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Zu alt für Popmusik

Hat Musik ein Verfallsdatum?

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„Sieh’ der Tatsache ins Auge – Du bist zu alt für Popmusik“ wirft uns Campino in dem Song „Popmusik“ unverfroren gegen den Kopf. Doch hat die Liebe zur Musik tatsächlich ein Verfallsdatum? Gibt es eine Altersgrenze und ab wann sind wir über dem Zenit? Müssen wir eines Tages tatsächlich so tun als ob wir Klassik mögen oder Jazzfan wären?

Der Ökonom Seth Stephens-Davidowitz fand heraus, dass wir bereits in der Pubertät hinsichtlich unseres Musikgeschmacks geprägt werden. Die Lieder unserer Jugend entscheiden also welche Stilrichtung wir bevorzugen. Um dem zu entgehen, hätten Jungs zwischen 13 und 16 Jahren und Mädels zwischen 11 und 14 Jahren gänzlich auf Musik verzichten müssen.

Popmusik zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie einfach, leicht einzuprägen und gesellschaftlich anerkannt ist. Themen wir Politik oder gar Gesellschaftskritik bekommt der Hörer wenn überhaupt nur als Schonkost vorgesetzt. Der Grund dafür ist, dass Popmusik für die breite Masse gefertigt ist. Doch erwartet man nicht, dass erwachsene Menschen sich mit solchen Themen auseinander setzen? Wäre es nicht eigenartig wenn Opa mit 80 im Schaukelstuhl sitzt und die neuesten Hits von „Lady Gaga“ hört?

Auch wenn es bei Popmusik irgendwann ein Verfallsdatum gibt, trifft das nicht auf jedes Genre zu. Betrachtet man Bands, die bereits Jahrzehnte lang Musik machen, kann man nicht glauben, dass Rockmusik jemals unmodern werden könnte. Die Onkelz begeistern seit 1980 Freunde des Deutschrocks und es ist nicht abzusehen, wann und ob sich das jemals legt. Fans der ersten Stunde sind inzwischen Ü50 und der Zuspruch der Nachwuchs-Generationen reißt nicht ab.

Schaut man sich auf Festivals um, braucht man nicht glauben nur junges Gemüse entdecken zu können. Die „Urgesteine des Rock’n’Roll“ können Geschichten von Konzerten und Festivals aus einer Zeit erzählen, in der viele von uns noch Quark im Schaufenster waren. Ich habe noch nie von jemandem gehört, dass solche Leute nichts mehr auf Festivals zu suchen haben – im Gegenteil. Wer den Anekdoten über Bands nicht gerne lauscht, die heute Stadien füllen und damals vor 50 Leuten in einer Kneipe gespielt haben, der verpasst echtes Kulturgut.

So hat Campino wohl bedingt recht. Für Popmusik könnte man irgendwann zu alt sein. Nicht etwa weil man sie selbst nicht mehr mag, sondern weil die Gesellschaft ab einem gewissen Alter erwartet, dass man „ernsthafte“ Musik hört. Für mich ist Musikgeschmack jedoch nicht wie Milch, die man lieber entsorgt sobald man der Meinung ist, dass sie komisch riecht. Ich kann mir nicht vorstellen jemals keine Freude mehr an Rockmusik zu haben oder nicht mehr auf Konzerte gehen zu wollen. Vielleicht wird aus dem Stehplatz irgendwann mal ein Sitz auf der Tribüne und aus dem Nächtigen im Auto ein Hotelzimmer, aber ganz sicher niemals Jazzmusik.

Lisa Berg
Lisa Berg
Über mich: Ich, 25 Jahre alt, habe Punk-, Deutschrock und Metal quasi mit der Muttermilch aufgenommen. Frühzeitig von meinen Schwestern mit "Die Toten Hosen" beschallt, hat mich das Fieber endgültig auf meinem ersten "Die Ärzte" Konzert 2007 erwischt. Heute stolpert man mir regelmäßig auf diversen Konzerten und Festivals über die Füße. Im Gegensatz dazu verdiene ich ganz seriös meine Brötchen als Grafikerin für den Printbereich. Mein Motto? "Das Leben ist zu kurz für schlechte Musik"
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