Dorfimpressionen: Warum Wacken für eine Woche zur eigenen kleinen Welt wird
Wer noch nie in Wacken war, stellt sich vermutlich ein riesiges Festivalgelände mitten auf dem Acker vor. Ein paar Bühnen, jede Menge Zelte und irgendwo dazwischen tausende Metalheads in Kutten. Ganz falsch ist das zwar nicht, aber eben auch längst nicht die ganze Geschichte. Denn wer einmal den kleinen Ort in Schleswig-Holstein besucht hat, merkt schnell, dass sich während des Wacken Open Air nicht nur das Festivalgelände verändert. Das gesamte Dorf beginnt, im Takt der Musik zu leben. Aus den knapp 2.000 Einwohnern wird für eine Woche eine kleine Großstadt. Überall rollen Wohnmobile durch die Straßen, auf den Wiesen entstehen kleine Zeltstädte und in den Vorgärten sitzen Menschen aus aller Welt zusammen, als würden sie sich schon seit Jahren kennen. Zwischen Ortsschildern und Fachwerkhäusern begegnet man plötzlich Kutten aus Brasilien, Schweden oder Japan. Und das Verrückte daran? Es wirkt vollkommen normal.

Ein Dorf, das das Festival lebt
Was Wacken von vielen anderen Festivals unterscheidet, ist die Beziehung zwischen dem Ort und seinen Gästen. Hier existieren nicht einfach zwei Welten nebeneinander, sie verschmelzen miteinander. Viele Einwohner vermieten ihre Gärten oder Einfahrten als Stellplätze, verkaufen Frühstück, bieten Duschen an oder stehen selbst hinter Verkaufsständen. Andere genießen das bunte Treiben einfach vor ihrer Haustür und beobachten, wie aus ihrem beschaulichen Dorf jedes Jahr aufs Neue der wohl lauteste Ort Norddeutschlands wird. Man merkt schnell, dass das Festival nicht nur nach Wacken gehört, sondern es gehört zu Wacken.

Schauen wir doch kurz auf das Festivalgelände. Da ist das Wackinger Village, in dem plötzlich Wikinger, Ritter und Gaukler den Ton angeben. Wenige Meter weiter riecht es nach frisch Gegrilltem, irgendwo spielt eine kleine Band auf einer Nebenbühne und daneben wird bereits über den nächsten Konzertplan diskutiert. Dazwischen sitzen Menschen auf Bierbänken, erzählen sich Geschichten aus 35 Jahren Festivalgeschichte oder genießen einfach die besondere Atmosphäre. Das Schöne daran ist, niemand hat hier das Gefühl, hetzen zu müssen. Klar stehen die Konzerte im Mittelpunkt, aber Wacken funktioniert auch zwischen den Bühnen oder eben im Dorf. Eigentlich sogar ganz besonders dort.

Eine Woche, in der eine eigene Welt entsteht
Vielleicht ist genau das das Geheimnis des Wacken Open Air. Natürlich reisen die meisten wegen der Musik an. Doch wer nach ein paar Tagen über den Holy Ground läuft, merkt schnell, dass das Festival längst viel mehr geworden ist. Es ist der morgendliche Kaffee mit den Zeltnachbarn. Das Gespräch mit völlig fremden Menschen, die am Ende der Woche gar nicht mehr fremd sind. Die Händler, die man jedes Jahr wieder besucht. Die Einwohner, die ihre Türen öffnen. Die vielen kleinen Begegnungen, die sich nicht planen lassen und trotzdem oft länger im Gedächtnis bleiben als mancher Headliner. Wacken ist deshalb kein Ort, den man einfach besucht. Für eine Woche lebt man dort und genau das ist es, was einen immer wieder zurückkehren lässt.
Hier könnt ihr nochmal unsere Review und Bilder von diesjährigen Wacken Open Air nachlesen:
Redaktionell verantwortlich für diesen Artikel:
Redaktion
Als Kind der 90er bin ich vor allem mit Rock aufgewachsen. In meiner Jugend wurde ich dann mit Hilfe von Mittelalter-, Goth- und Metaleinflüssen zu dem Menschen geformt, der ich heute bin - und auf eben genau diesen Menschen bin ich heute verdammt stolz!
Ich nehme jede Erinnerung mit, die ich kriegen kann… Wann ist nochmal das nächste Konzert?









