Interview mit Vera Lux – SUPERNOVA

Manchmal braucht es keinen Blick zurück, sondern den Mut, etwas neu zu denken. Mit SUPERNOVA hat Vera Lux genau diesen Schritt gewagt und ihrem bisherigen Weg ein neues Kapitel hinzugefügt. Neues Album, neue Ideen und mit dem Aurora Fest sogar eine eigene Veranstaltung vor der Haustür. Bei der Band aus Nürnberg ist derzeit einiges in Bewegung. Wir haben mit Felix und Inara über Sterne, Songs, verrückte Tour-Geschichten und die kleinen und großen Pläne gesprochen.

Ein neuer Anfang unter alten Sternen

VRR: Euer neues Album SUPERNOVA erschien am 24. Juli 2026. Eine Supernova ist einerseits das spektakuläre Ende eines Sterns gleichzeitig aber auch der Anfang von etwas Neuem. Warum passt dieser Titel so gut zu eurem neuen Album?

Felix: Tatsächlich markiert SUPERNOVA einen wichtigen Neuanfang für uns. Wir haben auf dem Weg zum dritten Album viel Neues ausprobiert und versucht, aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre zu lernen. Das hat uns zu einem neuen Selbstverständnis geführt und so mancher Ansatz musste neuen Arbeitsweisen weichen. Gerade die enge Zusammenarbeit mit unserem Produzenten Simon war eine völlig neue Erfahrung. Dank seiner Mitarbeit konnten wir unser Songwriting auf ein neues Level heben und unseren Sound weiterentwickeln. SUPERNOVA verkörpert unsere Energie und Leidenschaft für die Musik und wir sind fest davon überzeugt, dass dieses Album noch lange nicht das Ende, sondern einen neuen Anfang markiert.

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VRR: Mit Songs wie „Aurora“, „Lass mich fliegen“ und „Supernova“ zieht sich das Thema Himmel und Universum irgendwie durch eure Musik. Schaut ihr nachts tatsächlich öfter nach oben oder klingt es einfach verdammt gut?

Felix: Tatsächlich ziehen sich die Themen „Himmel“, „Universum“ und vor allem „Sterne“ in den unterschiedlichsten Facetten durch fast alle Songs des neuen Albums. Wir wollten trotz der vielfältigen textlichen Inhalte einen roten Faden durch unsere Bildsprache unserer Songs ziehen. Am Anfang des Schreibprozesses war das nur eine einfache Idee, doch dann hat sich diese wie von allein weiterentwickelt. Uns faszinieren schon immer alle Wörter und Themen rund um Licht und Schatten. Das bringt vielleicht auch unser Bandname ein wenig mit sich. Ich schaue aber tatsächlich regelmäßig in den Nachthimmel. Er zeigt mir wie klein und unbedeutend doch alles ist, verglichen mit dem schier endlosen All. Und das erinnert mich dann wieder daran, einfach den Augenblick und mein jetziges Dasein zu genießen. Übrigens kann ich sehr empfehlen, das Album einmal unter dem Nachthimmel am Lagerfeuer zu hören.

VRR: Jede Band hat diesen einen Song, der im Studio plötzlich komplett anders geworden ist als ursprünglich geplant. Welcher Titel auf SUPERNOVA hat euch beim Schreiben oder Aufnehmen am meisten überrascht?

Inara: Mit „Zeit“ wollen wir ein Zeichen für die Erinnerungskultur und gegen den wieder erstarkenden Faschismus setzen. Bei den Aufnahmen im Studio kamen deshalb viele Emotionen und eine Art rebellische Energie auf. Das hat den Song für uns noch einmal deutlich intensiver gemacht. Außerdem hat uns „Jetzt und Hier“ überrascht. Hier haben wir schon beim Schreiben gemerkt, dass ganz viel von unserer Live-Spielfreude im Song steckt und heraus kam ein lebensbejahender Partysong zum Abgehen.

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Ein Fest nach eigenen Vorstellungen

VRR: Am 3. Oktober veranstaltet ihr mit dem Aurora Fest 2026 in Nürnberg eure eigene Veranstaltung. Wann kam der Moment, an dem ihr gesagt habt: „Wisst ihr was? Wir machen jetzt einfach unser eigenes Ding!“ Und wie verrückt fühlt sich dieser Gedanke heute an?

Felix: Das war auf einer Autofahrt zum nächsten Gig. Wir sprachen über die ganzen tollen Mittelalterszene-Veranstaltungen, die es noch vor einigen Jahren in unserer Heimatstadt Nürnberg gab. Uns fiel auf, dass viele davon nicht mehr existieren oder verdientermaßen sehr groß geworden sind. Wir wollten also selbst etwas in Leben rufen. Eine „hautnahe“ Veranstaltung, die mehr ist als ein Konzertabend: das Aurora Fest. Es gibt neben den Auftritten toller aufstrebender Szenebands einen von uns liebevoll in Szene gesetzten Außenbereich mit Lagerfeuerstellen, Sitzmöglichkeiten, einen Foodtruck, den Merchandise-Stand und Live-Musik in den Umbaupausen.

