Vollgas – Rock & Realtalk: Matthias Engst über Absturz, Neuanfang und Gute Laune
Keine Warm-up-Runde, kein Smalltalk. Diese Folge von Vollgas – Rock & Realtalk geht direkt an die Substanz. Matze von ENGST sitzt am Mikro und liefert keinen Promo Schnick-Schnack, sondern einen schonungslos offenen Blick hinter Bühne, Band und seelische Abgründe. Drei Begriffe stehen über dem Gespräch: Prägung. Spannung. Vision. Und selten haben sie so wörtlich gepasst. Bevor ihr denkt “Kein Bock auf lesen”, dann könnt ihr direkt hier in den Podcast einsteigen: https://linktr.ee/VollgasPodcast
Wenn das Leben dir die Luft abschnürt
Matze spricht über ein Jahr, das ihn fast zerlegt hat. Beziehung am Ende, familiäre Verantwortung, Job als Sozialarbeiter in Berlin-Marzahn, parallel Band, Schreiben, Touren. Irgendwann war Schluss mit „läuft schon“. Burnout, Depression und drei Monate raus aus dem Job. Therapie. Medikamente. Komplettabsturz. Er beschreibt die Kluft zwischen Bühnenfigur und Privatperson: vorne Vollgas, hinten Leere. Freunde und Familie waren es, die die Notbremse gezogen haben. Kontrollgänge. Einkaufen helfen. Da sein. Während er selbst nicht mal mehr aus dem Bett kam. Achtzehn Kilo runter in zwei Monaten. Keine Energie, kein Hunger, kein Sinn. Heute steht er stabiler da. Kein Alkohol seit Monaten, Sport, Selbstreflexion. Kein moralischer Zeigefinger, sondern nüchterne Erkenntnis: Wenn du Probleme ersäufst, ersäufst du irgendwann mit.
Musik als Überlebensstrategie
Das kommende Album „GUTE LAUNE“ von ENGST ist kein ironiefreier Titel, sondern ein emotionales Schlachtfeld. Songs zwischen Therapieprotokoll und Abrissbirne. Balladen, Assi-Punk, Wut, Trauer, Humor — alles ungefiltert. Vierzehn Tracks, geschrieben ohne Rücksicht auf Marktlogik. Ein Song heißt „Therapie“. Ein anderer „Magendarm“. Die Platte ist kein Produkt — sie ist ein Ventil. Ein auditives Tagebuch. Backstage? Kein Sex-Drugs-Klischee. Eher: Ankommen, warten, Soundcheck, warten, Show, schlafen. Direkt von der Bühne in den Nightliner. Verantwortung statt Exzess.
Berlin, Baseballschlägerjahre und Gegenwart
Matze erzählt von seiner Jugend im Osten Berlins: Neonazis, Übergriffe, Angstzonen. Heute andere Probleme — aber das Klima wird wieder rauer. Rechtssein wird unter Jugendlichen wieder „hip“. Unpolitisch sein? Für ihn unmöglich. ENGST waren immer politisch. Nicht als Parolen-Karaoke, sondern mit Haltung und Dialogbereitschaft. Mehr zuhören, mehr verstehen, mehr Brücken bauen, statt Mauern.
Musik soll verbinden, nicht spalten. Und wenn irgendwann alles gut wäre? Dann gibt es nur noch Songs über Blumen. Wer die neue Folge nicht verpassen will sollte jetzt ein Abo da lassen und rein hören. Überall wo es Podcasts gibt.
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Mitglied im Bundesverband deutscher Pressefotografen (bdp)
Gründete 2017 das Magazin und begann eine ganz neue, "musikalische" Reise durch die rauen Landschaften von Musik, Veranstaltungen und Print- und Online-Medien.







