Vollgas – Rock & Realtalk: Hast Du Bock Leute zu beschimpfen?
Man kennt das doch. Da sitzt du da, siehst die ganze Scheiße um dich herum und denkst dir: Eigentlich müsste ich jetzt einfach mal komplett eskalieren, alles raushauen, keine Rücksicht, keine Filter. Genau dieser Impuls ist im Punkrock nie weg gewesen. Aber die Realität sieht heute oft anders aus, auch bei Bands wie Neurotox. In der neuen Podcast Folge „Vollgas – Rock & Realtalk“ sprechen wir intensiv mit Marius darüber. Und auch über vieles mehr. Folge 7 und alle bisherigen Folgen könnt ihr hier hören, falls ihr kein Bock auf lesen habt: ZUM PODCAST
Früher war vieles direkter, roher, ungefilterter. Heute hängt an so einer Band mehr als nur ein Haufen Jungs, die im Proberaum Bier trinken und Songs schreiben. Da stehen Strukturen dahinter, Erwartungen, manchmal auch Leute, die am Ende mitentscheiden, was rausgeht und was nicht. Das ist keine klassische Zensur, aber es verändert automatisch die Art, wie man Dinge formuliert. Man überlegt mehr, wägt ab, verpackt Inhalte anders.
Kunst wird zur Angriffsfläche

Und genau da wird es spannend. Denn das bedeutet nicht, dass weniger gesagt wird. Im Gegenteil. Es wird nur anders gesagt. Weniger platt, weniger Parole, mehr zwischen den Zeilen. Wer sich wirklich damit beschäftigt, versteht ziemlich genau, wo die lyrische Reise hingeht. Aber genau dieses Verständnis geht vielen verloren, weil heute alles sofort bewertet wird. Jeder Satz wird aus dem Kontext gerissen, jede Aussage auf die Goldwaage gelegt. Kunst wird nicht mehr als Ausdruck gesehen, sondern als potenzieller Angriff.
Das sorgt dafür, dass viele vorsichtiger werden. Nicht, weil sie keinen Arsch in der Hose haben, sondern weil sie wissen, wie schnell Dinge eskalieren können. Gleichzeitig ist genau das auch die Herausforderung. Dinge so zu formulieren, dass sie sitzen, ohne billig zu wirken. Dass sie wirken, ohne direkt als nächster Shitstorm zu enden.
Eine „Machs Maul Auf“ Szene im Wandel
Parallel dazu hat sich auch die Szene verändert. Früher gab es klare Kanten. Du hattest deine Ecke, deine Leute, deine Musik. Heute verschwimmt das alles. Subkultur ist kein fester Block mehr, sondern eher ein loses Konzept. Viele sehen gleich aus, hören alles ein bisschen, stehen aber für wenig wirklich ein. Diese Reibung, dieses Gegeneinander und dieses klare Anderssein fehlt oft.
Punkrock ist heute nicht mehr nur der Iro, die kaputte Jeans und die Schlägerei nach der Schule. Punkrock ist heute auch die Entscheidung, sein Leben nicht komplett von außen bestimmen zu lassen. Sein eigenes Ding zu machen, auch wenn es nicht der einfachste Weg ist. Sich Freiräume zu schaffen, wo andere längst aufgegeben haben.
Eine Entwicklung ohne klare Strukturen
Marius ist genau so ein Beispiel. Kein glattgebügelter Rockstar, kein Marketingprodukt, sondern jemand, der sich über Jahre sein eigenes Konstrukt aufgebaut hat. Musik, Veranstaltungen, kreative Projekte, ein Leben, das nicht nur aus Funktionieren besteht. Und genau das ist vielleicht der größte Mittelfinger an alles, was heute oft falsch läuft. Denn am Ende geht es nicht darum, wer am lautesten schreit. Es geht darum, wer wirklich etwas zu sagen hat und den Mut besitzt, es auf seine eigene Art rauszubringen. Und vielleicht ist genau das heute der ehrlichste Punkrock, den es noch gibt.
Wer sich diese Folge und auch alle weiteren anhören möchte, kommt HIER entlang. Oder findet uns überall wo es Podcast gibt.
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Mitglied im Bundesverband deutscher Pressefotografen (bdp)
Gründete 2017 das Magazin und begann eine ganz neue, "musikalische" Reise durch die rauen Landschaften von Musik, Veranstaltungen und Print- und Online-Medien.




