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Rustikarl eröffnet die Sofasause-Tour – Briloner Eierhof

Zwischen Punkrock und Bauernhoffeeling

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Die Konzertlocations dieser Nation bieten viel Abwechslung. Von Burgen, über alte Bergwerke bis hin zu Seen ist für jeden Geschmack etwas geboten. Auch die Sofasausen der Briloner Band Rustikarl haben den Anspruch, außergewöhnlich zu sein. Zum Auftakt der Konzertreihe führte es mich daher in die Scheune eines angrenzenden Bauerhofes. Ein Sauerland-Report.

Es ist Freitag der vierte September. Für Rustikarl bedeutet dieses Datum nicht nur den Release der neuen EP Sofasause, sondern gleichzeitig auch den Auftakt der gleichnamigen Konzertreihe. Dank Corona stehen für das heutige Konzert gerade einmal 50 Rockwütige auf der Gästeliste, glücklicherweise kann auch ich mich dazu zählen. Doch was passiert, wenn plötzlich mehr erscheinen? Die ersten Fluchtwege für mögliche Polizeieinsätze werden ausgekundschaftet und die Gemüter mit dem bandeigenen Bier „Rustis Homebrew“ beruhigt.

Die Ruhe vor dem Sturm

Nachdem allen Anwesenden die nötigen Coronamaßnahmen nähergebracht wurden, kann die erste Sofasause endlich starten. „Die Ruhe vor dem Sturm“ heißt der Opener, der sich auf dem im November erscheinenden Album befindet. Der Song passt perfekt zur Situation vor Ort: erste wippende Füße, ein leichtes Kopfnicken der Anwesenden und Stehtische, die bisher das Pogoareal blockieren. Bisher fließt im Publikum kein Schweiß, sondern nur der Alkohol in Strömen. Ich bleibe zuversichtlich.

Fernweh? Niemals

Was folgt ist „Fernweh“, Bestandteil des Debütalbums „Therapie“. Auf der Bühne wacht man langsam auf und auch davor stößt der bekannte Song auf Gegenliebe. Die ersten Arme werden in die Luft gereckt, die ersten grölenden Männerstimmen sind zu vernehmen. Fernweh? In diesem Moment möchte ich nirgendwo anders sein. Ein Konzert, bei dem ich nicht in eine Maske singen muss, ist wie Balsam für meine geschundene Veranstaltungsseele. Was an diesem Abend zählt, ist endlich wieder lächelnde Mundwinkel zu beobachten. Und natürlich Desinfektion und Abstand. Wie lange der wohl noch eingehalten werden kann?

Die Begrüßung der Band fällt knapp aus und der Kurs ist klar. Denn neben Tourshirts haben die Briloner mit dem nächsten Song „Auswärtsspiel“ auch Hosen mitgebracht. Zwar werden, anders als bei den Düsseldorfern, keine Pyrofackeln gezündet und auch keine unverschämt großen Fahnen geschwenkt, den Text des Klassikers kennen die Anwesenden aber trotzdem zu genüge. Die Temperaturen in der Scheune des Eierhofes steigen weiter an, für ein hartgekochtes Ei reicht sie aber bisher noch nicht.

Gröl-Garantie Homebrew

Das ändern an diesem Abend unter anderem Songs wie „Arche Punk´n Roll“. Die Songs der neuen EP kommen spürbar schwungvoll daher und lösen auch in der gegenwärtigen Anhängerschaft einen Drang nach Mitgröhl-Einlagen aus. Die Garantie dafür bringt das Rustikarlsche Homebrew. Auch auf der Bühne fühlt man sich sichtlich wohl. Neben ein paar kleineren Stolperern auf musikalischer Ebene, kann ich immer mal wieder ein Grinsen der fünf Rocker erhaschen. Der eigene Stil für die kommenden Bandjahre scheint gefunden.

Mit fortschreitender Setlist nähert sich der Abend auch Fanfavoriten wie „Tequila mit den Engeln“ oder „Mein Freund ist Sauerländer“ an. Der letztgenannte Song ist mittlerweile zur lokalpatriotischen Hymne mutiert und macht dem Zoff-Hit „Sauerland“ mächtig Konkurrenz. Um den Track gebührend zu zelebrieren, haben sich auf dem angrenzenden Heuboden zwei Fahnenschwenker positioniert. Wenige Meter darunter rumpeln sich ein paar wenige Konzertbesucher gegenseitig quer durch den Raum, die oben bereits erwähnten Stehtische sind längst Geschichte. Bereit, wieder die Musik zu genießen, entziehe ich mich dem Getümmel und entgehe nur knapp einem Herzinfarkt. Mittlerweile reicht es für ein hartgekochtes Ei.

Hart am Glas

Mittlerweile war mit dem Song „Noch nicht nach Hause“ bereits der erste Teil der Zugabe vergangen. Zum nächsten Titel „Leber brennt“ hatten sich die Jungs jedoch noch einmal etwas Besonderes einfallen lassen: ein Trinkspiel. Sechs Flaschen sollen geleert werden, bis der letzte Ton des Titels verstummt ist. Eine schier unlösbare Aufgabe, die mit einem mutigen Mann aus dem Publikum fast noch ihren Bezwinger fand. Vier Flaschen sind leer, die Leber ist abgebrannt.

Der Abschied von der Bühne erfolgt mit einem Cover, das auch die ältere Generation noch einmal aus der Reserve lockt. Was sonst auf jedem Sauerländer Schützenfest läuft, feiert nun also auch Sofasausen-Premiere. Nachdem auch dieser Hit sein Ende findet und der feuchtfröhliche Teil des Abends beginnt, beziehungsweise weitergeführt wird, wird sie schließlich angerufen. Nein, nicht Rosis Nummer, sondern die des Taxis. Ein gelungener Einstand in ungewöhnlicher Location.

Eric Steinberg
Eric Steinberg
Über mich: Geboren im Jahrgang 2000 bin ich mit 17 Jahren der Jüngste im Team. Für Rockmusik schlägt mein Herz schon seit dem Kindesalter. Angefangen hat damals alles mit den Toten Hosen. Obwohl als Schüler immer knapp bei Kasse, besuche auch ich das ein oder andere Konzert. Außerdem spiele ich leidenschaftlich gerne Schlagzeug. Motto: Es gibt nur ein Gas, Vollgas!
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