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Gebrüder Manns – Musik, die aus den Eierstöcken kommt 

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Lesedauer
4 Minuten

Ein verlässliches Brett seit 1996 sind Gebrüder Manns. Ansässig zwischen Göttingen und Eckernförde, liefern die Damen Riffs, Hooklines und Gesang ab, der einen 90-iger Jahre Crossover Mix zwischen Deftones und Rage Against The Machine aufleben lässt. Wir stellen vor: Gebrüder Manns. Gebrüder Manns | Facebook 

Frauen zwischen Cup C und Gebrüderinnen 

Die Erstgründung der Band fand im Jahre 1996 statt. Nach einer Probe und den anschließenden Besuch in der Stammkneipe schlug eine Freundin der Band den Namen Cup D vor. Der Optik zuliebe wurde es dann Cup C. 20 Jahre später, nach einem Reunion Konzert, wurde daraus Gebrüder Manns. Die Gebrüderinnen, wie sie sich selbst nennen, sind: Karin, Sabine, Annika und Marie. Karin bedient den Bass und wohnt im Umland von Berlin. Sabine ist seit ihrer Jugend in diversen Hardcore, Metal und Punkrock Bands unterwegs und trommelt auf die Becken ein. Annika stemmt die Gitarre bei den Gebrüderinnen und den Bass in ihrem Zweitprojekt The!Not. Zu guter Letzt ist da noch Marie. Die gebürtige Dänin behauptet sich am Mikrofon. 

 

VRR: Mit Gebrüder Manns habt ihr schon etliches an Videos veröffentlicht. Jedoch erst seit einem Jahr. Gibt es Gründe, warum es vier oder fünf Jahre nach der Umbenennung gedauert hat, bis es soweit kam? 

GM: Die Reunion war damals noch in letztbestehender Besetzung. Es kam zum Bruch mit unserer Drummerin. Mit Sabine kam dann jemand, mit dem die Band so klingen konnte, wie sie immer wollte. Wir hatten endlich ein gutes Set zusammen und spielten unseren ersten Gig im Clash in Berlin. Im Februar 2020 kam dann der Lockdown. Der Kick für neue Songs kam erst da. Wir haben dann anders gearbeitet, haben angefangen, Songs zu Hause vorzuproduzieren und das Vakuum an Kontakten zur Außenwelt hat da echt was losgetreten an kreativem Potenzial. 

VRR: Nun sind reine Frauenbands, die härtere Rockmusik betreiben, immer noch selten. Was glaubt ihr, woran liegt das? 

GM: Als wir in den 90-er Jahren mit Cup C angefangen haben, gab es extrem wenige Vorbilder für Frauen auf der Bühne in dem Genre. Wenn, dann war es immer 4/4 Takt Musik. Hole und L7 war das Einzige, was wenigstens einigermaßen fette Gitarren hatte. Das sorgt natürlich für fehlendes Selbstverständnis, sich auch dahinzustellen und zu denken, dass das normal ist. 

Mother made you! Motherfuck you 

Diese Frauen stehen mit beiden Füßen im Leben. Sie haben Kinder, feste Jobs und genügend Lebenserfahrung um zu wissen, worum es im Leben geht. Da kommen Begriffe in einem Interview auf, die vermutlich nur ein Mann ansprechen würde, wenn er eine reine Frauen Band interviewt. Als da wären: Feminismus, Männer Domäne oder Gleichberechtigung. 

VRR: Habt ihr es in der Musikszene schwerer als eure männlichen Kollegen? 

GM: Nee. Gar nicht, zum Glück. Eher im Gegenteil. Damals haben uns unsere Männerbandkumpels alle dafür gehasst, dass wir teils eher Gigs bekommen haben, nur weil wir Frauen sind.  

VRR: Seid ihr Feministinnen? Was haltet ihr von dem Begriff? Wie seht ihr diese Gleichberechtigungsbewegung und findet ihr das eher beleidigend oder eher als Kompliment? 

