Merchandise bei Schweiz Konzerten – Warum viele Bands sich das nicht antun (können)
Merchandise gehört für viele Bands fest zum Touralltag. T-Shirts, Hoodies, Vinyl oder CDs sind nicht nur beliebte Erinnerungsstücke für Fans, sondern oft auch eine wichtige Einnahmequelle. Gerade für kleinere Acts, die mit Ticketverkäufen allein kaum ihre Kosten decken können. Wer allerdings Konzerte in der Schweiz spielt, steht beim Thema Merch vor besonderen Herausforderungen.
Zoll und Steuern: was beim Grenzübertritt gilt
Der entscheidende Punkt ist, die Schweiz ist kein Mitglied der EU. Deshalb gelten beim Grenzübertritt eigene Zoll- und Steuerregeln. Waren, die ins Land gebracht und dort verkauft werden sollen, müssen ordnungsgemäß deklariert werden. Das betrifft auch sämtliches Merchandise im Tourbus. Bands müssen beim Zoll angeben, welche Artikel sie mitführen und welchen Wert diese haben.
Auf diese Waren wird in der Regel die Schweizer Mehrwertsteuer (MwSt) erhoben, unter Umständen kommen zusätzlich Zollabgaben hinzu. Anders als in vielen EU-Ländern wird die Steuer nicht erst beim Verkauf fällig, sondern bereits bei der Einfuhr. Das heißt, die Beträge müssen direkt an der Grenze bezahlt werden bevor überhaupt ein einziges Shirt verkauft ist. Für Bands bedeutet das eine finanzielle Vorleistung, die schnell mehrere hundert oder tausend Franken betragen kann.
Oft herrscht die Annahme, dass es eine Freigrenze gibt, unterhalb derer keine Steuern anfallen. Tatsächlich existiert eine Wertfreigrenze von 150 Franken pro Person und Tag. Diese gilt jedoch ausschließlich für Waren zum privaten Gebrauch oder als Geschenk. Merchandise, das zum Verkauf bestimmt ist, fällt ausdrücklich nicht darunter. Selbst kleinere Mengen gelten als Handelsware und müssen vollständig angemeldet und versteuert werden.
Hoher Aufwand, geringere Margen
Neben den finanziellen Aspekten ist auch der organisatorische Aufwand nicht zu unterschätzen. Es reicht nicht, ein paar Kartons mit Shirts im Van zu transportieren. Bands müssen detaillierte Warenlisten erstellen, den Gesamtwert korrekt berechnen und die entsprechenden Zollformalitäten erledigen. Fehler oder fehlende Angaben können zu Bußgeldern, Nachforderungen oder Verzögerungen führen. Szenarien, die im engen Zeitplan einer Tour besonders problematisch sind.
Zugegeben gibt es die Möglichkeit einer sogenannten vorübergehenden Einfuhr. Dabei werden die Waren nur temporär ins Land gebracht und nach Ende der Tour wieder ausgeführt. Dieses Verfahren kann helfen, dauerhafte Abgaben zu vermeiden, erfordert aber ebenfalls genaue Dokumentation und die Einhaltung bestimmter Fristen. Auch hier ist also Planung und administrativer Aufwand nötig.
Für große Produktionen mit eigenem Tourmanagement oder steuerlicher Beratung mag das alles handhabbar sein. Für kleinere Bands ohne professionelle Infrastruktur sieht die Realität oft anders aus. Die Margen auf Merchandise sind häufig ohnehin knapp kalkuliert. Wenn dann ein Teil des Budgets für Steuern vorfinanziert werden muss und zusätzlicher bürokratischer Aufwand entsteht, schrumpft der potenzielle Gewinn weiter. Genau aus diesem Grund entscheiden sich viele Bands bewusst gegen den Verkauf von Merchandise bei ihren Schweiz-Terminen. Das Risiko von Mehrkosten, der zusätzliche Papierkram und mögliche Verzögerungen an der Grenze stehen für sie oft in keinem sinnvollen Verhältnis zu den erwarteten Einnahmen. Statt sich mit Zollformalitäten auseinanderzusetzen, konzentrieren sie sich lieber auf die Shows selbst. Auch wenn das bedeutet, auf einen wichtigen Teil ihrer Tour-Erlöse zu verzichten.
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Crew | Redaktion
Ich bin durch meine Eltern bereits mit Rockmusik aufgewachsen. Da mein Vater als Tontechniker unterwegs war, habe ich recht früh gelernt, was gute Musik ausmacht und ob eine Band vor allem live gut klingt. In der Teenie-Phase mischte sich dann zu dem bis dato englischen Rock und Punk Genre immer mehr der Deutschrock in meine CD Sammlung und dieser Linie bin ich bis heute treu geblieben. Prinzipiell ist mir der Stil egal, Hauptsache, ich höre Gitarre, Bass und Schlagzeug.




