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Bockwurschtbude – SIPPENHAFT – VÖ 02.12.2022

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Lesedauer
3 Minuten

Im November 1995 startete Bockwurschtbude aus Frankfurt an der Oder als 2-er Combo und spielten Fun Punk im Stil der Abstürzenden Brieftauben. Heute sind von der Urbesetzung noch Mirko Mostrich und Mieschka Mayonaise dabei. Seit 2016 geben Riggø Rübe und seit 2021 Andi Agave ihren Senf zur Bockwurschtbude, die aus der Berliner/ Brandenburger Szene nicht mehr wegzudenken ist, dazu. Wer nun denkt, bei dem Namen kann es nur in Richtung Fun Punk gehen, der täuscht sich und wird eines Besseren belehrt. Mit Hilfe einer Label Kollaboration zwischen Laketown Records, Elbpower Records, Anarchy Of Sound, Kraut & Rüben Records und Oi!The Nische, kommt nach über 25 Jahren die fünfte Veröffentlichung der nicht nur textlich gereiften Männer auf den Markt.

Tracklist

1. Scherbenhaufen
2. Arschlecken
3. Dreck
4. Dieser Weg
5. Helden
6. Strandgut
7. Kollateralschaden
8. Alltag
9. Einbahnstraße
10. Scheißsong
11. MørDog
12. Patentrezept

Wie damals ’69

Ganz schön große Töne spucken Bockwurschtbude mit „Scherbenhaufen“ aus. Und zu allererst wird oben genannte Aussage zu 100 % bestätigt. Wie es sich für handfesten Oldschool Oi! gehört, wird textlich sozialkritisch agiert. „Die Welt liegt in Scherben und ihr seid mit dabei. Wer will noch gute Plätze haben? In Reihe zwei ist noch was frei.“ Eine, weiß Gott warum, immer noch aktuelle Geschichte wird mit „Arschlecken“ erzählt. Naive Mitmenschen, die ihr Gegenüber aufgrund von Kleidung, Aussehen oder Accessoires abstempeln. Ein knallhart straightes Brett, bei dem die Stiefel festgeschnürt werden müssen. Viel Platz für Interpretationen lässt der wohl textlich aggressivste Song „Dreck“. Vergangene Liebe? Frühere Freundschaft? Oder gar Gleichgültigkeit einer Person gegenüber? Macht euch selbst ein Bild.

Mit solchen Themen habe ich nicht gerechnet

Haben, haben, haben. So dürfte die Kernaussage des Titels „Dieser Weg“ sein. Besser und um vieles provokanter und im Grunde genommen das Highlight vom Album ist „Helden“. Damit habe ich nicht gerechnet. Nicht gerechnet damit, wie steil der Song abgeht und welche Sinnhaftigkeit dahintersteckt. Mit der Textzeile „Doch Krieg ist niemals Hollywood“ ist alles erklärt. Mit viel Bass und darauffolgendem Rhythmus schließt sich „Strandgut“ nahtlos an und zeigt, wieviel Abwechslung Oi! Punk machen kann. Wie die ersten Textzeilen durch die Lautsprecher tönen, knallt mir sofort „Europa“ von Die Toten Hosen durchs Hirn. Nur das Bockwurschtbude das Ganze auf die harte Tour machen. Chapeau!

Auch schon mal in einen Kackhaufen getreten?

„Kollateralschaden“ lässt nicht locker an Tempo, Spielfreude und herber Kritik an Gesellschaft, Politik und der daraus resultierenden Geldgier, die auf den Schultern der Schwachen der Gesellschaft ausgetragen wird. Na, jetzt wird es doch etwas lustiger. So kommen die ersten Töne von „Alltag“ rüber. Macht jetzt zu Beginn nicht wirklich Spaß. Der Chorus macht das aber wieder wett. Für Meinungsfreiheit plädiert „Einbahnstraße“ und passt somit perfekt ins Konzept der Platte. Hiiiha. Los geht’s. „Scheißtag“ holt uns mit seinen 1,41 Minuten raus aus den ernsten Themen der vorherigen Songs und trägt positiv zum Wohlbefinden des Hörers bei. Ja, es geht um den Kackhaufen, in den man manchmal reintritt. Und das ist diesmal nicht vergleichend gemeint.

Zart gestorben

Wenn mal wer richtig Wut hat, dann bitte sehr. Hier ist „MørDog“. Ist schwedisch und bedeutet so viel wie zart gestorben. Das Gegenteil ist vom Titel zu behaupten. Der ballert. Doch wieso dieser Titel? Hat da Riggø Rübe seine Finger im Spiel? Die Band hält es da wie die Queen. Never complain, never explain, oder so. Soll heißen: Jeder darf sich aus den Liedern ziehen, was er denkt. Und ja verdammt! Jetzt wird mit „Patentrezept“ nochmal so richtig durchgezogen. Das Patentrezept haben Bockwurschtbude nicht, dafür aber eine klare Message. „Lieber renn’ ich gegen Mauern, als später zu bereu’n einfach weggeseh’n zu haben. Doch am Anfang steht der Traum und nicht der Plan.“

Fazit

Mit diesem Album legen Bockwurschtbude die Latte für mich ganz schön hoch, wenn ich mir mal wieder ein Oi! Album zulegen möchte. Da können sich manche Bands eine fette Scheibe abschneiden. Hier wird mit Kritik an aktuellen Situationen nicht gespart. Hier gibt es kein Trallala und keine Sauflieder, die eh nur funktionieren, wenn man Eins / Acht im Turm hat oder auf Konzert ist. Ganz klar ist dieser Musikstil nicht jedermanns Sache, doch mit SIPPENHAFT ist es Bockwurschtbude gelungen, ein sehr starkes Album an den Start zu bringen, das auch für geneigte Hörer von Punk und Punkrock vieles bietet. Lediglich in der Produktion stört mich der doch sehr „zurückgedrängte“ Gesang. Das Booklet ist demzufolge von Vorteil.

8 von 10 Punkten

Jörg Hentzgen
Mit Baujahr 1976 nicht mehr so ganz jung, bin ich im Herzen der Republik, in Anhalt aufgewachsen. Mit 19 Jahren zog es mich nach Baden-Württemberg. Aufgewachsen mit Heavy Metal á la Metallica, Slayer und Kreator etc., pubertierte ich mit dem Punk bis ich dann mit dem New York Hardcore erwachsen wurde. Es gilt: “Ob Metal oder Punk, in deutsch oder englisch, Hauptsache mir gefällt´s.

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