weit und unser Auto bewegte sich langsam aber sicher vom Parkplatz. Kaum vom Parkplatz weg, begann es einmal wieder zu stinken. Und wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt bald schon ein Kanal daher… Der Weg aus der Stadt führte durch ein Labyrinth aus Kloakengebieten, deren Geruch uns immer wieder überkam. Natürlich, es ist dem Abend unwürdig, diesen Text mit Gestank abzuschließen, aber das hat sich festgebrannt. Zum Schluss eine Frage an die Essener: Stinkt eure ganze Stadt?

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here