Was steckt hinter der Band Krankenkasse?

Wenn Krankenkasse die Verstärker aufreißt, gibt es kein Zurück mehr. Hier wird nicht diskutiert, hier wird geliefert. Fette Riffs, ehrliche Wut im Bauch und Texte, die knallen wie ein Tritt gegen die Tür. Diese Band steht für Vollgas. Im folgenden Interview redet sie Klartext über Lärm, Leidenschaft und warum Stillstand für sie schlimmer ist als jeder Tinnitus.

VRR: Wo kommt ihr her und welche Rolle spielt eure Heimat für euren Sound oder eure Texte?

Krankenkasse: Wir kommen aus der schönen Stadt Köln am Rhein, aber unser Sound ist weniger von unserer Heimatstadt geprägt. Wir spielen keinen Karneval, sondern Entertainment-Rock. Wobei, wenn man sich die Sache genauer anschaut, scheint auch bei uns die Vielseitigkeit oder das bunte Leben der Kölner in unserer Musik durch. Da kann nach einer fiesen Rocknummer auch mal ein 1, 2, 3, 4 Mittanzschlager kommen.

VRR: Wie würdet ihr eure Musik jemandem beschreiben, der euch noch nie gehört hat?

Krankenkasse: Wir mischen gerne verschiedene Musikstile wie Rock, Punk und Reggae und ab und an geht mit uns auch mal der Discobeat durch. Wir haben da eigentlich keinen richtigen Plan. Da würde jeder Marketing-Stratege die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Da kommt bei uns ganz viel aus dem Gefühl und spontan. Was wir am Ende wollen, ist eine gute Zeit auf der Bühne und das passiert dann, wenn das Publikum auch gut drauf ist. Deswegen sagen wir auch Entertainment-Rock.

IV_Krankenkasse Was steckt hinter der Band Krankenkasse?

VRR: Welche musikalischen Einflüsse prägen euren Stil?

Krankenkasse: Das ist ganz unterschiedlich. Da ist von Punkrock, Irish-Folk oder klassischem AC/DC Rock alles dabei. Nur op kölsch hammer noch nit jesunge.

VRR: Was ist euch wichtiger: klare Message, rohe Energie oder absoluter Mitgröhlfaktor?

Krankenkasse: Der Text ist uns natürlich schon sehr wichtig. Wir sind aber keine klassischen Singer/Songwriter. Die Musik ist uns genauso wichtig. #WIRSINDABRISS beschreibt es eigentlich am besten. Energiegeladene Musik mit dem nötigen Mitsingfaktor.

VRR: Wo wird man euch dieses Jahr live sehen können, stehen bereits Konzerte oder Festivals fest?

Krankenkasse: Wir haben noch Termine frei, also gerne Booking Anfragen an krankenkasserockt@gmail.com. Wenn nicht bei dir zu Hause im Wohnzimmer, kann man uns zum Beispiel dieses Jahr bei Böhse Ostern in Namborn sehen. Oder auch im Biergarten-Open-Air bei Zu den vier Winden in der Voreifel. Und wir freuen uns sehr auf das kommende Pottbeben im Resonanzwerk. Darüber hinaus sind für die Schutt und Abriss GmbH noch einige Baustellen gebucht.

VRR: Arbeitet ihr aktuell an neuen Songs? Und ist vielleicht sogar eine EP oder ein Album in Planung?

Krankenkasse: Ja, wir arbeiten an neuem Material. Da wird an einer neuen EP geschraubt. Es gibt aber aktuell noch kein VÖ-Datum. Manchmal kommt halt auch das normale Leben dazwischen und wir lassen die Rock ´n´ Roll Attitüden ruhen. Aber wir sind selbst heiß auf neues Material. So heiß, wie flüssige Butter über heißen Salzkartoffeln.

VRR: Warum sollte man sich ein Krankenkasse-Konzert auf keinen Fall entgehen lassen?

Krankenkasse: Wir sind authentisch und mit uns kann man auch ein lecker Bierchen vor und nach dem Gig trinken. Wir sind manchmal laut und manchmal etwas leiser und irgendwie fühlt sich ein Krankenkasse-Konzert immer wie eine riesige Party mit Freunden an. Hoffentlich kommt das auch so beim Publikum rüber.

VRR: Wenn Krankenkasse eine Diagnose für die aktuelle Rock- und Punkszene stellen müsste, wie würde sie lauten und was wäre eure Therapie?

