Zwischen Urgewalt und Hantelstahl – Interview mit Tetzel – Teil 1
Mit URGEWALT veröffentlicht ASENBLUT am 18. September 2026 ihr mittlerweile sechstes Studioalbum. Wir haben uns mit Frontmann Tetzel unterhalten und über die Entstehung des Albums, die Geschichten hinter den Songs und die Bedeutung von Gemeinschaft gesprochen. Außerdem verrät er, warum Warhammer inzwischen seinen Weg in die Musik gefunden hat, weshalb „Tavernenrausch“ mehr ist als nur ein Trinklied und welcher neue Song den ultimativen Live-Test bestehen muss.
Zwischen Mythos und Wirklichkeit
VRR: Zwischen ENTFESSELT und URGEWALT liegen gerade einmal zwei Jahre. Trotzdem wird das neue Album als größer, härter und kompromissloser angekündigt. Wann habt ihr während der Entstehung gemerkt, dass das eine URGEWALT wird?
Tetzel: Der Albumtitel bzw. der Titel für den Song, der dann zum Titeltrack wurde, ist mir tatsächlich im Traum eingefallen. Es war schön, wieder ein bisschen back to the pagan roots zu gehen und hier einige Motive aufzugreifen, die mir schon vor gut zwei Jahrzehnten sehr wichtig waren. Natur und Verbundenheit zu dieser, aber eben auch wie wenig wichtig wir als einzelne und Menschheit dann doch für den Bestand dieser sind. Am Ende bleibt von uns nicht viel und die Urgewalt wird weiter den Planeten beherrschen. Die weiteren Songs haben sich unter diesem Motiv auf verschiedenste Art einfach gut eingefügt.
VRR: Dennoch ist „größer, härter und kompromissloser“ eine Formulierung, die man in der Albumpromotion nicht gerade selten hört. Woran kann ein langjähriger ASENBLUT-Fan konkret erkennen, dass dahinter mehr als ein griffiger Werbesatz steckt?
Tetzel: Ja, das ist etwas, wovon man als Band und Künstler wohl überzeugt sein muss. Es ist das beste Album, welches wir geschrieben haben. ENTFESSELT entstand als erstes Album ohne unseren vorherigen Hauptsongwriter. Es hat Ecken und Kanten, die ich sehr zu schätzen weiß. Allerdings ist URGEWALT einfach aus einem Guss. Die Songs reißen einen mit. Laden sowohl ein mitzusingen als auch sie immer wieder zu hören. Wir erfinden das Rad nicht neu, das hatten wir auch nie vor. Aber wir wollen die Bilder, welche wir vermitteln, so klar und direkt wie möglich herüberbringen. Was uns angeht, ist dies gelungen. Wir hoffen natürlich, dass es die Hörer genau so sehen.

VRR: Auf den zehn Songs treffen nordische Mythologie, alte Rituale, historische Schlachten, düstere Zukunftsvisionen und persönliche Themen aufeinander. Was ist für dich der rote Faden, der all diese Welten zu einem geschlossenen Album verbindet?
Tetzel: Egal ob in Zukunft, Gegenwart oder Vergangenheit, am Ende geht es nur gemeinsam. ASENBLUT steht für Verbundenheit und Brüderlichkeit. Nicht nur unter uns, sondern natürlich auch mit all den wundervollen Menschen, die sich mit unserer Musik und den Geschichten, die wir erzählen identifizieren. Das Thema Selbstbehauptung schwebt immer wieder zwischen den Zeilen mit und ist kein neues Motiv in unseren Songs. Spannend war es dabei, wieder einen Gang rauf zu schalten, direkte Szenarien zu erstellen und mit Leben zu füllen.
VRR: Mit Sagenbringer bei „Der Druide“, Victorius bei „Barbaren und Legionen“ und Mittel Alta bei „Tavernenrausch“ habt ihr drei ziemlich unterschiedliche Gäste eingeladen. Standen zuerst die Songs und ihr habt nach den passenden Mitstreitern gesucht oder haben die Gäste die Stücke bereits während der Entstehung mitgeprägt?
Tetzel: Die Idee, mit welchen Künstlern ich gerne kollaborieren würde, besteht meist schon ziemlich lange. Als die Musik für „Der Druide“ fertig war, hatte ich sofort die entsprechenden Bilder im Kopf und als der Text dann geschrieben war, gab es eigentlich keine Alternative. Wir freuen uns wirklich sehr nach der Zusammenarbeit mit „Berserker“ von Sagenbringer nun den Gegenpart mit „Der Druide“ auf unserem Album zu haben. Die Musik und der Text sind allerdings ganz aus unserer Schmiede.
