Anzeige

Artefuckt – GEMINI – Review

-

-

Nach MANIFEST und STIGMA veröffentlichen Artefuckt mit GEMINI am 11.09.2020 endlich ihr lang ersehntes drittes Werk. Erreichte das Erstlingswerk schon die Top 100 der deutschen Albumchart, legte der Nachfolger Anfang 2019 mit Platz 5 eine Hausnummer vor, die es nun zu toppen gilt. Man mag nicht sagen, dass es ein Kinderspiel werden wird, aber Potential für die Spitze der Charts steckt allemal in den 13 Songs des Albums GEMINI.

Tracklist

  1. Artefuckt
  2. Adrenalin
  3. Diese Tage
  4. Volle Kraft voraus
  5. Weiss & Schwarz
  6. Schachmatt
  7. Ein Tag
  8. Schwerelos
  9. Seid ihr dabei?
  10. Ein Mann, Ein Wort!
  11. Gute Reise
  12. Alles auf Sieg
  13. Du bist das Licht

Anfängliche Skepsis

MANIFEST ist für mich bis heute noch eines der besten Newcomer-Alben, die ich je gehört habe. Inhaltsvolle, mitreißende Texte, gepaart mit makellos ausproduziertem Sound. Dahingehend war STIGMA für mich persönlich ein kleiner Dämpfer. Denn selbst wenn, wie erwartet, musikalisch die Scheibe ihrem Vorgänger in nichts nachstand, ist es noch bis heute so, dass sich erstaunlich wenig Songs inhaltlich in meinem Kopf festgesetzt haben. Entsprechend skeptisch blickte ich dem Erscheinen des neuen Longplayers entgegen.

Mit der ersten Single-Auskopplung „Artefuckt“, die gleichzeitig auch der erste Track des Albums ist, wurden meine Erwartungen exakt erfüllt. Wie erwartet geht der Song brachial, laut und exzessiv nach vorn, jedoch inhaltlich mittelmäßig. Überheblich, arrogant, mag der eine oder andere vielleicht sogar über das eigene Selbstlob in den Zeilen denken. Positiv möchte ich jedoch erwähnen, dass mein Pogo-Herz sich jetzt schon auf eine Live-Performance ohne Maske mit reichlich Körperkontakt freut. Titel 6, gleichzeitig die zweite Auskopplung „Schachmatt“ sorgte hingegen für Vorfreude auf das Release. „Ich weiß was, was du nicht weißt. Du weißt ein Scheiß!“, ein Satz mit dem man heutzutage viel öfter diverse Klugscheißer und vermeintlich allwissende Eliten konfrontieren möchte. Schnelle Rhythmen und harte Klänge verleihen der Vorfreude zusätzliche Würze.

Knallhart geht es weiter

An zweiter Stelle der Scheibe beschallt uns „Adrenalin“. Wie sollte es auch anderes sein, wird eben dieser Botenstoff thematisiert. Wer die Songs der Ruhrpott-Jungs kennt, weiß, dass André seine Texte gern biografisch hält, sodass hier von der eigenen Sucht nach dem gewissen Kick gesungen wird. „Adrenalin, ein Kick, ein Schrei, ich spür das Leben. Brauch und will es immer wieder, werd´s mir geben. Richtig geil wird’s erst wenn der Puls auf Anschlag steht – Leben am Limit!“

Wer wünscht sich nicht in der heutigen Zeit mit den Worten aus dem folgenden Song begrüßt zu werden. „Wir wollen wieder los, mal wieder raus, hast du Lust auf diesen Plan“. Einfach die Freunde in die Karre zwängen und den Asphalt unsicher machen. Auch musikalisch passt „Diese Tage“ zu den Roadtrips, die uns zu unseren, so sehr vermissten, Festivals und Konzerten führen könnten.

Härtere Klänge folgen bei „Volle Kraft voraus“. Bewegungsdrang ist hier vorprogrammiert, jedoch ist der Track mit einem Rundumschlag an Lebensweisheiten und mit einer Hand voll Floskeln aus dem deutschen Phrasenschwein leider etwas inhaltslos, für meinen Geschmack.

Die fünfte Spur des Silberlings „Weiss&Schwarz“ thematisiert das altbekannte Spiel von Engelchen und Teufelchen, auf den Schultern der Protagonisten. „Von links ein guter Rat, komm mit mir, Tag für Tag […] Von rechts energisch dann, `Was soll das hier? Folg meinem Plan!‘ […]“. Geschmunzelt habe ich einige Male bei diesen Zeilen und die, gefühlt, dezent weniger BPM aus den Boxen laden ein, sich weiter im Text zu vertiefen.