Krankenkasse: Die Musiknutzung hat sich sehr verändert. Ob live mit diesem absolut unverschämten variablen Ticketpreisen oder halt Streaming. Es ist spannend, wohin dieser Zug fährt. Festivals kommen und Festivals gehen. Genauso die Clubs, wenn man da an das altehrwürdige Underground in Köln denkt und wie viele große Bands dort angefangen haben. Jetzt steht dort eine Schule, was auch nicht zu verachten ist. Aber hätte man das Ding nicht einfach drumherum bauen können?

Zurück zur Frage: Die Szene ist sehr vielseitig und natürlich ist gerade Streaming ein Türöffner für kleine Bands. Da kann man für kleines Geld seine Songs veröffentlichen. Nur verdienen tut man damit nichts. Deswegen wäre unsere Therapieempfehlung, wenn der ein oder andere sich beim nächsten Krankenkasse-Gig eines dieser fantastisch aussehenden Krankenkassen T-Shirts kaufen würde. Das gilt natürlich auch für jede andere Band. Das ist praktisch wie eine großzügige Spende ohne Spendenquittung. Das könnt ihr also nicht von der Steuer absetzen, aber ihr macht die Bands sehr glücklich. Und Glück kann man doch eigentlich nicht kaufen, oder?

IV_Krankenkasse-2 Was steckt hinter der Band Krankenkasse?

VRR: Was war der chaotischste, wildeste oder absolut unvergesslichste Moment, den ihr bisher auf oder hinter der Bühne erlebt habt?

Krankenkasse: Daran können oder wollen wir uns nicht mehr erinnern. Hier ein kleiner Umriss: In Dutenhofen haben wir dem Prädikat #WIRSINDABRISS ein Ausrufezeichen verpasst, indem wir im wahrsten Sinne des Wortes die Bühne zerlegt haben, weil sich die Verbindungen der Bühnenelemente lösten. Unser Gitarrist ist mal während eines Freibad Open Air mit Gitarre vom Dreier gesprungen. Ein weiteres Highlight waren die Auftritte bei dem Krawall’o’Rock in der Eifel. Hier haben wir den Tablepit während der Coronazeit erfunden. Außerdem durften wir Locations wie das Brandenburger Tor und den Roncalliplatz vor dem Kölner Dom bespielen und werden immer die Gigs in Erinnerungen behalten bei denen uns Kärbholz eingeladen hat. Einfach ein geiles Publikum.

VRR: Gibt es einen Song von euch, der live komplett eskaliert, vielleicht sogar anders funktioniert als auf Platte? Und warum?

Krankenkasse: Wenn einer live eskaliert, ist das Beau Gosse unser Gitarrist, weil der Rest der Band mal wieder spontan improvisiert. Aber das gehört dazu und songtechnisch ist „Wer nicht will“ ein Knaller!

VRR: Wenn ihr euch eure perfekte Tour zusammenstellen könntet, mit welchen drei Bands würdet ihr im Nightliner sitzen und warum gerade die?

Krankenkasse: Gegenfrage: Wenn dann insgesamt vier Bands in einem Nightliner auf Tour sind, riecht es eher nach Rosen oder nach kaltem Männerschweiß? Wer möchte das? Aber wenn ihr so aufdringlich fragt, wären das wohl Krankenkasse (wir fahren ja auch mit), Heaven Shell Burn, Pantera, Bap, Royal Republic, Metallica, Turnstile, Parkway Drive, Johnny Cash, Broilers, Die Toten Hosen, The Haunted, Madball, The Damn Truth, Victory, Electric Callboy, die Damen vom Svenska Volleybollförbundet und den Dönerverkäufer meines Vertrauens.

Krankenkasse steht also für ehrlichen Entertainment-Rock ohne Netz und doppelten Boden. Sie ist laut, vielseitig und hat immer eine Überraschung auf der Bühne dabei. Zwischen Abriss-Attitüde und Mitgröhlfaktor liefert sie genau das, was ein guter Rockabend braucht: Energie, Nähe und verdammt viel Spaß. Streaming schön und gut, aber diese Band gehört auf die Bühne. Also hingehen, Bier in die Hand und Krankenkasse live erleben. Vielen Dank an Krankenkasse für das offene und unterhaltsame Interview.

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