Mit Metal klingt alles besser – Teil 2
Es gibt zwei Arten von Songs: Die einen sind gut und die anderen sind gut, bis eine Metal Band sie covert. Dann sind sie plötzlich großartig. Gitarren auf Anschlag, doppelte Bass Drum und eine Portion Metal-Energie können selbst bekannte Klassiker komplett neu aufladen. Willkommen zu Teil 2 von Mit Metal klingt alles besser.
Amaranthe – Fading Like A Flower
(Original: Roxette, 1991)
Amaranthe hat 2024 aus dem 90er-Herzschmerz ein Hochglanz-Metal-Biest gezüchtet. Drei Stimmen (Clean, Female, Growl) jagen sich durch den Refrain wie Kampfjets im Formationsflug. Die Melodie bleibt unantastbar, aber sie wird von Double Bass und Synthesizer-Wänden getragen. Statt Wehmut gibt es Adrenalin. Früher eine Pop-Perle – jetzt eine Panzerblume.
Callejon – Ein Kompliment
(Original: Sportfreunde Stiller, 2002)
2013 hat Callejon aus dem Indie-Schmusesong ein Schlagzeug-Gewitter gemacht. Der brave Gitarrenpop bekommt plötzlich Breakdowns verpasst, die mehr Knochen brechen als Herzen. Bastis Schreie reißen die Zuckerwatte aus dem Refrain und stopfen stattdessen Dynamit hinein. Der Ohrwurm-Faktor bleibt, aber er kommt jetzt mit Stahlkappenschuhen in die Magengrube. Liebe tut weh? Hier klingt es wenigstens so.
Alestorm – Hangover
(Original: Taio Cruz, 2011)
Der Club Hit wurde 2014 von Alestorm gekapert und auf die Mission „Rum vernichten“ geschickt. Aus dem EDM-Hit wird ein Piratensaufgelage mit Shanty-Chor. Die Hook bleibt gröhlbar, aber jetzt mit salziger Gischt im Gesicht. Zwischen Keyboard und Kanone wird klar: Dieser Hangover hat Bart und er trinkt weiter.
NanowaR of Steel – Das Rote Pferd
(Original: Markus Becker, 2008)
Vollgas durch den Ballermann galoppiert 2024 NanowaR of Steel. Der Après-Ski Ohrwurm wird zur Power Metal Parade mit Augenzwinkern und Größenwahn. Knabenchor trifft auf Drum-Session-Dauerfeuer. Aus Sangria wird Bier-Power. Und plötzlich wiehert selbst der Moshpit.
Betraying the Martyrs – Let it go
(Original: Idina Menzel – aus dem Film Frozen/Die Eiskönigin, 2013)
Zum Schluss haben wir noch einen richtigen Kracher für euch. 2014 friert Betraying The Martyrs das Disney Märchen schock. Symphonische Elemente bleiben, aber sie werden von Blast Beats und Growls zerschmettert. Der Refrain erhebt sich episch, nur diesmal mit Dämonenchor im Rücken. Elsa hat jetzt Breakdown Qualitäten. Loslassen war nie so heavy.
Cover-Versionen zeigen, dass Musik kein starres System ist. Ein Song kann seine Form ändern, sein Genre wechseln und trotzdem funktionieren. Metal-Cover sind mehr als nur lautere Versionen bekannter Songs. Die Besten davon zeigen, wie flexibel Musik sein kann und wie ein Genrewechsel einen Track komplett neu wirken lässt. Metal ist dabei oft der perfekte Verstärker für Emotionen, Energie und manchmal auch für überraschend gute Ideen. Und eines ist sicher: Die Liste solcher Überraschungen ist noch nicht zu Ende. Teil 3 könnte also schneller kommen, als man denkt.
Redaktionell verantwortlich für diesen Artikel:
Crew | Fotograf
Mein musikalischer Weg hat viele Abzweigungen. Von Mittelalter über diverse Subgenres des Metals, bis hin über die Tiefen des Rocks. Geprägt von den Onkelz, In Extremo und Rammstein führt heute kein Weg mehr an In Flames, Parkway Drive und Machine Head vorbei.





