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Pell Mell Festival 2017 – Obererbach scheppert!

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Lesedauer
6 Minuten

Vom 01. September bis zum 02. September fand bereits zum 14. Mal das Pell-Mell Festival 2017 in Obererbach im Westerwald statt, das einst als Rocknacht an den Start ging und sich inzwischen auf über 17 Bands an zwei Tagen purer Party ausdehnt!

Mich persönlich begleitet das Pell-Mell Festival seit 2011 jedes Jahr aufs neue, als abschliessendes Event meiner Open-Air Festivalsaison. Und was soll man groß sagen? Seitdem ich das erste mal vor Ort war hat sich organisatorisch eine ganze Menge verändert. Nicht aber der Spaß und das Herzblut das Veranstalter, Bands, ehrenamtliche Helfer und die Besucher mit dauerhafter und jährlich wachsender Begeisterung in das Event stecken!

Damals kostete ein Ticket noch 14 Euro inklusive Camping. (Bzw. Camping war generell kostenlos) Man könnte sich wohl über die angestiegenen Preise, die inzwischen knapp das doppelte kosten aufregen. Jedoch sehe ich persönlich dafür absolut keinen Grund! Nach mehrfacher Umfrage mit Bands und einigen Besuchern, mit denen man natürlich ins Gespräch kommt, kamen wir zu dem allgemeinen Ergebnis, dass der Preis schlicht und ergreifend gerechtfertigt und zufrieden stellend ist, für das Aufgebot an Bands und Programm, das man geboten bekommt!

Vor allem auch die Mischung der verschiedenen Musik-Stile und die dadurch breit gefächerte Fanbase ist ein Phänomen für sich. Von Punkrock, Ska und Folk bis hin zu Metal –und Hardcore Bands ist alles geboten. Die Fans liegen sich als Einheit in den Armen und reißen das Gelände dermaßen ab, haben Spaß, feiern, tanzen und singen ohne einen Hauch von Rivalität oder Konfrontationen. Für mich ein Grund Respekt zu zollen, dass diese Art der Zusammenkunft so möglich ist.

Zudem haben wir uns mit David Konrad, dem Frontmann der „immer gute Laune“ Ska-Band Destination Anywhere unterhalten und möchten euch das Interview nicht vorenthalten! – Wenn jemand die Entwicklung des Pell-Mell Festivals miterlebt hat und darüber sprechen kann, dann er. Destination Anywhere ist seit 2007/2008 fester Programmpunkt im Line-Up!

 

Interview vom 02.September 2017 – Pell-Mell Festival, Obererbach (WW)

Redaktion
Ihr wart bereits schon 2007 oder 2008 das erste Mal beim Pell-Mell Festival dabei und seid je her nun mal jährlich, also wenn jemand was über die Entwicklung des Festivals sagen kann, dann ja wohl Ihr!Es gibt einige Menschen die bereits seit Jahren ebenfalls dem Festival beiwohnen und hier und da hört man natürlich beispielsweise Kritik über steigende Ticket Preise. Viele Besucher setzen sich aber nicht mit den Verordnungen und den Richtlinien der Ämter auseinander was man natürlich auch nicht erwarten darf.

Ich für meinen Teil kann mich null Komma null beschweren, für das was man geboten bekommt ist der Preis mehr als nur gerechtfertigt! Wenn ich an mein erstes Pell-Mell zurück denke, das dürfte 2011 gewesen sein, da kostete ein Ticket noch 14 Euro, Camping war umsonst, es wurde nicht unbedingt geschaut wer Glas oder wer Dosen dabei hatte. Und schon damals haben Szene-Größen der heutigen Zeit, wie Massendefekt oder auch Sondaschule hier gespielt, das war schon der Hammer. Jetzt die Frage an Euch: wie empfindet Ihr die Entwicklung, wie fühlt es sich für Euch an immer wieder eingeladen zu werden und vor allem immer wieder gut angenommen zu werden?