Richtig ruhig wird es bei der obligatorischen radiotauglichen Ballade „Ein Tag“. Von ruhigen Gitarren-Chords begleitet raunt Frontmann, André, Worte in das Mikro, mit denen sich jeder schon konfrontiert sah. Man solle sich in dieser undurchsichtigen und teils hektischen Welt auch die Zeit nehmen, sich auf sich zu konzentrieren. „Ich weiß, was mir fehlt. Das bin ich.“. Einfach ausgedrückt und dennoch hätte man es nicht besser sagen können.

Es schließt sich „Schwerelos“ an, für mich persönlich der schwächste der 13 Songs. Weder musikalisch, noch textlich habe ich mich hier angesprochen gefühlt. Dennoch weiß ich, dass die Zeilen „Wenn du in meine Augen schaust, wenn du darin liest. Pure Kraft, Glaube und Hoffnung, ist es, was du siehst“ sicherlich zahlreiche Freunde finden werden, die das Ganze auch auf sich münzen und auf Konzerten lauthals die Kehlen erheben werden.

Ein garantierter Partyknaller, der auf keinem zukünftigen Live-Auftritt der vier Jungs fehlen darf, verbirgt sich hinter „Seid ihr dabei?“. Hörer und Fans dürfen sich hier auf ein gemeinsames Loblied der Band und ihrer Anhänger freuen. Ein stimmgewaltiges Zusammenspiel erscheint schon jetzt vor meinem geistigen Auge bei den Worten: „Seid ihr dabei? Die Mittelfinger hoch und schreit“. Auch musikalisch erfreue ich mich immer wieder erneut an diesem Song.

„Auf dich ist Verlass, zu jeder Zeit an jedem Ort.“.  Ein Bier holen, meinem besten Kumpel in die Hand drücken und einfach Danke sagen für die jahrelange, treue Freundschaft. Besser ist nicht zu beschreiben, was mir als erstes durch den Kopf ging, als ich „Ein Mann. Ein Wort“ zum ersten Mal hörte. Nehmt euch einfach Bro, Brudi, Schnucki, BFF oder wie auch immer sich alles schimpft und feiert diesen Track, denn gute Zeiten sind meist plötzlich und viel zu schnell vorbei, wie uns darauffolgend „Gute Reise“ zu verstehen gibt.

Mit „Alles auf Sieg“ dröhnt eine klare Botschaft an all diejenigen durch die Boxen, die kurz davor sind zu resignieren, sich aufzugeben und mit sich und der Welt abgeschlossen haben. „Das Tal der Tränen wird vergehen und dann kannst du die Sterne sehen.“. Anders als vielleicht erwartet, wenn man diese Zeilen liest, wird die Message keinesfalls gekuschelt, sondern mit gewohnt harten Klängen an den Mann gebracht. Für mich der beste Song des Albums.

Gekuschelt wird im letzten Track. Mit rockigen Riffs lässt uns Andre in der Ballade „Du bist das Licht“ in ruhiger Atmosphäre an seinen Gefühlen und Wünschen für sein Kind teilhaben. Mit Sicherheit wird dieser einer der beliebtesten Songs des Albums.

Fazit

GEMINI ist eines der wenigen Alben, die es mir in letzter Zeit wirklich angetan haben. Nach anfänglicher Skepsis konnte mich dieses Album dennoch, bis auf einige Unebenheiten, überzeugen. Ich freue mich jetzt schon auf die nächsten Möglichkeiten Artefuckt und ihre neuen Songs Live zu sehen. GEMINI reiht sich für mich vor Stigma und (mit einem wirklich nur minimalen Abstand) hinter MANIFEST ein.

4,5 von 5 Sterne

Jerome Böhme
Jerome Böhme
Über mich: 28 Jahre jung, wohnhaft im Herzen der Republik in Sachsen-Anhalt, begeisterter Deutschrocker und Festivalgänger. Angefangen bei Vollgas Richtung Rock habe ich als Schreiberling in der Redaktion. Schnell fand ich aber auch Spaß an anderen Wegen der Berichterstattung. So bin ich seit einiger Zeit auch in dem einen oder anderen Bühnengraben mit der Kamera in der Hand vertreten. In meinem bürgerlichen Leben verdiene ich mir meine Brötchen als Pflegegutachter im Mansfelder Land.
19,370FansGefällt mir
4,301FollowersFolgen

Könnte dich auch interessieren

Ähnliche Beiträge