Abseits der Bühne: Wie Künstler mit Ruhm und Rampenlicht leben – Teil 2

Nachdem wir im ersten Teil bereits Einblicke in die Gedankenwelt von Künstlern zwischen Bühne und Alltag bekommen haben, war schnell klar, dass dieses Thema noch lange nicht auserzählt ist. Zu unterschiedlich sind die Erfahrungen, zu individuell der Umgang mit Aufmerksamkeit, Fan-Nähe und dem Spagat zwischen öffentlicher Wahrnehmung und privatem Leben. Ruhm ist kein festes Maß, Bekanntheit kein einheitliches Gefühl. Während die einen Begegnungen als kurze, schöne Momente wahrnehmen, erleben andere die gleiche Situation ganz anders. Genau deshalb wollen wir das Bild erweitern. Also haben wir erneut nachgehakt. Drei weitere Künstler aus der Szene haben sich unseren Fragen gestellt und drei weitere Sichtweisen haben wir nun in Teil Zwei für euch aufgeführt.

Bekanntheit zwischen Szene und Alltag

07_Neurotox_Toxfest_Samstag_2_8_2025_Lisa-Berg-04 Abseits der Bühne: Wie Künstler mit Ruhm und Rampenlicht leben – Teil 2

Neurotox, ist eine Band, die in der Szene längst kein unbeschriebenes Blatt mehr ist. Der Kopf des Ganzen: Marius Stark. Als wir ihn fragten, inwiefern sich sein Leben durch die Jahre mit der Band verändert hat, bekamen wir prompt eine Antwort.

VRR: Marius, als Gesicht von Neurotox und als jemand, der auch im Bereich Social Media sehr präsent ist, seid ihr als Band nun schon viele Jahre aktiv. Was hat sich für dich persönlich in dieser Zeit verändert und hat sich dein Leben dadurch überhaupt spürbar gewandelt?

Marius: Einen wunderschönen guten Morgen und noch mal vielen lieben Dank, dass du dabei auch an mich gedacht hast. Darüber freue ich mich sehr. Wie ist das Leben so? Das Leben ist natürlich ganz schön. Also ich muss ganz ehrlich sagen: Im Privatleben ist es natürlich anders als auf Veranstaltungen, Konzerten oder Festivals. Wir machen ja Musik, die jetzt in der Regel, sage ich mal, die Leute in der Stadt oder im Dorf, wo ich wohne, nicht unbedingt aus Film und Fernsehen kennen. Das ist ja überwiegend Szene. Aber die Leute, die unsere Musik hören, da ist es auf Festivals und Konzerten schon sehr, sehr viel, dass man da teilweise wirklich keine fünf Meter gehen kann. Ich möchte gar nicht wissen, wie es bei wirklich bekannten Leuten aus der Szene aussieht, die wir damit bestücken. Da wird es wahrscheinlich noch viel schlimmer sein. Das ist schon echt krass.

VRR: Wie gehst du grundsätzlich mit Aufmerksamkeit und Anerkennung um, wenn dich Leute wegen der Musik ansprechen?

Marius: Natürlich freue ich mich darüber, auch wenn es manchmal anstrengend ist. Es ist aber eben auch nicht selbstverständlich, dass die Leute einen kennen, nur weil man Musik macht. Dementsprechend sehe ich das als schöne Rückmeldung und als etwas Positives, denn die Leute könnten ja auch einfach an einem vorbeigehen. Und ich weiß auch, dass nicht jeder einen anspricht. Also vermute ich sogar, dass noch eine Handvoll Leute mehr einen kennen. Ich selbst spreche auch nicht jeden an, nur weil ich mal irgendwo ein Video gesehen habe. Dementsprechend ist das wirklich sehr schön.

VRR:  Wie wirkt sich diese Bekanntheit bei dir konkret im Privatleben aus?

Marius: Im Privatleben ist es so, dass ich jetzt nicht mit Mütze und Schal im Gesicht durchs Dorf laufen muss. Natürlich kennen mich hier sehr viele, einfach weil ich schon immer hier wohne und die wissen, was ich mache. Auch bei uns in der Stadt wissen viele, was ich tue und da wird man schon auch mal von Fremden angesprochen. Aber das sind dann Leute, die die Musik kennen. Jetzt waren wir hier lokal auch sehr viel in der Zeitung, deshalb kommt das schon ein paar Mal vor. Ansonsten sind es Freunde, Bekannte, Familie, die freuen sich darüber, aber die sprechen mich nicht nach Fotos oder so an, weil sie mich eben kennen. Dementsprechend ist es im Arbeits-Umfeld schon eine andere Geschichte. Ich arbeite ja im sozialen Bereich, ich bin Sozialarbeiter, und da kam es auch schon ein paar Mal vor, dass mich Leute, die wir betreuen oder Fremde, die ich vorher nicht kannte, angesprochen haben: „Oh, du bist doch der und der, voll krass!“ Also wie gesagt, solche Dinge kommen auch vor, und darüber freue ich mich sehr.

