Rockwasser im Vollgas Richtung Rock Interview
Manche Bands kommen und gehen. Andere sind plötzlich überall und ein Jahr später schon wieder verschwunden. Und dann gibt es da noch diese wenigen Bands, die einfach bleiben. Ohne großes Theater, ohne sich jedem Trend anzupassen. Einfach, weil sie seit Jahren das tun, worauf sie Bock haben. Rockwasser gehört zweifellos dazu. Seit mehr als zwei Jahrzehnten stehen die Jungs mittlerweile auf den Bühnen des Landes. Sie haben Höhen und Tiefen erlebt, die Deutschrock-Szene wachsen sehen und sind dabei immer Rockwasser geblieben. Mit ihrem neuen Album GEBOREN FÜR DIE EWIGKEIT schlägt sie nun das nächste Kapitel ihrer Bandgeschichte auf.

Grund genug für uns, einmal nicht die üblichen Promo-Fragen zu stellen. Uns interessiert nicht nur das neue Album, sondern vor allem die Menschen hinter der Musik. Die Momente, über die selten gesprochen wird. Die unbequemen Antworten und die Geschichten, die man nach über 20 Jahren Bandgeschichte eben nur dann erzählen kann, wenn man bereit ist, auch einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Genug der Vorrede, hier sind unsere zehn Fragen an Rockwasser.
VRR: 22 Jahre Rockwasser, worauf seid ihr heute weniger stolz als noch vor zehn Jahren?
Rockwasser: Auf nichts. Alles, was wir in den letzten 22 Jahren gemacht haben – egal ob gute oder schlechte Entscheidungen – hat uns genau dahin gebracht, wo wir heute stehen. Klar würden wir heute manches anders machen. Aber genau unsere Fehler, Umwege und manchmal auch richtig bescheuerten Entscheidungen haben Rockwasser zu dem gemacht, was wir heute sind. Und ganz ehrlich, gerade die Geschichten, über die wir heute am meisten lachen, waren damals meistens die Momente, in denen wir dachten: Scheiße, und jetzt?
VRR: GEBOREN FÜR DIE EWIGKEIT klingt nach einem verdammt großen Titel. Geht es dabei um die Band, eure Freundschaft oder vielleicht auch darum, irgendwann etwas zu hinterlassen?
Rockwasser: Von allem ein bisschen. Natürlich wäre es schön, wenn sich irgendwann jemand an Rockwasser erinnert. Aber eigentlich geht es um die Momente, die bleiben. Freundschaften, Erinnerungen, Konzerte und Menschen, die unsere Songs mit ihrem eigenen Leben verbinden. Wenn unsere Musik auch nur bei einem Menschen etwas auslöst, dann hat sie ihren Platz gefunden.
VRR: Ihr wart nie die lauteste Band der Szene und trotzdem immer da. War genau das vielleicht eure größte Stärke?
Rockwasser: Wir hatten nie den Anspruch, die coolste Band im Raum zu sein. Wir haben einfach unser Ding gemacht. Ohne riesige Skandale, ohne großes Theater. Wahrscheinlich ist genau diese Sturheit unsere größte Stärke.

