Anzeige


Reich wirst Du nicht durch das, was Du verdienst, sondern durch das, was Du nicht ausgibst. – Henry Ford.
Jeder kennt diese eine Person, die nie Kippen hat, sich jedes Bier ausgeben lässt und wenn das Festival vorbei ist, sich sogar noch die übrig gebliebene Rolle Klopapier für Zuhause einpacken lässt. Dieser kleine Blutsauger zeckt sich jedoch nicht nur im Freundes- oder Bekanntenkreis ein. Manchmal fallen ihm auch naive Musiker zum Opfer. Doch was sind die Methoden um möglichst kosteneffizient in der Szene unterwegs zu sein und wie schütze ich mich selbst vor Schnorrern?

Wenn es etwas billiger oder gratis gibt, sind wir alle gerne dabei. Nicht umsonst lockt uns der Einzelhandel mit Coupons und Rabattaktionen. Wer schon einmal gesehen hat, wie ein Black Friday in den USA eskalieren kann, weiß wozu Menschen fähig sind, wenn sie Schnäppchen wittern. Das ist im Musikbereich nicht anders.

Schlüpfrige Angebote 

Es gibt immer wieder Exemplare der Gattung Frau, die nicht davor zurückschrecken, ihre Beine breit zu machen, sobald sie sich Vorteile davon erhoffen. Egal ob es Kontakte, freie Eintritte oder Zugänge zum Backstage sind. Ein Fallbeispiel aus jüngster Zeit: Eine junge Dame schlabberte am schüchternen Drummer der einen Band und als sie merkte, dass da nichts mehr zu holen war, hüpfte sie getrost einen Schoß weiter zum nächsten Musiker einer anderen Band. Kommt dir das bekannt vor? So gut wie jeder kennt mindestens eine von diesen speziellen Damen.

Gästelisten-Schnorrer 

Das neue Album steht in den Startlöchern, die Tour beginnt und man kann die Uhr danach stellen, wann sich diese eine ganz bestimmte Person meldet. Die Bekanntschaft, die nur schreibt, wenn sie mal wieder auf die Gästeliste gesetzt werden möchte. Nach der obligatorischen Frage des eigenen Befindens, wird sich nicht lange mit Höflichkeiten aufgehalten. Gästeliste, vorab ins Album reinhören oder noch ein T-Shirt gratis on top? Ja selbstverständlich, schließlich habe man ja auch den Tourflyer auf seiner Pinnwand bei Facebook geteilt und zwei Freunde unter dem Beitrag markiert – wenn das nicht krasser Support ist, was denn dann? Kann man jetzt für ganz normal halten, dann gehört man aber vermutlich selbst zu den unverschämten Schnorrern.

Auftritt ohne Gage 

„Spielt doch auf dem Geburtstag des Kumpels vom Cousin meiner Arbeitskollegin, das wäre super Promo für euch“. So oder so ähnlich formulierte „Bookinganfragen“ verursachen meist nicht mehr als ein verächtliches Schnauben. Okay, verständlich dass man die gesparte Gage lieber versaufen möchte. Wenn man aber kein Geld übrig hat, um Musiker für ihre Arbeit vernünftig zu bezahlen, ist das Abspielen einer Playlist  vermutlich die bessere Wahl. Nicht selten kostet die Produktion eines Albums mehrere tausend Euro. Dazu kommt teures Equipment, die Anfahrt und die aufgewendete Zeit für den Gig und die Vorbereitungen. Es gilt anzunehmen, dass Musiker lieber den Tag auf der Couch verbringen würden, als kostenlos auf einer Gartenparty vor 20 Leuten zu spielen.

Kostenlose Bandfotos

Doch auch Musiker benehmen sich manchmal daneben. Nicht selten beschweren sich Fotografen darüber, ausgenutzt zu werden. Kostenlose Bandfotos? Na klar, ist doch Werbung für beide Seiten. Schon mal beim Friseur gewesen und den Haarschnitt nicht bezahlt, weil es Werbung für den Salon ist, wenn man die Frisur spazieren trägt? Konzert- oder Festivalfotos sind bei Musikern beliebt und werden gerne in sozialen Netzwerken benutzt. Ein Danke und die Nennung des Fotografen, brechen dabei keinen Zacken aus der Krone – könnte man meinen. Diese Art von Wertschätzung sollte selbstverständlich sein, wenn die Bilder schon kostenlos verwendet werden dürfen. Nicht selten fahren Fotografen hunderte Kilometer, schleppen kiloweise Kameraausrüstung mit, die gerne den Wert eines Kleinwagens hat und sitzen danach Stunden an Auswahl und Bildbearbeitung.

Brotlose Kunst 

Leuchtende Augen funkeln mir entgegen, wenn ich von meiner Arbeit als Grafikerin erzähle. Ob ich nicht mal nach den Shirtmotiven gucken könnte, die Merchtafeln sehen übel aus und für das Album fehlt noch Grafik XY.  Wenn ich unbegrenzt Zeit hätte und nicht noch meine Brötchen verdienen müsste, würde ich am liebsten jedem helfen. Aber wo fängt man an und ab wann zieht man seine Grenzen? Was macht es für einen Endruck, zu der einen Band „ja“ und zur nächsten „nein“ zu sagen? Bei der Frage nach meinem Job überlege ich manchmal zu behaupten, dass ich bei Aldi an der Kasse Lebensmittel über den Scanner ziehe. Da kann ich wenigstens sicher sein, dass niemand nur die Vorteile meiner Qualifikation in mir sieht.

Alarmglocken läuten

Wer sich vor solchen unangenehmen Situationen schützen möchte, sollte die Augen offen halten. In jedem Gerücht ist ein Fünkchen Wahrheit versteckt. Spätestens wenn Freunde oder gar Fremde auf euch zu kommen und Bedenken gegenüber eurer neuen Bekanntschaft äußern, sollten die Alarmglocken läuten. Das heißt nicht, dass man jeden Unsinn, den man erzählt bekommt, glauben kann. Umgibt man sich jedoch trotz eindeutiger Hinweise weiterhin unreflektiert mit solchen Leuten, braucht sich später niemand über verletzte Gefühle beschweren. Manchmal hilft ein einfaches „nein“ um zu überprüfen, ob die Person an einem selbst oder an dem, was sie abgreifen kann, interessiert ist.