Zwischen Studio, Bühne und Menschsein

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Foto: Akastos Tanarosson

Auch Matthias Kupka haben wir zu Wort kommen lassen. Als Produzent mit einem eigenen Studio arbeitet er regelmäßig für andere Bands und kennt die Musikszene. Über die Jahre hinweg stand er selbst mit Bands wie Emergency Gate oder Wilde Jungs auf der Bühne und hat beide Seiten des Musikerlebens intensiv erlebt. Die kreative Arbeit im Hintergrund, genauso wie die direkte Begegnung mit Publikum und Szene. Genau diese doppelte Perspektive macht seine Sicht auf das Thema besonders spannend.

VRR: Matthias, du kennst die Musikszene sowohl aus dem Studio als Produzent als auch von der Bühne mit eigenen Bands. Wie unterschiedlich erlebst du die Aufmerksamkeit in diesen beiden Rollen?

Matthias: Das ist total unterschiedlich. Am Anfang war das natürlich cool. Gerade auf Festivals, ob Wacken, Nova Rock oder im Ausland ist das schon heftig. Besonders in Asien habe ich das extrem erlebt. Wenn du da als deutscher Künstler ankommst und bei einer Autogrammstunde plötzlich hunderte Meter Schlange stehen, nur wegen dir, dann fühlt sich das erst mal richtig gut an. Fotos, Gespräche, diese Begeisterung, das macht Spaß.

VRR: Gab es irgendwann einen Punkt, an dem sich diese Aufmerksamkeit für dich verändert hat?

Matthias: Irgendwann kommt der Punkt, da ist es auch einfach genug. Du kannst ja schlecht sagen: „So, jetzt habe ich keinen Bock mehr.“ Du ziehst das durch, weil die Leute sich freuen. Trotzdem denkst du dir irgendwann: Jetzt ist auch mal gut. In meiner Heimat zum Beispiel ist das wiederum ganz witzig. Jeder kennt dich, du wirst in Kneipen eingeladen, Leute freuen sich, wenn sie dich sehen. Das hat schon seine schönen Seiten. Aber es gibt eben auch die andere. Wenn du einfach mal alleine irgendwo sitzen willst, in Ruhe ein Bier trinken und ständig kommen Leute an, dann wird es anstrengend. Und sobald du sagst, dass du gerade deine Ruhe willst, heißt es sofort: „Der ist aber arrogant geworden.“ Dabei hat das nichts mit Arroganz zu tun. Man will einfach nur mal kurz Mensch sein und nicht Künstler.

VRR: Wie wirkt sich das auf dein Privatleben aus, wenn du ständig erkannt oder angesprochen wirst?

Matthias: Schwierig wird es, wenn du privat unterwegs bist, zum Beispiel mit einer Freundin oder mit Freunden. Wenn du dann ständig angesprochen wirst, geht Zeit verloren, die eigentlich für die Menschen gedacht war, mit denen du unterwegs bist. Das kann schon nerven. In der Zeit, in der ich besonders viel unterwegs war, war das noch extremer. Nach TV-Auftritten, zum Beispiel bei ProSieben, wurde man über Wochen oder Monate überall erkannt. Einerseits ehrt dich das total, und ohne die Menschen gäbe es ja auch keinen Erfolg. Andererseits hast du eben nie die Möglichkeit zu sagen: Heute nicht.

VRR: Hat sich dadurch auch dein Verhalten im Alltag oder bei Konzerten verändert?

Matthias: Ja, ich gehe privat zum Beispiel kaum auf Konzerte. Es reicht mir, wenn ich selbst spiele oder beruflich dort bin. Privat ist mir das oft einfach zu viel. Es ist ein ständiger Zwiespalt.

Geerdet bleiben, wenn andere hochschauen

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Den Abschluss unserer Umfrage macht Andreas, Gitarrist der Band Schlussakkord.

VRR: Andreas, du stehst mit Schlussakkord regelmäßig auf der Bühne. Wie hat sich dein Leben durch die Musik und die erste Aufmerksamkeit rund um die Band verändert?

