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Diskothek: (K)eine Alternative zum Konzert

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Tage und Wochen zählen bis zum Start der Festivalsaison. Was stellt man eigentlich so mit seiner Freizeit an, wenn man Lust hat wegzugehen und keine Konzerte oder Festivals in greifbarer Nähe sind? In meiner völligen Verzweiflung Samstagabend spontan etwas unternehmen zu wollen, habe ich mich zu einem Besuch in einer Diskothek hinreißen lassen. Warum das definitiv keine Alternative ist? Lest selbst:

Es ist mehr als ein Jahrzehnt her, als ich mich regelmäßig Samstagabends aus dem Fenster geschlichen habe, um mich in der Diskothek in meiner Heimatstadt zu amüsieren – dem bis dato einzigen Ort, wo keiner eine 15-Jährige nach dem Ausweis gefragt hat. Während man sich damals noch die Mühe gemacht hat, etwas einigermaßen Vernünftiges anzuziehen, kann man heute scheinbar alles tragen. Neunzehnhundert kam Frau ohne Pumps nicht in den Club, heute kann man froh sein, wenn keiner seine Gummilatschen anzieht, die er sonst bei der Gartenarbeit trägt.

Wir tanzen nicht, wir pogen!

Hat man den ersten Bekleidungs-Kulturschock erstmal verdaut, sollte man zügig beginnen sich die Elekto-Dance-/Black-Music erträglich zu trinken. Hat man ausreichend vorgeglüht, ist das aber das kleinste Problem. Schwieriger wird es, wenn man versucht sich rhythmisch zur Musik zu bewegen. Pogo ist nicht! Wenn du versehentlich jemanden anrempelst, kannst du froh sein lediglich angepöbelt zu werden und nicht direkt eine verpasst zu bekommen. Stattdessen darf man seine Extremitäten wild durch die Gegend werfen, vorausgesetzt man hält Sicherheitsabstand – angestarrt wird man ohnehin, egal wie man sich bewegt.

„Hey, Hey, Hey!“

Da die gespielte Musik kaum Text enthält und der DJ mit seinem Laptop beschäftigt ist, kann man weder mitsingen, noch darf man sich über Publikumsinteraktionen freuen. Kleiner Tipp: In ruhigen Parts mit „Hey, Hey, Hey“-Rufen anfeuern, trägt zwar zur Erheiterung, aber auch zur Irritation des tanzenden Mobs bei. Auch nach drei Stunden und gut gefüllter Tanzfläche konnte man stehen bleiben, ohne mit dem Fußboden zu verschmelzen. Ob es an überteuerten Alkoholpreisen lag, dass niemand klebrige Bierreste am Boden hinterlassen wollte?

Der explodierte Kulturbeutel

Über was redet man in den Raucherpausen mit den dort anwesenden Leuten? Wie flirtet der gemeine Single auf solchen Partys? Die groben Themen in der Zusammenfassung: Wie bereitet man ein Steak zu, welche Beilagen sind geeignet und warum gibt es so wenige Frauen als Starköche. Klingt schon spannend? Kandidat B glänzte mit Klischees über Unterfranken, während er an seiner E-Zigarette nuckelte, die beinahe die Größe einer Festplatte hatte. Als Kandidat C, Student, zuerst versuchte mit seinen dicken Fahrradreifen zu beeindrucken, um dann das Gespräch auf seine rote Satinbettwäsche zu lenken, war es endgültig vorbei. In meiner gewohnt liebenswerten Art empfahl ich ihm passend zu seinem Bettbezug noch die nette blonde Dame vom Nachbartisch, deren Make-Up-Täschchen wohl im Gesicht explodiert war und machte mich auf den Heimweg.

Bierdusche statt Black Beats

Auch wenn ich mich noch so gerne mit epileptisch anmutenden Bewegungen auf der Tanzfläche zu Black Music zum Affen mache oder mich mit Studis über Fahrradreifen unterhalte. Es wird Zeit endlich wieder unter normale Leute zu kommen. Ohne klebrige Haare von Bierduschen, versifften Schuhen und heißerer Stimme am nächsten Tag, fehlt dann doch irgendwas.

Lisa Berg
Lisa Berg
Über mich: Ich, 25 Jahre alt, habe Punk-, Deutschrock und Metal quasi mit der Muttermilch aufgenommen. Frühzeitig von meinen Schwestern mit "Die Toten Hosen" beschallt, hat mich das Fieber endgültig auf meinem ersten "Die Ärzte" Konzert 2007 erwischt. Heute findet man mich meistens lauthals mitsingend in der ersten Reihe auf diversen Konzerten und Festivals. Im Gegensatz dazu verdiene ich ganz seriös meine Brötchen als Grafikerin für den Printbereich. Mein Motto? "Das Leben ist zu kurz für schlechte Musik"
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