GM: Mother made you! Motherfuck you. Wer heute nicht Feminist ist, hat nichts verstanden. Wir warten auf den Moment, wo dieses Wort nicht mehr nötig ist, weil alles getan ist. Wenn wir uns auf die Bühne stellen und männliche Domänen besetzen, ist das ein Konzert. Aber es ist auch ein feministischer Akt. Genauso wie: wenn wir uns in unseren Videos nicht bis zur Unkenntlichkeit mit Beautyfiltern verschönern. Wenn wir Kommentare wie „Some ugly old bitches“ unter unseren Videos für die nächste Gesangs- Hookline verwenden. Oder wenn wir uns rechtfertigen müssen, weil wir an zwei Tagen hintereinander Gigs haben und nicht bei unseren Kindern sein können. Kein männlicher Musiker muss sich dieser Frage stellen. Mittlerweile bezeichnen sich viele unserer Kumpels als Feministen. Das finden wir knorke. 

Musik, Texte und der Traum von Wacken 

VRR: Euer Stil ist weit ab vom Mainstream. Was ist der Grund dafür? 

GM: Das ist die Musik, die aus unseren Eierstöcken kommt. Was sollen wir machen? Wir wollen schon 100 % hinter dem stehen, was wir machen. 

VRR: Worüber handeln eure Songs? Was wollt ihr damit ausdrücken? 

GM: Unsere Texte kreisen um politische akzentuierte Themen. Wie dämliche Weltenführer, Ausgrenzung und Anpassungszwang. Aber auch nach dem Motto phonetics before poetics. Und natürlich die Verarbeitung von persönlichen Erlebnissen. Beispielsweise welchen Einflüssen die Teenager durch den ganzen Social Media Wahnsinn unterworfen sind. 

 

VRR: Wie sieht die nahe Zukunft von Gebrüder Manns aus? 

GM: Tja. Die ferne Zukunft heißt Wacken. Die nahe Zukunft sieht vor, alles zu tun was nötig ist, um da spielen zu dürfen. 

Team Gebrüder Manns – Be tough! Be sexy! Be a Gebrüderin! 

Die Gebrüderinnen sind ein super Team, so sagen sie. Jeder kann was anderes gut. Marie setzt viel Grafisches und das Artwork um, schreibt Texte, bringt die Crowd zum Kochen und steht nach dem Auftritt am Merch Stand. Sabine kümmert sich um VÖ, viele technische Angelegenheiten. Annika bringt Songvorschläge in die Vorproduktion, übernimmt Promo und arbeitet augenblicklich mit Karin für das Booking zusammen. Gemeinsam erarbeiten sie die Ideen zu den Videos. Unterstützend wirken Freunde mit Equipment, Tipps und Enthusiasmus mit. Besonders ihr erster Groupie liegt ihnen sehr am Herzen. Ebenso Tobias Langer, der auch schon für Rauhbein und Alarmbaby produziert hat. Mit ihm sind sie sehr familiär und freundschaftlich verbunden. Für die Band hat er bis dato viel in Sachen Musik und Videoproduktion geleistet. Viel haben die Frauen vom ihm gelernt. 

VRR: Was ist das Tollste an Gebrüder Manns? 

GM: Wir sind Frauen mit Lebenserfahrung. Und wir haben alle unser Erwerbsleben. Dabei halten wir seit Jahren wirklich mit viel Energie, Zeit, Geld und Einsatz an unserer Vision fest. Außerdem denken immer alle, wir sind Zicken, weil wir Frauen sind. Da kann man nur gewinnen. 

VRR: Apropos Lebenserfahrung. Was gebt ihr jungen Bands mit auf den Weg, die in derselben Konstellation stehen wir ihr? 

GM: Nehmt euch den Raum. Er gehört euch genauso, wie allen anderen. Seid laut. Seid tough. 

VRR: Alles Schöne hat einmal Ende. Vielen Dank. Die letzten Worte an unsere Leser gehören euch. 

GM: Bitte hört nicht auf, handgemachte Musik zu hören und geht auf Konzerte! Raus aus der Sofakrake. Wir brauchen Gemeinschaft. Wir brauchen laute Musik. Wir müssen uns die Eingeweide massieren lassen! Be tough! Be sexy! Be a Gebrüderin! Wir sagen Danke, für die Möglichkeit unsere Gedanken zu teilen!  

 

Jörg Hentzgen
Mit Baujahr 1976 nicht mehr so ganz jung, bin ich im Herzen der Republik, in Anhalt aufgewachsen. Mit 19 Jahren zog es mich nach Baden-Württemberg. Aufgewachsen mit Heavy Metal á la Metallica, Slayer und Kreator etc., pubertierte ich mit dem Punk bis ich dann mit dem New York Hardcore erwachsen wurde. Es gilt: “Ob Metal oder Punk, in deutsch oder englisch, Hauptsache mir gefällt´s.

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