Andreas: Ich denke und hoffe, dass ich in dieser Hinsicht sehr geerdet geblieben bin. Mir macht es Spaß, auf der Bühne zu stehen und meiner Leidenschaft nachgehen zu können. Doch am Ende bleibt immer die Gewissheit: Wir kochen alle nur mit Wasser. Natürlich war das ein Gefühl von Rockstar, als damals die ersten Leute ankamen und ein Foto oder ein Autogramm wollten. Man genießt das auch, keine Frage. Aber es gibt auch andere Seiten, wovon mir ein Beispiel sehr hängen geblieben ist. Auf dem Baltic Open Air habe ich eine Viertelstunde auf einen Fan eingeredet, der sich freute, mit einem Star zu reden. Ich habe ihm erklärt, dass ich vielleicht auf und er vor der Bühne steht, er dafür aber sicher etwas anderes besser kann als ich und ich demnach kein besserer oder tollerer Mensch bin als er. Am Ende des Gesprächs ging es sogar um das Thema Suizidgedanken. Ich hoffe, ich konnte ihn damit von seinen Gedanken abbringen. Ob das so ist, weiß ich allerdings nicht.

VRR: Spürst du diese Aufmerksamkeit auch in deinem Alltag außerhalb der Bühne?

Andreas: Auswirkungen auf das Privatleben hat es eigentlich so gut wie gar nicht. Ich wurde beim Einkaufen zweimal gegrüßt und im Fußballstadion schon mal um ein Foto gebeten, aber das war es auch schon. Wobei mich auch immer mal Leute grüßen, bei denen ich überlege, woher ich sie kenne, aber das muss nicht zwangsläufig über die Musik sein.

VRR: Hat sich durch die Konzerte oder den wachsenden Bekanntheitsgrad etwas in deinem Freundeskreis oder Umfeld verändert?

Andreas: Veränderungen hat man bei einigen wenigen Freunden hier und da bemerkt, als es anfing, dass man auch größere Konzerte gespielt hat. Dass einem der ein oder andere einen Sonderstatus zusprechen wollte, wenn auch sicher eher unbewusst. Aber da habe ich immer klargemacht, dass ich mich nicht verändert habe und keine Extrawurst brauche oder will. Es begrenzt sich also hauptsächlich auf Konzerte. Da macht es auch Spaß, besonders weil man merkt, dass man so einfach Menschen eine Freude machen kann. Am meisten natürlich, wenn mich Kinder fragen, ob sie ein Foto, ein Plektrum oder eine Unterschrift haben können.

Verschiedene Wege, ein gemeinsamer Kern

Mit Teil Zwei von Abseits der Bühne: Wie Künstler mit Ruhm und Rampenlicht leben haben wir weitere Einblicke in ganz unterschiedliche Lebensrealitäten bekommen. Sechs Künstler, sechs Sichtweisen, sechs persönliche Erfahrungen und doch zeigen alle Gespräche einen gemeinsamen Nenner: Bodenständigkeit, Dankbarkeit und der Wunsch, trotz Bühne Mensch zu bleiben. Ob Szenegröße, Produzent oder Gitarrist, Ruhm und Aufmerksamkeit werden nicht als Selbstverständlichkeit gesehen, sondern als Momentaufnahmen, die ebenso schöne wie herausfordernde Seiten haben. Diese Offenheit und Ehrlichkeit machen deutlich, dass es keine allgemeingültige Wahrheit gibt, sondern viele individuelle Wege im Umgang mit Bekanntheit.

Wir bedanken uns bei allen Künstlern für ihre Zeit, ihr Vertrauen und die persönlichen Einblicke. Genau diese Stimmen zeigen, dass hinter jeder Bühne Menschen stehen, mit Gedanken, Zweifeln, Freude und Verantwortung. Und genau dort, abseits der Bühne, beginnt oft die eigentliche Geschichte.

Redaktionell verantwortlich für diesen Artikel:

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Crew | Redaktion

Schon als kleiner Stöpsel bin ich mit deutscher Rockmusik groß geworden. Die Böhsen Onkelz waren selbst in der fünften Klasse schon Pflichtprogramm. Eine kurze Abschweifung in ein anderes Genre hat mich trotzdem wieder sehr schnell auf die richtige Bahn gebracht.

Kurze Zeit später fanden auch Musikrichtungen wie Punkrock, Metal oder Alternativrock ihren Weg zu mir. Ich bin offen für Neues aber meiner Linie werde ich auf ewig treu bleiben.

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