David, Destination Anywhere:
Also ich muss sagen, dass Pell-Mell hat wirklich einen besonderen Platz in unserem Herzen eingenommen. Es ist so krass, wie Du schon sagst, wir haben die Entwicklung ein bisschen mitbekommen, wir kennen die Veranstalter inzwischen richtig gut, vor allem den André und ich krieg das auch jedes Jahr aufs neue wieder mit, wie er sich den Arsch aufreißt für dieses Festival, was da für eine Arbeit drin steckt, das bekommt man als Besucher nicht immer mit oder man macht sich einfach keine Gedanken darüber. Es sind einfach Leute die das nicht beruflich machen, die aber das ganze Jahr lang arbeiten um dieses Festival so auf die Beine zu stellen. Wenn das Pell-Mell 2017 vorbei ist, werden sie gleich beginnen für 2018 zu buchen und zu planen und all das zu einem Preis, der absolut fantastisch ist! Zudem an einem Ort, der für viele vor der Haustür ist.. Wir fahren von Siegen ca. eine Stunde. Ich habe vor ein paar Jahren auch noch hier gecampt, weil es mir hier einfach so gut gefällt und das zu einem Preis der absolut fantastisch ist, bei einem Festival das in der Gegend hier wirklich einzigartig ist. Alles war wundervoll, die Atmosphäre und vor allem, dass man hier im Westerwald noch einmal so einen geilen Festival Abschluss hat. Natürlich kann man sich ärgern, dass es mal teurer wird oder hier und da die Auflagen strenger werden, wofür die Veranstalter leider nichts können. Aber in erster Linie sollte man glücklich und froh darüber sein, vor allem dankbar, dass so viele Menschen so viel Herzblut in dieses Event stecken.

Redaktion
Ich denke dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Das war sehr ausführlich! Und was erhofft Ihr Euch für nächstes Jahr, ihr kommt bestimmt wieder oder? Weiß man das schon?

David, Destination Anywhere:
(David lacht) – Wir machen immer Späße mit André, dass wir uns dann nächstes Jahr wiedersehen, das konkrete Booking passiert dann Ende des Jahres. Wir können uns das vorstellen, wir würden das auch wieder machen aber zunächst konzentrieren wir uns auf unser neues Album. Wir schreiben gerade Songs und nehmen Anfang nächsten Jahres auf und wollen im Sommer unser neues Album raus bringen und dann jeden Auftritt mitnehmen der geht, es steht nichts fest, aber auszuschließen dass wir hier wieder auftreten ist es nicht!

Redaktion
Ich war damals wirklich schockiert, als Destination Anywhere nicht auf dem Flyer stand. Plötzlich stand das Late-Night-Special auf dem Plan und ich hoffte ja, dass ihr es seid, wie kam das? Die Bekanntgabe des Late-Night-Specials war eine Erleichterung für mich.

David, Destination Anywhere
Ich glaube das war 2016 und da hatten wir ein bisschen Stress, weil das Pell-Mell Festival uns nur freitags buchen konnte, wir aber schon einen Gig auf dem Wake-Up-Festival hatten. Wir dachten wirklich, dass wir nicht auftreten konnten, das erste Mal seit Jahren, und kurzerhand hat Andre dann das Late-Night-Special erfunden um uns noch irgendwie rein zu quetschen und hat das so dann zum Glück noch irgendwie gerettet und vor allem bei den Behörden durch bekommen! Es war perfekt. Vor allem mitten in der Nacht nach Sondaschule auf die Bühne zu gehen hat schon enormen Spaß gemacht.

Redaktion
Ja das habe ich ebenfalls gestern bei Their Decay, dem diesjährigen Late-Night-Special, gesehen. In der Regel verlassen die Leute nach dem offiziellen Headliner das Gelände Richtung Campingplatz oder fahren teilweise schon nach Hause. Aber was die Jungs um Sänger Carlo da abgeliefert haben, war schon von feinster Qualität, die Hütte war voll! Wie ist es denn so sich mit Bands wie Sondaschule die Bühne zu teilen?

