Songwriting bei WILLKUER: Wenn die Botschaft den Takt vorgibt

Ein eingängiger Refrain, kraftvolle Gitarren und Texte, die mitten ins Herz treffen, genau dafür steht WILLKUER. Doch wie entstehen eigentlich die Songs der Band? Im Interview gewähren die Musiker spannende Einblicke in ihren kreativen Prozess und machen schnell deutlich, dass bei WILLKUER ein Song nicht mit einem Riff beginnt, sondern mit einer Botschaft.

VRR: Wie entsteht ein neuer Song bei euch, geplanter Schritt oder pures Chaos im Proberaum?

WILLKUER: Bei uns ist Songwriting echte Bandarbeit. Es gibt keinen einzelnen Songwriter, der alles vorgibt, jeder von uns bringt seine eigenen Themen mit, die ihm gerade unter den Nägeln brennen. Wir machen das in richtigen Songwriting-Camps, wo alle ihre Ideen auf den Tisch legen und wir gemeinsam daran arbeiten. Das Wichtigste für uns, dass wir nicht mit einem Instrumental anfangen. Bei uns steht das Thema an erster Stelle. Ein guter Slogan, eine klare Aussage. Das ist die Grundlage. Und erst dann bauen wir die Musik drumherum. Das klingt vielleicht umständlich, aber für uns ist es die einzige Art, authentische Songs zu schreiben, die wirklich etwas zu sagen haben. Die Musik folgt der Idee, nicht andersrum.

VRR: Wie viel Schweiß, Streit und Wahnsinn stecken in eurer Vorarbeit?

WILLKUER: Wir sind da ziemlich strukturiert, aber im besten Sinne ein kreativer Zusammenstoß. Jeder entwickelt seine Ideen erst einmal einzeln zu Hause, aus dem Alltag heraus. Dinge, die uns bewegen, die wir beobachten, die uns unter der Haut brennen. Diese persönlichen Themen bringen wir dann mit. Für mehrere Wochenenden fahren wir mit unserem Produzententeam auf eine Hütte und arbeiten dort gezielt und inhaltlich an allen Songs. Das ist kein nächtlicher Kellerexzess, sondern konzentrierte Arbeit auf konstruktiver Basis. Wir diskutieren die Themen, arbeiten sie aus und formen sie zu etwas, das die ganze Band trägt. So funktioniert es bei uns am besten, wenn alle wissen, worum es geht und jeder seinen Teil beisteuern kann.

Emotionen, Schicksalsschläge und ein Song, der vor Lebensfreude nur so sprüht

VRR: Hand aufs Herz – gab es eine Song-Geschichte, die besonders tief geht?

WILLKUER: Ja, absolut. Da ist ein Song dabei, bei dem wir wirklich in die Tiefe gegangen sind. Nicht oberflächlich, sondern emotional und ehrlich. Der Song verarbeitet den plötzlichen Herzstillstand unseres Gitarristen Julian. Aber es ging uns nicht darum, eine traurige Nummer zu schreiben. Es geht darum, seinen Lebensweg danach zu dokumentieren, wie er eine völlig neue Einstellung zum Leben gewonnen hat. Der Song ist am Ende eine Hymne aufs Leben selbst. Er zeigt, dass man sein Leben in vollen Zügen auskosten muss, jeden Moment. Und genau dafür ist die Nummer da. Wenn jemand gerade sehr tief hängt oder einen schweren Schicksalsschlag erlebt hat, soll dieser Song eine helfende Hand sein. Eine positive Kraft, die im besten Fall den Lebensmut zurückgibt. Das ist für uns Rock ‘n’ Roll im besten Sinne: nicht Flucht, sondern Kraft.

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Foto: Willkuer

VRR: Wie roh sind eure ersten Demos wirklich und wann merkt ihr, dass ein Song greift?

WILLKUER: Die allerersten Demos sind ultra minimalistisch und komplett unterschiedlich. Manchmal ist das wirklich nur eine Schrammelgitarre mit ein bisschen Gesang darüber, mehr nicht. Damit gehen wir dann ins Songwriting-Camp und dort passiert schnell viel. Das erste amtliche Demo klingt dann schon richtig fett. Wichtig ist uns in dieser Phase, dass wir relativ schnell merken, ob ein Song greift und ob er Leute abholt. Wir präsentieren ihn dann einem engen Kreis, aber schon auf einem Level, auf dem ehrliches Feedback überhaupt möglich ist. Vom ersten richtig ausgearbeiteten Demo bis zur finalen Version ist es danach gar nicht mehr so ein großer Schritt, wie man denken würde. Dabei sind wir sehr akribisch unterwegs. Die ersten achtzig Prozent – von der ersten Idee bis zum soliden Demo – gehen meist gut von der Hand. Aber die letzten zwanzig Prozent, die tun bekanntlich weh. Wenn der Refrain nicht kickt, wenn eine einzelne Textzeile nicht sitzt, wenn es nicht eingängig und mitsingbar ist, dann gehen wir so lange und so tief rein, bis es wirklich steht. Erst wenn das gesamte Team sagt: „Okay, so ist das ein Song, wie er sein muss“, erst dann wird er veröffentlicht.

Vom rohen Klang bis zum fertigen Song

VRR: Vom ersten Geistesblitz bis zum fertigen Track – Schnellzünder oder Perfektionisten?

WILLKUER: Ganz klar Perfektionisten. Wir wollen mit jedem Song im Prinzip eine Art Single, eine Hymne präsentieren. Songs, die am Schluss eingängig und schnell mitsingbar sind. Das ist eine Menge Arbeit, da steckt richtig viel Energie drin. Wie lange das dauert, ist komplett unterschiedlich und hängt vom Song selbst ab. Das kann zwei Tage gehen, aber auch mehrere Wochen. Wir greifen Songs immer wieder auf, gehen noch mal rein, verfeinern, hören mit frischen Ohren hin. Manchmal brauchst du genau diese Distanz, um zu merken, wo noch etwas nicht rund ist. Aber eines ist sicher: Wenn wir einen Song herausbringen, dann haben wir alles gegeben, was möglich war. Und das hört man dann auch, das dürfen wir so selbstbewusst sagen.

Am Ende unseres Gesprächs wird klar, dass hinter jedem Song von WILLKUER eine Menge Arbeit steckt, aber vor allem ganz viel Herz. Die Band nimmt sich die Zeit, Ideen gemeinsam wachsen zu lassen und erzählt Geschichten, die aus dem echten Leben kommen. Genau das macht ihre Musik so besonders. Sie soll nicht nur zum Mitsingen animieren, sondern auch zum Nachdenken, Mut machen und Menschen ein gutes Gefühl geben. Und genau deshalb freuen sich die Fans immer wieder auf neue Songs, weil sie wissen, dass darin mehr steckt als nur gute Rockmusik.

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