Welcome Back: Nachtgeschrei im Interview
Sieben Jahre lang war es still um Nachtgeschrei. Keine neuen Konzerte, keine großen Ankündigungen, keine Hinweise auf ein Comeback. Dann plötzlich ein Herzschlag auf den sozialen Kanälen und die Gerüchteküche war eröffnet. Was steckt hinter der Rückkehr? Wie fühlt es sich an, nach nun sogar acht Jahren wieder gemeinsam Musik zu machen? Darüber haben wir mit Stefan gesprochen.
VRR: Der Herzschlag war zurück und die Szene direkt hellwach. Im Frühjahr 2018 kam das überraschende Aus, am 07.09.2025 dann plötzlich wieder ein Lebenszeichen auf euren Social Media Kanälen – sinnbildlich ein Herzschlag. Was ist in diesem Moment passiert und wie lange hat das Herz intern schon wieder geklopft?
Stefan: Aus verschiedensten Gründen finde ich, dass die Auflösung damals gar nicht unbedingt überraschend war, aber natürlich hängt dieser Eindruck auch stark davon ab, auf welcher Seite der Zusammenhänge man sich befindet. Nach zwölf Jahren Bandbestehen und sechs veröffentlichten Alben war es auf jeden Fall logisch, dass irgendeine Veränderung ansteht. Natürlich passiert im direkten Anschluss erstmal viel, was die Abwicklung betrifft und dann erstmal auf unbestimmte Zeit einfach nichts. Und irgendwann kommt der Erste auf eine Idee und fragt die Anderen: „Warum eigentlich nicht?“. Als ich den Entwurf des Herzschlag Teasers zum ersten Mal gesehen habe, hatte ich schon ein bisschen Gänsehaut. Und als wir dann online gingen, wurde klar, dass wir damit nicht alleine sind.
20 Jahre Nachtgeschrei – der perfekte Moment für die Rückkehr?
VRR: Am 10.09.2025 folgte die Meldung: 20 Jahre Hörnerfest und 20 Jahre Nachtgeschrei im Jahr 2026. War dieses doppelte Jubiläum der entscheidende Impuls für das Comeback oder hat sich die Reunion unabhängig davon entwickelt?
Stefan: Das anstehende Bandjubiläum war der erste Punkt, um einer Rückkehr auf die Bühne einen Anlass zu geben. Dass sich dann die Möglichkeit ergab, auf dem Hörnerfest zu spielen, mit dem die Band viele Erinnerungen teilt, das war dann das Sahnehäubchen. Und dann auch noch das Jubiläum zu teilen. Gleichermaßen teilen wir eine Geschichte mit dem Münchner TANZT! Festival, auf dem wir schon einige Male zu Gast sein durften und uns sehr freuen, dieses Jahr Teil davon zu sein. Die frühere Tradition eines eigenen Clubkonzerts in der Heimat zum Ende des Jahres hat für uns große Bedeutung. Und das im Kesselhaus des Schlachthofs Wiesbaden spielen zu dürfen, was auch Station der Abschiedstour 2018 war, freut uns sehr.
VRR: Sieben Jahre Funkstille sind eine lange Zeit. Was war letztlich der Auslöser, wieder gemeinsam Musik zu machen? Neue kreative Ideen, das Vermissen der Bühne oder einfach das Gefühl, dass Nachtgeschrei noch nicht auserzählt ist?
Stefan: Mit etwas Abstand ist es klar, dass Nostalgie durchkommt. Öfter, wenn ich z. B. auf langen Autofahrten im Shuffle einen Song von uns drin hatte, dann dachte ich: „Puh, die Zeit gemeinsam, insbesondere auf der Bühne, bleibt unvergessen.“ Gerade die Frage, ob Nachtgeschrei auserzählt war, die hat mich schon beschäftigt. An sich schon, aber so aus dem laufenden Betrieb heraus, dachte ich, vielleicht ist es gar nicht so schlecht, mit Abstand nochmal ein paar wenige Konzerte zu spielen und zu sehen, was das mit uns allen macht.

Blick zurück oder nach vorne?
VRR: In sieben Jahren passiert viel im Leben. Steht Nachtgeschrei 2026 in der bekannten Formation auf der Bühne oder dürfen sich Fans auf personelle Veränderungen einstellen?
Stefan: Die Besetzung auf der Bühne ist unverändert, das war eine der Grundbedingungen. Eine Umbesetzung zu diesem Anlass ergäbe für keinen von uns Sinn und würde die ganze Idee konterkarieren.
VRR: Wie fühlt sich die Rückkehr an? Eher wie ein Klassentreffen mit alten Freunden oder wie ein kompletter Neustart mit frischer Energie?
Stefan: Der Vergleich mit dem Klassentreffen ist schon nicht schlecht. Beim ersten geprobten Ton gab es hier und da sicher auch ein bisschen Gänsehaut. Die frische Energie beziehe ich komplett darauf, dass wir alle für knapp acht Jahre komplett aus der Maschinerie raus waren und nun schlicht anders, freier an die Sache herangehen. Auf die Überschrift deiner Frage bezogen, ist es ein klarer Blick ins jetzt.
Was die Zukunft wohl bringen wird
VRR: Hat die Pause euren Sound beeinflusst? Können Fans mit einer Weiterentwicklung rechnen oder bleibt Nachtgeschrei dem Stil treu, der euch über Jahre ausgezeichnet hat?
Stefan: Über solch einen langen Zeitraum entwickelt sich natürlich jeder weiter. Wir gehen nun, etwas älter geworden, frisch an unser Material heran und sind gespannt, was das Publikum zu unserer jetzigen Interpretation sagen wird. Ich hoffe, dass wir mit unseren vergangenen Veröffentlichungen und Konzerten einen guten Ruf zu verlieren haben. Dem wollen wir gerne einen aktuellen Anstrich geben.
VRR: Ist das Jubiläumsjahr nur ein besonderes Live-Kapitel oder arbeitet ihr bereits an neuem Material? Gibt es schon Gespräche mit einem Label und wie sieht der Plan für die Zukunft von Nachtgeschrei aus?
Stefan: Es gibt aktuell keinerlei Pläne für neues Material. Unsere drei Konzerte im Jubiläumsjahr sind alles, was im Moment feststeht. Natürlich muss ich der Vollständigkeit halber sagen, dass der erste Ton von der Bühne noch nicht gespielt ist. Keine Ahnung, was das mit jedem Einzelnen macht. Weiter konkret geplant ist jedoch, wie gesagt, nichts.
Ob die drei Jubiläumskonzerte ein einmaliges Kapitel bleiben oder doch etwas Neues daraus entsteht, weiß aktuell niemand. Nicht einmal die Band selbst. Sicher ist nur, der Herzschlag ist zurück.
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Mein musikalischer Weg hat viele Abzweigungen. Von Mittelalter über diverse Subgenres des Metals, bis hin über die Tiefen des Rocks. Geprägt von den Onkelz, In Extremo und Rammstein führt heute kein Weg mehr an In Flames, Parkway Drive und Machine Head vorbei.