Humor trifft Heavy Metal
VRR: „Tavernenrausch“ soll die erste augenzwinkernde Tavernenhymne von ASENBLUT werden. War es schwierig, Humor und Selbstironie zuzulassen, ohne plötzlich in beliebigen Met- und Mittelalter-Partymetal abzurutschen? Und wer aus der Band wäre in einer echten Taverne als Erster unter dem Tisch?
Tetzel: Lustigerweise war die Musik zu „Tavernenrausch“ als allererstes fertig. Trotzdem war klar, worum es gehen wird. Es war der letzte Text, den ich geschrieben habe. Genau, weil es eben schwierig war das Augenzwinkern einzubauen, ohne zu platt zu werden. Es ist auch kein „Anti-Trinklied“ wie „Stirb Langsam“ von Nachtblut. Aber eben auch keine Verherrlichung. Es ist eine augenzwinkernde Auseinandersetzung und Bloßstellung des übermäßigen Konsums, aber dabei eben trotzdem ein Party- und Trinklied. Was die Frage nach der Trinkfestigkeit angeht, denke ich, dass Chris (Gitarre) und ich (Tetzel) als erste unter dem Tisch liegen, ziemlich dicht aufeinander. Sibirski und der Balrogh können da deutlich mehr vertragen.
VRR: Beim Titel „Blut für den Blutgott“ dürften Warhammer-Fans ziemlich schnell „Khorne!“ brüllen. Wie viel Warhammer steckt tatsächlich in diesem Song? Und ist URGEWALT vielleicht das Album, auf dem dein persönliches Nerdtum endgültig den Schildwall durchbricht?
Tetzel: Schuldig im Sinne der Anklage. Die letzten zwei Jahre habe ich über 20 Warhammer Romane verschlungen und da bleibt es natürlich nicht aus, daraus Inspiration zu ziehen. Es passt einfach wunderbar in unsere brachiale Ästhetik. „Das Ende der Pflicht“ und „Blut für den Blutgott“ transportiert dabei diese Inspiration in unsere musikalische Gegenwart und macht einfach richtig viel Spaß.
VRR: Gemeinschaft und Zusammenhalt ziehen sich mit Songs wie „Bruderschaft“ stark durch das Album. Gleichzeitig positioniert ihr euch öffentlich deutlich gegen rechts. Gerade Begriffe und Bilder aus der nordischen Mythologie werden immer wieder politisch vereinnahmt. Wie wichtig ist es euch, klar zu definieren, wer zu dieser Bruderschaft gehört und wer ausdrücklich nicht?
Tetzel: Es ist ganz einfach, wer die Musik und den Heavy Metal, liebt, die Werte dieser (Sub-)Kultur teilt und für ein positives Miteinander steht – bei den Themen von „Hass und Verachtung“ bis hin zu „Kaugummi ist Super“ am selben Ort stattfinden können und die Menschen sich dennoch mit Anstand und Respekt begegnen – der gehört gern dazu. Wer dann noch unsere Musik mit uns feiert, bekommt natürlich Bonuspunkte. (lacht)

VRR: Massacre Records beschreibt URGEWALT als Album mit gewaltigen Hooks, die wie für Festivalbühnen geschaffen seien. Welcher neue Song muss für dich live unbedingt den URGEWALT-Test bestehen? Und welches Stück könnte langjährige ASENBLUT-Fans am meisten überraschen?
Tetzel: Ich kann es kaum erwarten „Das Ende der Pflicht“ (Single erscheint am 24.08.) live zu spielen und bin sehr auf die Reaktionen im Publikum gespannt. Tatsächlich hat der Song seine Live-Premiere erst bei unserer Tour. „Barbaren und Legionen“ bricht neben „Tavernenrausch“ sicher am meisten aus und könnte für die ein oder andere Überraschung sorgen. Aber auch diesen Song lieben wir wirklich sehr. Es bleibt also spannend.
Damit endet der erste Teil unseres Gesprächs mit Tetzel, aber noch lange nicht das Interview. Im zweiten Teil werfen wir einen Blick auf die Persönlichkeit Tetzel. Seid gespannt, es lohnt sich.
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Mein musikalischer Weg hat viele Abzweigungen. Von Mittelalter über diverse Subgenres des Metals, bis hin über die Tiefen des Rocks. Geprägt von den Onkelz, In Extremo und Rammstein führt heute kein Weg mehr an In Flames, Parkway Drive und Machine Head vorbei.






