33RPM: Punkrock und der Mut, anders zu sein
Der Punkrock war schon immer etwas anders. Es geht vor allem um eigene Wege und darum, sich nicht verbiegen zu lassen. Bei diesem Spirit trifft 33RPM mit ihrem Sound genau auf den Punkt. Punkrock trifft auf Ska, Rap-Elemente mischen sich dazu und die Texte nehmen kein Blatt vor den Mund. Die Band hat ihren ganz eigenen Charakter entwickelt, ohne sich in eine Schublade stecken zu lassen. Aber wie viel Absicht steckt hinter diesem eigenen Stil, was darf Punkrock heute noch und wo hört die Toleranz auf? Darüber haben wir mit 33RPM gesprochen.
VRR: Ihr habt musikalisch ziemlich schnell euren eigenen Sound entwickelt. Gab es für euch von Anfang an Bands oder eine musikalische Richtung, von der ihr bewusst gesagt habt, so wollen wir auf keinen Fall klingen?
33RPM: Geil einfach mal andersherum gefragt, als es 99,9% der anderen machen. Sozusagen anders als die anderen, will man nicht unbedingt wie eine andere Band klingen, sondern klingen wie man selbst. Volksmusik oder was in diese Richtung wird es bei uns gewiss nie geben, dafür haben wir denen aber schon Trompeten und Bläser in einigen Songs geklaut. Wenn du aber wissen möchtest, was wir selber gerne hören. Das geht von K.I.Z. über Swiss bis Electric Callboy, von Alligatoah bis The Interrupters.
VRR: In der Musikszene gibt es viele Bands, die sich zwischen Punk, Rock und Ska bewegen, trotzdem habt ihr einen ziemlich eigenen Charakter. Gibt es etwas, von dem ihr euch als Band ganz bewusst distanzieren wollt? Musikalisch, textlich oder auch in dem, wofür eine Band stehen sollte?
33RPM: Danke, das geht herunter wie Öl. Nun, 33RPM klingt wie 33RPM. Ziel erreicht. Auch das ist echt schwierig. Es gibt so viele Stilrichtungen, so viele Farben und Ausprägungen. Solange es authentisch ist, ist es auch gut. Zum einen passt eben mehr Metal, zum nächsten Jazz. Der eine ist wütender, der nächste feiert sich lieber. Es steht keinem zu, andere zu werten, was andere Künstler machen. Soweit der Erfolg recht gibt. Ausgenommen es ist irgendein Fascho Müll, Rassismus und jeglicher menschenfeindliche Dreck. Da endet die Toleranz.

Punk ist eine Haltung und keine Frage der Nieten
VRR: Punk war schon immer eine Musikrichtung, die sich nicht unbedingt an Regeln gehalten und gerne den Finger in die Wunde gelegt hat. Was bedeutet Punk für euch heute und wo muss Punk im Jahr 2026 vielleicht auch neue Wege gehen?
33RPM: Da wirst du ein Buch darüber schreiben können. In einem Satz, Punk ist Rebellion. Da geht es gewiss nicht um Mode, Irokesen oder Nietengürtel. Es ist eine Haltung, ein Gefühl, tief in dir drin. Für uns ist es einfach die Musik, mit der wir aufgewachsen sind und die uns heute prägt. Bad Religion, No use for a Name, Slime, Wizo, Lagwagon, NOFX und natürlich Roxette. Seit den frühen 2000ern bis heute geht Punk schon ganz andere Wege. Die Leute sind anders, die Szene ist anders. Ich glaube, bei Punk ist das Motto wichtig: Einen Scheiß muss ich.
VRR: Mit „Wenn wir still sind“ habt ihr Ende Juli eure neue Single veröffentlicht. Allein der Titel wirkt schon wie ein kleiner Gegensatz zu einer Band, die normalerweise ziemlich laut und direkt daherkommt. Was steckt hinter dem Song und warum war gerade jetzt der richtige Zeitpunkt dafür?
33RPM: Findest du? Der Song ist gar nicht so still. Der Titel wirkt so, wenn du aber genau hinhörst, wirst du merken, dass der Song das Gegenteil will. Der Zeitpunkt wird nie falsch sein, für so eine Botschaft. Gerade in 2026, wo gesellschaftlich vieles immer schwieriger wird, passt der Song gut. Wir haben die Nummer bereits 2025 für das neue Album geschrieben, da wussten wir noch nicht, wie irre 2026 werden würde.
VRR: Eure bisherigen Songs können ziemlich laut, wütend und gesellschaftskritisch sein, gleichzeitig gibt es bei euch auch persönlichere und emotionalere Momente. Ist „Wenn wir still sind“ vielleicht eine Seite von 33RPM, die man bisher noch nicht so deutlich gehört oder gesehen hat?
33RPM: Doch, der Song zeigt klare Haltung und bleibt dennoch respektvoll. Wir sind vor einigen Jahren genau dafür angetreten: gegen Spaltung und für Dialog. Zugegeben, das scheint immer schwieriger zu werden. Leider mussten und müssen wir in unserem eigenen Umfeld vermehrt feststellen, dass man die eigene Haltung an der Türe abgeben soll, damit man bloß nicht aneckt. Immer mehr Leute enden mit ihrer Toleranz immer genau dort, wo sich die Ansicht des Gegenübers nicht mit der eigenen Meinung deckt. Aber der Song ist schon genau so, wie wir am Ende sind und es immer waren. Dieser Song fordert die Leute auf, die derzeit leise oder eingeschüchtert sind, einfach laut zu sein und Haltung zu zeigen. Ein bisschen wie Danger Dan, nur nicht ganz so militant.
