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Mainfelt rocken im Paderborner „Wohlsein“

Andere Besetzung, gleicher Charme

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Wenn Bands die Besetzung wechseln, dann kommt es oftmals zu Irritationen beim Anhang. „Die klingen ja gar nicht mehr so wie beim letzten Mal“, heißt es dann bei so manchem Fan. Was darauf folgt, ist entweder Enttäuschung oder Freude. Diese Angst, eine völlig veränderte Mainfelt-Show zu sehen, begleitete mich, Gott sei Dank, nicht. Überrascht wurde ich am Abend in Paderborn dennoch…

Voller Vorfreude und mit reichlich Hopfengetränken an Bord ging es am vergangenen Samstag ins schöne Ostwestfalen, genauer gesagt nach Paderborn. Die Südtiroler Folkrock-Band Mainfelt gastierte an diesem Abend im „Wohlsein“. Der Name des Lokals bot meinem Mitstreiter und mir genug Anlass, sich zur weiteren Einstimmung auf den Support-Act ein kühles Astra zu genehmigen. Viel Zeit zum Leeren gab es jedoch nicht, schnell stand die Musik wieder im Vordergrund. Als Unterstützung der Italiener betrat der Niederösterreicher Onk Lou die Bühne. Zuerst allein, dann auch mit Schlagzeuger.

Bist du es, Ed?

Die fehlende Körpergröße machte der ehemalige Straßenmusiker schon nach Sekunde Eins durch eine imposante Stimme wett. Schnell kam mir der Vergleich mit Ed Sheeran in den Sinn. Unpassend, schließlich hatte dieser nie die Ehre, sich mit Mainfelt die Bühne zu teilen. Ganz allein stellte sich auch Onk Lou dem Publikum nicht, Beistand gab es am Schlagzeug und damit gleichzeitig am Bass, den der Mann an der Trommel elektronisch mit einer Hand beisteuerte. Da soll noch jemand sagen, Männer seien nicht fähig, Multitasking zu betreiben…

Power in der Stimme

Onk Lou überzeugte das anwesende Publikum schnell mit seiner vielseitigen Stimme. Ob raue Töne oder auch in höheren Lagen, die Stimmpower fand unverzüglich seinen Weg ins Gehör des Publikums. Hängen geblieben ist neben den Gesangskünsten vor allem die sympathische Art des Österreichers. Wer über sich selbst Lachen kann, hat meist auch die Fähigkeit, die Besucher auf seine Seite zu ziehen. Storys aus dem Musikerleben des Singer-Songwriter gaben ihr Übriges dazu.

Nach der gelungenen Einstimmung war die Vorfreude auf den Haupt-Act aus Südtirol umso größer. Die Pause zwischen den beiden Bands betrug nur das Nötigste an Zeit. Mainfelt machte es sich schnell auf der Bühne gemütlich. Gitarren wurden umgeschnallt, Drumsticks in die Hand genommen. Wie würde das neue Quartett wohl klingen? Besser, schlechter, gleich? Anders, lautet die Antwort auf die Frage!

Ehrliche Musik

„Handcrafted and heartmade“, so beschreiben sich die vier Musiker auf ihrer Homepage. Das sind die Werte, von denen die Band seit jeher lebt. Was im Sommer 2011 begann, ließ in den vergangenen Jahren die Herzen vieler Fans von handgemachter Musik höherschlagen. Mit gesteigertem Puls ging es durch die ersten Töne in Paderborn, den ersten kräftigen Gesang des Frontmanns Patrick Strobl. Und dann, dann folgte die Erleichterung. Das neue Quartett hatte rein gar nichts vom alten Spirit verloren.

Durchmischte Setlist

Die Setlist der Südtiroler reichte von alten Songs der EP Midsummer bis hin zu neuen Songs. Das neue Material klingt rockiger, das Banjo findet trotzdem seinen angestammten Platz in den Songs der Vier. Das besondere bleibt neben den musikalischen Abweichungen vor allem die markante Stimme des Sängers Patrick Strobl. Sein Gesang zeichnet auch in Paderborn nicht nur langsam melancholische Songs wie „We Have Lost The Shore“ aus, sondern treibt auch neue Songs wie „Royal Rover“ nach vorn.

Begleitung für Lagerfeuer-Abende

Mainfelt passt auch in 2020 noch in jeden gemütlichen Lagerfeuer-Abend. Umso erfreulicher, dass diese handgemachte Musik mittlerweile sogar einige junge Menschen anlockt. Neben meinem Freund und mir blickte ich gegen Ende des Konzertes in einige jugendliche Gesichter, tanzend und freudestrahlend. Ein Konzert vor kleiner Kulisse, bei der die Band jeden einzelnen Besucher beobachtet, der den Raum durch die Tür verlässt. Sicher keine leichte Aufgabe, die jedoch mit Bravour gemeistert wurde. Niemand verließ die Show vorzeitig, der Großteil tanzte und wippte ausgelassen.

Klassiker überzeugen

Wie auf jedem Konzert begeisterten vor allem die Klassiker. „All My Ghosts“ oder „Take Me Back“ gehören so mittlerweile zum festen Bestandteil einer Mainfelt-Show. Sogar einige textsichere Besucher ließen sich während der bekannteren Songs verzeichnen. Auf der Bühne gab man selbstverständlich auch während des restlichen Programms 100 Prozent. Ein nassgeschwitztes Handtuch? Normalität. Die Moves sind dabei immer noch die gleichen wie vor ein paar Jahren, wie wäre es mal mit einer einstudierten Tanzchoreografie?

Simples Erfolgskonzept

Spaß beiseite. Für Mainfelt braucht es nicht viel. Stimme, ehrliche Texte und Musiker, die die Aussagen ihrer Texte vermitteln können, sind das Erfolgsrezept. Wer an gemütlichen Sommerabenden niemanden an der Seite hat, der Lieder mit der Gitarre spielt, findet Mainfelt auch Spotify. Dass sich während der Zugabe alle im Kreis um Sänger Strobl versammeln, ohne Mikro und nur mit Gitarre bewaffnet, ist also kein Zufall.

Corona-Panik

Wer die Südtiroler derzeit live erleben möchte, hat es nicht leicht. Auch vor der Musikwelt macht das Corona-Virus keinen Halt. Wer über aktuelle Shows, Absagen oder Ersatztermine auf dem Laufenden bleiben will, checkt am besten die Facebookseite der Band.

Eric Steinberg
Eric Steinberg
Über mich: Geboren im Jahrgang 2000 bin ich mit 17 Jahren der Jüngste im Team. Für Rockmusik schlägt mein Herz schon seit dem Kindesalter. Angefangen hat damals alles mit den Toten Hosen. Obwohl als Schüler immer knapp bei Kasse, besuche auch ich das ein oder andere Konzert. Außerdem spiele ich leidenschaftlich gerne Schlagzeug. Motto: Es gibt nur ein Gas, Vollgas!
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