David, Destination Anywhere
Natürlich macht es Spaß wenn man da Backstage rum läuft und dann sind da „Stars“, grad welche die man so oft in den Sozialen Medien sieht und wenn die dann plötzlich vor einem stehen ist es schon cool! Beispielsweise auf dem Mair1, ursprünglich Mach 1 Festival in Montabaur, lief auf einmal Kuddel von den Toten Hosen rum, die haben da zwar nicht gespielt, das war 2007 oder so, da ist mir das Herz in die Hose gerutscht. Es ist immer cool, aber nicht mehr so dass ich jetzt ohnmächtig werde, wenn mir eine andere Band über den Weg läuft. Man gewöhnt sich daran. Es macht immer Spaß mit bekannten Bands zu spielen aber es ist auch genau so geil, neue Bands kennenzulernen.

Redaktion
Gerade bei so einem vielseitigen Festival. Viele Besucher mit denen ich gesprochen habe oder auch Musikern wie beispielsweise Carlo von Their Decay, sind immer begeistert und auch ich selber liebe es und favorisiere deswegen das Festival, weil die Abwechslung so gut angenommen wird. Die Besucher, die mehr auf die härteren Klänge stehen, rasten trotzdem zu Ska und Punkrock aus, umgekehrt aber genau so!

David, Destination Anywhere
Es ist wunderschön wenn verschiedene Musikstile zusammen kommen. Ich selber komme gar nicht so aus dem Ska-Bereich aber höre mir hier gerne Ska Bands an. Vor allem Hardcore Bands sehe ich gerne an und freue mich auch immer wenn ich neue Bands kennenlernen.

Redaktion
Sehr geil, ich denke, das war durchaus informativ! Danke für Deine Zeit. Zum Abschluss – was ist Dein Lieblingsbier?

David, Destination Anywhere
Oh, ich trinke keinen Alkohol aber ich trinke sehr gerne alkoholfreies Bier! Becks Blue und Jever Fun sind meine Favoriten!

Zu guter Letzt kommt noch ein kurzes Fazit. Das Pell-Mell ist ein absolut solides Festival was jedes Preisleistungsverhältnis positiv übertrifft und zudem eine Menge Spaß mit familiärem Flair garantiert. Die angebotenen Fressalien sind sehr angenehm wobei ich auf den Veggie-Burger-Imbiss verzichten könnte auch wenn diese echt verlockend aussahen. Die Toiletten fand ich dieses Jahr nicht so geil. Ich denke ich spreche da für die Männer, vor allem aber auch für die Damenwelt, wenn ich den Wunsch äußere wieder „Urinal-Pilze“ zu platzieren. Das ist einfach komfortabler und für die Damen wahrscheinlich hygienischer wenn sie dort mit den Dixis zum größten Teil ihr „eigenes“ Reich haben. Das einzige was mir sonst noch fehlt, ist ein dumpfes Licht das eventuell das Festival Gelände etwas ausleuchtet um eine kleine Übersicht zu verschaffen. Oder meine Augen waren schlecht.

Was die Bands angeht? Erste Sahne. Their Decay war beispielsweise gar nicht mein Geschmack. Es hat aber mega Bock gemacht bei den Jungs abzufeiern. Die Show zu später Stunde war brachial und ich bedaure es für jeden, der schon bereits nach Fiddlers Green gegangen ist! Die gesamte Auswahl an Bands hat eine hervorragende Mischung ergeben und die Abwechslung ist einfach nur stark. Destination Anywhere haben meiner Meinung nach auch locker einen Headliner Platz verdient. Jaya the Cat, Fiddler´s und vor allem Rasga Rasga haben mit Ihrer melodischen und teils stürmischen Musik gezeigt, wie sich die Leute bewegen können. Über Talco muss man eh nicht viel sagen, grandios! Einige Hardcore Bands hingegen fand ich weniger gut, aber da gehen ja sowieso die Geschmäcker ausseinander.

Ansonsten liebes Pell-Mell Festival, liebe Veranstalter und liebes Team. Bleibt so wie ihr seid, es war ausgezeichnet und ich werde wieder kommen!

Marco Stahl
2010 infizierte mich Broilers bei meinem ersten "richtigen" Live-Konzert in der noch alten Batschkapp in Frankfurt. Seit jeher war mein Werdegang geebnet und mit wachsender Begeisterung gründete ich 2017 dann Vollgas Richtung Rock. Mein Motto: "Man lernt nicht zu sprechen, um dann das Maul zu halten". -Foiernacht

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