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VRR: Jede Veranstaltung hat irgendwann einen kleinen Moment, in dem kurz Chaos ausbricht. Was glaubt ihr, wodurch wird das erste kleine Chaos auf dem Aurora Fest 2026 entstehen? Und wer aus der Band wird vermutlich mittendrin statt nur dabei sein?

Inara: Zum Glück haben wir eine großartige Crew und bisher konnte jede Herausforderung gut gemeistert werden. Chaotisch könnte es aber tatsächlich werden, wenn die Folkinstrumentalisten der drei teilnehmenden Bands versuchen, ihre Drehleiern, Dudelsäcke, Bouzukis, Flöten, Harfen und Geigen im doch sehr kuscheligen Backstage zu stimmen – da sind dann natürlich auch unsere „Folkis“ mittendrin.

VRR: Jede Band erlebt unterwegs Geschichten, die man eigentlich niemandem erzählen kann. Welche Tour- oder Festivalanekdote bringt euch heute noch zum Lachen, obwohl sie in dem Moment wahrscheinlich überhaupt nicht lustig war?

Inara: Spontan kommen da gerade ganz viele Erinnerungen der „Mit Sack und Pack Tour 2026“ hoch, auf welcher wir für unsere Freunde von Haggefugg als Support dabei sein durften. Von Entführungen einzelner Bandmitglieder, mit Zahlenschloss abgesperrten Backstage Kühlschränken, abgeänderten Setlists oder Wackelaugen auf Instrumenten. Diese Tour hat unzählige Geschichten und Anekdoten hervorgebracht. Auf der „Wahnsinn, Rock und Dudelsack Tour“ 2027 begleiten wir Haggefugg erneut und es werden sicherlich viele weitere verrückte Momente entstehen.

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Wenn SUPERNOVA plötzlich Achterbahn fährt

VRR: Stellt euch vor, SUPERNOVA wäre kein Album, sondern ein Freizeitpark. Welche Attraktionen würden dort auf keinen Fall fehlen? Und welches Bandmitglied würde garantiert im Souvenirshop hängen bleiben, während die anderen schon auf der Bühne stehen?

Felix: Natürlich hat unser SUPERNOVA-Freizeitpark ein integriertes Themenhotel. Das heißt Aurora und führt euch durch die Nacht. Es gibt auch ein angegliedertes, edles Restaurant, gibt es ein explosives Geschmackserlebnis. Gleich am Eingang des Parks erwartet euch unser Free-Fall-Tower „Lass mich fliegen“. Im „Abyss“, einem Dunkelcafé, kann man bei einem Heißgetränk über sein wahres Ich philosophieren. „Zeit“ ist ein Museum, in dem vor allem Erinnerungskultur gelebt werden soll, damit der Faschismus nie wieder eine Chance hat. „Jetzt und hier“ ist eine Achterbahn, die so viel Power hat, dass man gar nicht anders kann, als im Moment zu sein. Kommen wir zur Geisterbahn. „Lucifer“ arbeitet mit ganz viel Feuer und den größten aller Schrecken: Dudelsäcke. „Lauf“ ist ein Funhouse mit jeder Menge Hindernissen und das einzige wichtige ist, wenn du dabei fällst, steh wieder auf. Für alle diejenigen, die eine Auszeit brauchen, gibt es das „Dornenreich“. Ein Ort zum Ausruhen und Pause machen.

VRR: Zum Schluss ein Gedankenexperiment: Ihr dürft einen Abend lang mit einer beliebigen Band der Welt tauschen, egal ob aktuell oder aus der Musikgeschichte. Mit wem würdet ihr tauschen und was würdet ihr als Vera Lux an diesem Abend wahrscheinlich anders machen als die Originalbesetzung?

Felix: Corvus Corax spielt am 11.09.2026 auf dem Festival Medieval noch einmal eine Cantus Buranus Show. Das ist ein richtiges Spektakel aus Dudelsäcken, einem Orchester und einem Chor. Wir spielen am 13.09.2026 auch dort und werden sicher schon früher anreisen, um das noch einmal zu sehen. In eurem Gedankenspiel würden wir sehr gerne unseren Slot am Sonntag auf der Hauptbühne, gegen den von Corvus Corax tauschen und dabei den Chor, das Orchester und natürlich auch die großartigen Musiker von Corvus Corax auf der Bühne behalten. Unsere Show wäre dann auf jeden Fall ein gutes Stück härter. Wir würden wahnsinnig gerne irgendwann einmal etwas Ähnliches aufziehen. Immerhin haben Matthias und unser Produzent Simon wunderschöne orchestrale Spuren zu den Songs von SUPERNOVA angelegt. Das würde sich in so einem Setting sicher gut machen.

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Redaktionell verantwortlich für diesen Artikel:

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Crew | Fotograf

Mein musikalischer Weg hat viele Abzweigungen. Von Mittelalter über diverse Subgenres des Metals, bis hin über die Tiefen des Rocks. Geprägt von den Onkelz, In Extremo und Rammstein führt heute kein Weg mehr an In Flames, Parkway Drive und Machine Head vorbei.

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