25 Lieder gegen Nazis – Teil 3
Auch im dritten Teil unserer Reihe 25 Lieder gegen Nazis wird nicht lange um den heißen Brei geredet. Die nächsten fünf Tracks zeigen auf ihre ganz eigene Weise, dass Bands durchaus auch ihre politische Meinung sagen können. Mal laut, mal spöttisch, mal mit einem Grinsen, das trotzdem ziemlich ernst gemeint ist. Und genau diese Mischung macht sie so wirkungsvoll. „Politik hat in der Musik nichts verloren“ – diese fünf Bands und wir sehen das anders. Und das ist auch gut so.
Mr. Hurley & die Pulveraffen – „Der Haifisch“
Der Haifisch ist hier kein Tier, sondern ein Denkmodell: großmäulig, einfältig und überzeugt davon, dass Vielfalt ein Problem ist. Mr. Hurley & die Pulveraffen nutzen die Piratenfolklore, um rechte Parolen zu zerlegen, vom „Alles muss weiß sein“ bis zum absurden Ruf nach Abschiebung von allem, was nicht passt. Besonders scharf ist die Umkehr. Nicht die bunten Fische gefährden das Meer, sondern der Haifisch, der glaubt, immer weiter fressen zu müssen. Der Refrain richtet sich an die Zuhörenden selbst: standhaft bleiben, nicht kippen, nicht mitschwimmen. Hinter Seemannslied und Humor steckt eine klare Warnung. Wer Ausgrenzung zur Lösung erklärt, frisst am Ende das eigene Ökosystem.
WIZO – „Ganz klar gegen Nazis“
Kein Bild, keine Metapher, kein „Man wird ja wohl noch sagen dürfen“. WIZO sagt exakt das, was gesagt werden muss – laut, rotzig und kompromisslos. Punk heißt hier nicht gefallen wollen, sondern Fresse auf oder Platz machen. Hier der von uns dazu ausgewählte Beispielsong.
Saltatio Mortis – „Besorgter Bürger“
Saltatio Mortis nimmt dem „besorgten Bürger“ die Maske ab und lässt nichts übrig außer rechter Rhetorik mit bürgerlichem Anstrich. Der Song zeigt, wie alte Nazi-Sprache in neuen Worten wiederkehrt – Verrat, Lügenpresse, Abendland – und entlarvt sie als das, was sie ist: Angst, die nach unten tritt. Besonders stark ist die Umkehr der Erzählung. Das Abendland gehört nicht den Schreihälsen, sondern allen. Und wenn es Schutz braucht, dann vor ihnen. Hier wird nicht diskutiert, sondern benannt und genau das macht den Song so wirksam. Mittelalter Rock wird zur klaren politischen Ansage gegen Verharmlosung und Selbstbetrug.
Jackpott – „Traurig Nr. 3“
Hier spricht kein politischer Kommentator, sondern ein Zurückgelassener, der nicht begreift, warum Hass plötzlich attraktiver ist als Nähe. Der Faschist wirkt sicher, dominant und genau das macht ihn gefährlich verführerisch. Die Frage ist brutal persönlich: Warum macht Dummheit an und warum reicht Liebe manchmal nicht aus? Jackpott hat dies mit „Traurig Nr. 3“ so erklärt:
Versengold – „Braune Pfeifen“
Der Song steht für eine Gemeinschaft, die sich nicht auseinanderdividieren und fremdsteuern lässt. „Wir tanzen nicht nach braunen Pfeifen“ heißt es hier. Wir folgen keinem Willen, der auf falschen Aussagen, Angstbildern und gezielter Verdrehung basiert. Versengold setzt dem rechten Lärm kein Gegenbrüllen entgegen, sondern Zusammenhalt und Eigenständigkeit. Nicht Mitlaufen ist der gemeinsame Nenner und genau daraus entsteht Stärke.
Solange solche Songs geschrieben werden, ist klar, dass die Bühne nicht dem Hass gehört. Denn egal ob laut, wütend oder mit spitzer Ironie – Musik kann widersprechen. Und manchmal muss sie auch genau das.
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Mein musikalischer Weg hat viele Abzweigungen. Von Mittelalter über diverse Subgenres des Metals, bis hin über die Tiefen des Rocks. Geprägt von den Onkelz, In Extremo und Rammstein führt heute kein Weg mehr an In Flames, Parkway Drive und Machine Head vorbei.