Mehr Tempo, mehr 33RPM
VRR: Eine neue Single ist oft mehr als nur ein einzelner Song, gerade wenn gleichzeitig an einem neuen Album gearbeitet wird. Verrät „Wenn wir still sind“ schon etwas darüber, in welche musikalische und inhaltliche Richtung sich das neue Album bewegt?
33RPM: Nicht wirklich, es sind völlig verschiedene Nummern und Themen. Generell wird die Platte lauter, schneller und deutlicher. Die Zeiten sind anders und die Band hat sich ja weiterentwickelt. Das erste Album haben wir kurz nach der Gründung begonnen zu schreiben. Es waren teilweise Songs da, die ich mitgebracht habe. Wir haben viel experimentiert, ausprobiert und mittlerweile wissen wir und unser Produzent schon ziemlich gut, wie wir klingen und wohin wir wollen. Es kommt halt viel Erlebtes mit hinein. Die letzten zwölf Monate waren schon sehr prägend.
VRR: Mit eurem Debüt ’NEN SCHEISS MUSS ICH! habt ihr 2023 direkt Platz 92 der deutschen Albumcharts erreicht. Wenn ihr das Album heute mit dem vergleicht, woran ihr gerade arbeitet: Was wollt ihr diesmal bewusst anders machen und was muss für euch trotzdem unverkennbar nach 33RPM klingen??
33RPM: Das habe ich an sich gerade schon vorweggenommen. Das zweite Album wird zu 100 % ein Werk sein, welches wir vier gemeinsam erschaffen. Es gibt keine Songs mehr, die schon irgendwie in einer Schublade waren. Es gibt mittlerweile einige Jahre gemeinsamer Zeit und Geschichte. Was natürlich immer bei uns bleibt, ist der Offbeat, Ska und die Bläser. Was in jedem Falle passieren wird, es wird schnelle Songs geben. Die nächste Single ist zum Beispiel entstanden, weil unser Fabi etwas sehr Persönliches aufgeschrieben hat. Dann haben wir damit gearbeitet und „Wer, wenn nicht wir“ ist entstanden. Spoiler der Song kommt am 18.9.
Der Algorithmus kann uns mal

VRR: Wie findet ihr die Balance zwischen musikalischer Weiterentwicklung und dem Sound, für den eure Fans 33RPM kennen und lieben?
33RPM: Wir machen Musik nicht für die Fans, sondern nur für den Algorithmus, könnte man meinen. Aber im Ernst, da machen wir uns nicht so viel den Kopf. Das, was wir da machen, ist in uns drin. Es ist auch nicht so, dass jeder Song der nächste Hit wird. Die letzten Jahre haben genug Stoff geliefert, um darüber zu schreiben. Die Komposition folgt da gerne dem Text und den Emotionen und die Einflüsse, die einen prägen, kommen dann eh immer wieder heraus. Das wird mit teils verrückten Ideen vermengt. „Lack gesoffen?“ ist beispielsweise ein Song, der an sich total verrückt aufgebaut wurde. Harmonisch, kompositorisch und auch der Ändi-Sprechgesang fielen da ziemlich aus dem Rahmen. Wir hätte damals nie gedacht, dass der so gut ankommt. Tut er aber. Solche Erfahrungen geben einem dann eher den Mut, das nächste verrückte Ding zu zünden.
VRR: 33RPM steht für Punkrock, Ska und eine ordentliche Portion Wir machen unser Ding. Was ist etwas, bei dem ihr inzwischen ganz bewusst sagt: „Das müssen wir nicht mitmachen, nur weil es in der Musikbranche eben so gemacht wird“?
33RPM: Spotify. Manches musst du gewiss mitmachen, vieles musst du aber eben nicht mitmachen. Man kann einfach auch nein sagen. Auch wenn es weh tut. Wir werden zukünftig, aber bestimmt keine zwei Minuten Songs schreiben, die immer gleich aufgebaut sind, damit uns der Algorithmus liebt. Der Typ kostet uns eh schon genug Zeit und Nerven.
VRR: Mit der neuen Single und dem kommenden Album beginnt für 33RPM ein neues Kapitel. Könnt ihr schon verraten, wann wir ungefähr mit dem neuen Album rechnen dürfen, eher Anfang, Mitte oder Ende 2027?
33RPM: Mitte 2027 wird das Album präsentiert. Vorbestellen wird man es früher können. Infos dazu folgen noch. Das regelt gerade alles unsere D.I.Y. Plattenfirma Mad Raccoon Records gemeinsam mit unseren neuen besten Freunden aus Hamburg. Im Rahmen einer kleinen Release Tour, wird gerade einiges auf die Beine gestellt. Zu Gast sind unter anderem Rogers, Butterwegge, Erektion und viele mehr.
Wir danken 33RPM für das ausführliche Interview und freuen uns sehr auf das Jahr 2027 mit ihnen.
Redaktionell verantwortlich für diesen Artikel:
Crew | Redaktion
Schon als kleiner Stöpsel bin ich mit deutscher Rockmusik groß geworden. Die Böhsen Onkelz waren selbst in der fünften Klasse schon Pflichtprogramm. Eine kurze Abschweifung in ein anderes Genre hat mich trotzdem wieder sehr schnell auf die richtige Bahn gebracht.
Kurze Zeit später fanden auch Musikrichtungen wie Punkrock, Metal oder Alternativrock ihren Weg zu mir. Ich bin offen für Neues aber meiner Linie werde ich auf ewig treu bleiben.