Das Schwanzmessen nervt
VRR: Was hat euch in den letzten Jahren an der Deutschrock-Szene am meisten begeistert und was nervt euch mittlerweile nur noch?
Rockwasser: Mich begeistert an der Deutschrock-Szene, dass Konzerte immer noch echte Treffen sind. Nach dem Gig steht man zusammen am Merchstand, trinkt ein Bier und quatscht mit den Leuten. Genau diese Nähe zwischen Bands und Fans macht die Szene für mich aus. Umso mehr nervt mich dieses ständige Schwanzmessen, wer mehr Streams hat, die größeren Festivals spielt oder mehr Tickets verkauft. Viel zu oft geht es nur noch um Zahlen statt um Musik. Dabei sollte Musik verbinden und nicht ständig ein Wettbewerb sein. Wir gönnen jeder Band ihren Erfolg, weil wir wissen, wie viel Herzblut hinter jeder Band steckt.
VRR: Wenn ihr einen Song aus eurer gesamten Diskografie komplett verschwinden lassen müsstet, welcher wäre es und warum?
Rockwasser: Ein paar ganz alte Dinger würde ich mir heute wahrscheinlich nur noch mit zwei Promille anhören. Aber genau deshalb bleiben sie. Sie erinnern uns daran, dass wir auch mal klein angefangen haben. Jeder Song gehört zu seiner Zeit und erzählt ein Stück unserer Geschichte. Wer behauptet, jeder Song seiner ersten Platte sei ein Meisterwerk, lügt entweder oder hört sich selbst zu gerne reden.
VRR: Wann habt ihr das letzte Mal darüber gesprochen, alles hinzuschmeißen?
Rockwasser: Das war tatsächlich 2014, kurz vor der Veröffentlichung von IMMER NOCH NICHT SATT. Während der Albumproduktion hat sich unser damaliges Label aufgelöst und privat hatte jeder von uns genug um die Ohren. Da haben wir ernsthaft darüber nachgedacht, ob es das jetzt gewesen ist. Das lag aber nie an uns als Band oder daran, dass wir uns nicht mehr verstanden haben. Im Gegenteil, es waren die äußeren Umstände. Zum Glück haben wir weitergemacht. Sonst gäbe es vieles von dem, was danach kam, heute nicht.
Wie in einer guten Ehe
VRR: Wofür werdet ihr innerhalb der Band regelmäßig kritisiert? Wer ist der Chaot, wer der Perfektionist und wer geht den anderen manchmal so richtig auf den Sack?
Rockwasser: Ich bin wahrscheinlich der größte Chaot. Ich bin ziemlich impulsiv, überstürzt, aufgedreht. Ich bin aber auch der, der an einem Video oder Cover so lange herumschraubt, bis alle anderen längst schlafen. Matze ist unser musikalischer Kopf. Er schreibt die Songs, ist unglaublich kreativ, aber gleichzeitig auch extrem selbstkritisch und perfektionistisch. Alex ist ebenfalls eher chaotisch unterwegs. Dafür ist er die unangefochtene Nummer eins, wenn es um Wortspiele geht. Ob die immer gut sind, darüber kann man streiten. Und Michi, der ist die Ruhe selbst. Liegt wahrscheinlich daran, dass er Bassist ist. Der hat in 22 Jahren ungefähr so viele Wörter gesagt wie ich an einem Nachmittag. Und wer nervt? Ganz ehrlich, nach 22 Jahren geht uns jeder mal auf den Sack. Das ist wie in einer guten Ehe: man regt sich furchtbar auf und fünf Minuten später sitzt man wieder zusammen beim Bier.

VRR: Ihr dürft euch selbst keinen Gefallen tun: Welcher Vorwurf gegen Rockwasser ist vielleicht sogar ein kleines bisschen wahr?
Rockwasser: Dass wir manchmal verdammt lange brauchen. Vier Jahre bis zum nächsten Album? Kann man schon mal kritisch sehen. Aber wir veröffentlichen lieber elf Songs, hinter denen wir zu hundert Prozent stehen, als jedes Jahr irgendeinen Schnellschuss herauszuhauen, nur damit der Algorithmus glücklich ist.
VRR: Angenommen GEBOREN FÜR DIE EWIGKEIT wäre euer letztes Album, was müsste nach dem Hören bei den Menschen hängen bleiben?
Rockwasser: Dass Rockwasser nie irgendeinem Trend hinterhergelaufen ist. Wir waren vielleicht nie die größten, nie die lautesten und nie die angesagtesten. Aber wir waren immer wir selbst. Wenn die Leute nach dem letzten Song sagen: Genau dafür hören wir Rockwasser., dann haben wir alles erreicht, was wir erreichen wollten.
VRR: Die letzte Frage gehört euch: Was werdet ihr seit 22 Jahren nie gefragt, obwohl ihr euch die Frage eigentlich wünschen würdet? Und beantwortet sie direkt selbst.
Rockwasser: Das ist doch die Frage, die man stellt, wenn einem nichts mehr einfällt, oder? Die Frage wäre: Wenn Rockwasser nicht eure Band wäre, würdet ihr trotzdem Fan von Rockwasser sein?
Die Antwort dazu: Wahrscheinlich schon. Wir würden zwar sagen: Der Gitarrist labert zu viel, der Schlagzeuger hat einen an der Klatsche, der Sänger hat ständig neue Ideen und der Bassist bewegt sich seit 22 Jahren keinen Zentimeter. Aber genau deshalb würden wir nach dem Konzert trotzdem noch mit den Jungs ein Bier trinken.
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Mitglied im Bundesverband deutscher Pressefotografen (bdp)
Gründete 2017 das Magazin und begann eine ganz neue, "musikalische" Reise durch die rauen Landschaften von Musik, Veranstaltungen und Print- und Online-Medien.









